Die 8 Geheimnisse bei Paulus

Ein persönlicher Einstieg in eine lebenslange Entdeckungsreise.

1. Kommunikation im Reich Gottes

1.1 Warum redet Gott in Geheimnissen zu uns?

1. Korinther 2.6-7   (KNT)
6) Weisheit aber sprechen wir unter den Gereiften, jedoch nicht Weisheit dieses Äons noch der Obersten dieses Äons, die abgetan werden. 7) sondern wir reden von Gottes Weisheit in einem Geheimnis, von der verborgen gewesenen, die Gott vor den Äonen zu unserer Herrlichkeit vorherbestimmt hat.

In Sprüche 25,2 heißt es: „Gottes Ehre (oder Herrlichkeit) ist es, eine Sache zu verbergen, aber der Könige Ehre, eine Sache zu erforschen.“ Dieser Vers hat für mich etwas Befreiendes. Gott erwartet nicht, dass wir alles sofort wissen. Aber er lädt uns ein, zu suchen.

Paulus spricht in 1. Korinther 2,6–7 von „Gottes Weisheit in einem Geheimnis“. Diese Weisheit ist nicht einfach eine besonders gute menschliche Idee. Sie kommt von Gott und wird durch ihn offenbart. Das bedeutet: Beim Lesen dieser Themen geht es nicht nur darum, Informationen zu sammeln. Ich möchte dich einladen, selbst mit Jesus auf Entdeckungsreise zu gehen. Lies die Bibelstellen und bleib bei einem Gedanken stehen. Frag Jesus, was er dir zeigen möchte. Und prüfe, was du erkennst.

Im Zusammenhang mit den Geheimnissen Gottes redet die Bibel häufig von einer göttlich geistlichen Weisheit, die uns geoffenbart werden soll. Wie auch im obigen Vers zu lesen ist, kann diese nicht mit unserer irdischen Weisheit verglichen werden.

Interessante Parallelen finden wir im Buch Daniel (Dan 2,20–23). Auch dort geht es um eine Weisheit, die von Gott kommt und weit über menschliche Weisheit hinausgeht. Daniel erlebt, dass Gott verborgene Dinge offenbart und dadurch Situationen verändert, in denen menschliche Möglichkeiten an ihre Grenzen kommen. Im Alten Testament spricht besonders das Buch Daniel mehrfach von den Geheimnissen Gottes (aramäisch RAZ). Dieser Begriff wurde in der Septuaginta, der griechischen Übersetzung des Alten Testaments, mit MYSTERION wiedergegeben. Für mich ist es spannend zu entdecken, wie Daniel verborgene Dinge durch Gottes Offenbarung versteht und welches Potenzial darin auch für uns als Gläubige liegt.

1.2 Geheimnisse sind Teil unseres Glaubenslebens

Vielleicht hilft ein Beispiel aus der Geschichte. Im Zweiten Weltkrieg wurde mit enormem Aufwand versucht, die Kommunikation des Gegners zu entschlüsseln. Wer eine verschlüsselte Nachricht verstehen konnte, gewann einen entscheidenden Vorteil in der Schlacht. Gleichzeitig musste die eigene Kommunikation bestmöglich geschützt werden.

Wenn wir das biblische Weltbild betrachten, sehen wir einen gewaltigen geistlichen Konflikt zwischen zwei Reichen. Das Reich Gottes und das Reich der Finsternis. Durch den Sieg, den Jesus Christus auf Golgatha errungen hat, wissen wir heute schon, wie der Konflikt enden wird. Der Sieger steht fest und wir Gläubige sind dazu berufen, diesen Sieg hier auf Erden anzuwenden und sichtbar zu machen. Doch in diesem Auftrag erteilt uns Gott nicht klar hörbare Befehle. Vielmehr ist es ein Prozess des Anklopfens, des Suchens und des Bittens, so lernen wir seine leise Stimme von all diesen lauten Stimmen in der Welt zu unterscheiden. Wir brauchen deshalb geistliche Offenbarung, um zu verstehen, was Gott tut und wie wir uns in diesem Plan bewegen sollen. Nicht weil Gott uns bewusst im Unklaren lassen möchte, sondern weil er uns in eine Beziehung hineinruft, in der wir hören, suchen, fragen und lernen, seine Stimme zu erkennen.

Sogar eine Geheimsprache mit dem Schöpfer ist uns nicht vorenthalten. Der betende Gläubige macht die Erfahrung des Sprachengebets, welches Paulus Im Korintherbrief beschreibt: „Denn wer in einer Sprache redet, redet nicht zu Menschen, sondern zu Gott; denn niemand versteht es, im Geist aber redet er Geheimnisse“. Gleich im nächsten Vers fordert uns Paulus auf, zu Weissagen. In der HeilBAR arbeiten wir mit Teams, die jeden Donnerstagabend zu ratsuchenden Menschen prophetisch redet. Auch hier machen wir die Erfahrung, dass wir Gottes Stimme hören und Bilder sehen. Doch um diese Botschaften für die Menschen verständlich übermitteln zu können, braucht es eine Auslegung. Wie Daniel die Träume des Nebukadnezars deuten konnte, denn Gott redete Geheimnisse, so brauchen auch wir diese Dechiffrierung, um die Botschaft verständlich zu machen.

Ohne diesen „Entschlüsselungsapparat“ in unserem Herzen können wir Gottes Wort hören, aber wir verstehen es nicht. Wie Jesus gesagt hat: „EUCH ist es gegeben, die Geheimnisse des Königreich Gottes zu verstehen“. Da habe ich nun auch schon den Gedanken aufgegriffen, der uns zum nächsten Kapitel leitet.

1.3 Jesus beginnt mit den Geheimnissen

Jesus selbst spricht im Gleichnis vom Sämann von einem Geheimnis des Reiches Gottes (Mt 13,3–11; Mk 4,2–11; Lk 8,4–10). Im Mittelpunkt steht unser Herz. Jesus beschreibt es wie einen Boden, auf den das Wort Gottes fällt.

Lukas 8.10
Er antwortete: „Euch ist es gegeben, die Geheimnisse des Königreiches Gottes zu erkennen, den übrigen aber wird es in den Gleichnissen gesagt, damit sie sehend nicht sehen und hörend nicht verstehen.“

Als Gläubige brauchen wir diese „sehenden Augen des Herzens“, um Gottes Weisheit und seine Geheimnisse zu erkennen. Genau darum bittet Paulus in Epheser 1,17.

Zitat aus den Urtextperlen von www.xandry.ch:
Jesus spricht im Neuen Testament als Erster von einem Geheimnis, in einer Verheißung an seine Jünger. Er verspricht ihnen, den Verständnis Suchenden, Einsicht zum Thema „Königreich der Himmel“. Er führt sie in eines der „Hausgesetze“ im Königreich der Himmel ein.
Er lehrt: „Denn wer da hat, dem wird gegeben werden – und er wird Überfluss haben. Wer aber nicht hat, von dem wird selbst das genommen werden, was er hat (Matthäus 13,11-15)“. Eine schwere Aussage! Verstehen wir dieses „Geheimnis“ in Gottes Königreich? Jesus erklärt weiter in den folgenden Versen, wie Menschen mit hörenden Ohren und sehenden Augen dennoch nichts „verstehen“: Sie fügen dem, was sie haben, nichts Neues hinzu. Sie verändern sich nicht und stehen schlussendlich sogar in Gefahr, sich selbst zu verlieren. Die Gleichnisse von Jesus sollen die Neugier zum Verstehen fördern. Das merkt man an seiner Wortwahl. Unter sprachlich mehreren Möglichkeiten, ein passendes Wort für „Verstehen“ zu nehmen, wählt er das Wort „SYNIEMI“ aus (Matthäus 13,13). Es heißt „verstehen dadurch, dass man das mit den Sinnen Wahrgenommene in einen Zusammenhang bringt“.
„Dieser Ausdruck SYNIEMI hat es in sich“ sagte mir schon mein Griechisch Dozent E. Kägi und erklärte mir weiter: „Wenn du etwas Neues hörst, dann speicherst du es als „neu“ in deinem Kopf ab. Dann prüfst du, ob es dir nützen könnte und wie es mit deinem vorhandenen Wissen übereinstimmt. Deine Neugier erwacht. Du bringst nun das Wahrgenommene in den Zusammenhang, den du verstehst. Aber erst dann entscheidest du, ob du das Gehörte VERSTEHEN WILLST. In der Verbindung mit deinem Wissen könnte dich das Gehörte zu sehr in Frage stellen oder dir zu „unbequem“ sein. Ist das der Fall, schläft die Neugier auf das Neue wieder ein und du „verstehst“ es nicht“.
Diese Art des Verstehens, beziehungsweise des Nichtverstehens stellt Jesus den Geheimnissen seiner Gleichnisse voran und schließt auch damit wieder ab (siehe Matthäus 13,51).

1.4 Jesus wechselt zur verschlüsselten Kommunikation

Bevor Jesus zu den Gleichnissen greift, predigt er sehr direkt und unmissverständlich – das bekannteste Beispiel dafür ist die Bergpredigt (Matthäus 5–7). Er spricht offen über die Gebote und das Reich Gottes. In Matthäus 12 passiert jedoch etwas Entscheidendes: Die religiösen Führer (die Pharisäer) lehnen Jesus endgültig ab. Sie behaupten sogar, dass seine Wunder nicht von Gott, sondern vom Teufel stammen. Direkt danach ändert Jesus seine Methode. Die Jünger bemerken diesen plötzlichen Wechsel sofort. Sie gehen zu Jesus und fragen ihn direkt: „Warum redest du zu ihnen in Gleichnissen?

Auch hier sehen wir dieses Muster, dass sich der Konflikt zwischen den beiden Reichen verschärft und Jesus als Reaktion nicht mehr in direkten und unmissverständlichen Worten zu den Menschen redet.

2. Die Geheimnisse in den Briefen des Paulus

2.1. Wie viele Geheimnisse gibt es bei Paulus?

Paulus verwendet das Wort „Geheimnis“ an mehreren Stellen, aber nicht alle Themen lassen sich gleich klar als einzelne Geheimnisse abgrenzen. Verschiedene Bibellehrer kommen deshalb zu unterschiedlichen Zusammenstellungen.

Ich habe mich für acht Themen entschieden. Das ist keine Liste, die Paulus selbst so aufgestellt hätte. Es ist meine Ordnung der Texte und Zusammenhänge, die mir einen hilfreichen roten Faden geben.

Die Zahl acht passt für mich zusätzlich zum Gedanken des Neuanfangs: Nach der Vollzahl Sieben folgt ein Neuanfang mit der Acht. Im Zusammenhang mit Christus und dem Neuen Bund ist dieses Bild für mich stimmig.

Ich komme nun zur Antwort meiner Frage und zeige die Liste der 8 Geheimnisse:

  • Die Verstockung Israels, Vervollständigung der Nationen; Röm 11.25
  • Das Kreuz (STAUROS); 1. Kor 2.1-9
  • Die Auferweckung (ANASTASIS); 1. Kor 15.51
  • Der Glaube (PISTIS); 1. Tim 3.9
  • Die Gottseligkeit (EUSEBEIA); 1. Tim 3.16
  • Reichtum der Herrlichkeit, Christus in uns (DOXA/CHRISTOS); Kol 1.26-27
  • Christus und die Gemeinde (ECCLESIA); Eph 5.32
  • Der Ratschluss seines Willens (THELEMA); Eph 1.5/9/11

Zwei Hinweise:

  1. Das Geheimnis des Christus, welches Paulus in Epheser 3.3-5 anspricht, ordne ich thematisch unter den Punkt „Reichtum der Herrlichkeit, Christus in uns“. Kol 1.26-27
  2. In 2. Thessalonicher 2,7 wird das „Geheimnis der Gesetzlosigkeit“ erwähnt. Mit meinem heutigen Erkenntnisstand kann ich dieses noch nicht sinnvoll in die hier vorgestellte Linie der acht Geheimnisse einordnen und gehe deshalb an dieser Stelle nicht näher darauf ein.

Viele Autoren und Bibellehrer sind sich darin einig, dass die Geheimnisse, wie Paulus sie erkannt hat, im Alten Testament noch verborgen waren und den Aposteln und durch sie den ersten Gemeinden offenbart wurden. Einige Ausleger verstehen diese Offenbarung als einmaliges Geschehen, das keiner weiteren Entdeckung bedarf. Hier gehe ich einen etwas anderen Weg. Weil ein Geheimnis in der Weisheit und Kraft Gottes gründet, können wir Menschen es immer nur teilweise erfassen. Kein Einzelner, keine Gemeinde und keine Generation werden Gottes Geheimnisse vollständig ausschöpfen.

Da es sich um geistliche Geheimnisse handelt, müssen sie geistlich erkannt und verstanden werden. Eine wichtige Voraussetzung dafür ist, dass wir durch den Geist Gottes leben und uns von ihm führen lassen. Damit kommen wir zu einer weiteren Frage: Was ist der rote Faden, der sich durch diese Geheimnisse zieht? In dieser Frage soll dir das nächste Kapitel weiterhelfen.

2.2 Apostel und Propheten sind die Verwalter der Geheimnisse

Epheser 3.8-10   (KNT)
8) Mir, dem bei weitem geringsten aller Heiligen, wurde diese Gnade gegeben, den Nationen den unauspürbaren Reichtum des Christus als Evangelium zu verkündigen 9) und alle darüber zu erleuchten, was die Verwaltung des Geheimnisses betrifft, das von den Äonen an in Gott verborgen gewesen war, der das All erschaffen hat, 10) damit nun durch die herausgerufene Gemeinde den Fürstlichkeiten und Obrigkeiten inmitten der Überhimmlischen die mannigfaltige Weisheit Gottes bekannt gemacht werde,

Am Ende des zweiten Kapitels schreibt Paulus den Ephesern, dass die Gemeinde als ein heiliger Tempel auf der Grundlage von Jesus Christus sowie Aposteln und Propheten aufgebaut ist. Im dritten Kapitel weist uns Paulus nochmals explizit darauf hin, dass die Geheimnisse, von denen er spricht, verwaltet werden müssen.

1. Korinther 4.1
Dafür halte man uns: für Diener Christi und Verwalter der Geheimnisse Gottes.

In der Gemeinde der Korinther wird Paulus nicht bei allen Gläubigen als Apostel akzeptiert. Ohne Druck zu machen, erklärt er ihnen im Brief, in welcher Weise er von Gott autorisiert wurde, in der Gemeinde als Apostel aufzutreten. Im Kapitel 4 erklärt er, dass Apostel und Propheten die Geheimisse Gottes verwalten.

Diese Aussage aus dem Verständnis von Paulus scheint mir wichtig zu sein: Apostel und Propheten sind Verwalter der Geheimnisse!

Ein Verwalter wird im Urtext als „Oikonomos“ bezeichnet. Bereits das Alte Testament kennt solche Oikonomos, die meist eine hohe Stellung und Autorität in einem Königshaus hatten. Sie hatten auch die Schlüssel zu den Schätzen und Vorräten des Königs.

Ein Verwalter muss ein gutes Verständnis von dem haben, was er verwaltet. Wenn Paulus sich als ein Verwalter der Geheimnisse Gottes bezeichnet, muss er demzufolge ein breites Verständnis der Geheimnisse gehabt haben. Seine Autorität als Verwalter beruhte also auf der Sachverständigkeit, wie Gottes Reich auf Erden gebaut wird.

In meinen Artikeln über die Geheimnisse wirst du noch mehr über die Verwalter erfahren.

3. Der rote Faden durch die Geheimnisse

3.1 Vom Himmel her

Matthäus spricht im Gegensatz zu Markus und Lukas vom „Königreich der Himmel“. Für das Verständnis der Geheimnisse ist dieser Gedanke wichtig: Es geht um ein Reich, das seinen Ursprung im Himmel hat und durch das Leben, Sterben und die Auferstehung Jesu auf der Erde sichtbar geworden ist.

Jesus lehrt uns zu beten: „Wie im Himmel, so auf Erden.“ Ich verstehe die Offenbarung der Geheimnisse deshalb auch als Einladung, die Dimension des Himmels kennenzulernen und Gottes Wirklichkeit immer mehr in unser Leben auf der Erde hineinwirken zu lassen.

Epheser 1.3   (ELB)
Gepriesen sei der Gott und Vater unseres Herr Jesus Christus! Er hat uns gesegnet mit jeder geistlichen Segnung in der Himmelswelt.

Welche Dinge in unserem Leben kommen jetzt konkret „vom Himmel her“? Was möchte Gott von seiner Wirklichkeit in unser Leben hineinbringen? Und wie können wir lernen, das, was er uns gibt, zu empfangen und weiterzugeben? Sicher kannst du aus deinem Leben Beispiele aufzählen, wie Segnungen in dein Leben geflossen sind, die ihren Ursprung im Himmel haben. Oder vielleicht ist auch schon ein Segen direkt vom Himmel auf dich „herabgefallen“:

In unserer Arbeit mit der HeilBAR-Gemeinschaft war „vom Himmel her“ mehr als ein Jahr lang unser Leitmotiv. Wir nahmen uns regelmäßig bewusst Zeit, mehr als gewöhnlich auf Gottes Stimme zu hören und auf seine Impulse zu achten. Im Rückblick wurde sichtbar, wie viel sich dadurch verändert hatte.

Es entstanden neue Angebote, die wir als „nicht unsere Idee“ bezeichnen würden, von denen wir selbst beschenkt wurden und auch andere beschenken können.

Währen dieser Leitmotivzeit standen unsere Räumlichkeiten in dem „Hotel“, in dem wir arbeiten, unter erheblichem Druck. Ein weltlicher Geschäftsmann, dem die andere Hälfte des Gebäudes gehört, hatte über Jahre versucht, uns aus dem Gebäude zu verdrängen. Menschlich betrachtet schien unsere Position immer schwieriger, respektive unhaltbar zu werden.

Wir entschieden uns, an den Zusagen Gottes festzuhalten und unsere Beziehungen zum „Regierenden im Himmel“ ernst zu nehmen. Für uns bedeutete das nicht Passivität, sondern wir wissen, wem wir Vertrauen: Wir wollten unseren Teil tun und gleichzeitig anerkennen, dass Gott Türen öffnen kann, die wir selbst nicht öffnen können.

Dann kam es zu einer unerwarteten Wendung. Der Geschäftsmann und seine Familie gerieten in schwere gewalttätige Auseinandersetzungen in der Stadt. Die Hintergründe waren für uns nicht vollständig durchschaubar. Was wir jedoch erlebten: Die Situation veränderte sich, und plötzlich öffneten sich Türen für uns, die wir mit menschlichem Einfluss oder Geld nicht hätten öffnen können.

Für mich wurde darin etwas sehr praktisch: Gott wirkt „vom Himmel her“. Wir müssen nicht alles selbst kontrollieren. Wir dürfen lernen, von ihm her zu denken, auf ihn zu hören und ihm zu vertrauen – und dann in dem zu handeln, was er uns zeigt.

3.2 Gott ist Geist

Wir gelangen nicht durch menschliche Leistung in die Wirklichkeit des Reiches Gottes. Jesus spricht von der neuen Geburt aus Wasser und Geist. Wer aus dem Geist geboren ist, kann diese Dimension Gottes erkennen und empfängt durch den Geist Zugang zu geistlicher Offenbarung.

Johannes 3,5-7   (KNT)
5) Jesus antwortete: „Wahrlich, wahrlich, Ich sage dir: Wenn jemand nicht aus Wasser und Geist gezeugt wird, kann er nicht in das Königreich Gottes eingehen. 6) Das vom Fleisch gezeugte ist Fleisch, und das vom Geist gezeugte ist Geist. 7) Sei nicht erstaunt, dass ich dir sagte: Ihr müsst von oben her gezeugt werden“.

Die Geheimnisse Gottes lassen sich deshalb nicht allein mit unserem Verstand entschlüsseln. Wir brauchen den Heiligen Geist. Das bedeutet nicht, dass wir unseren Verstand ausschalten. Im Gegenteil: Wir dürfen denken, prüfen und forschen – aber in einer Haltung, die offen ist für Gottes Offenbarung.

3.3 Vom Herzen her

Lukas 8.17
Das auf dem ausgezeichneten Land aber sind die, welche das Wort mit einem edlen und guten Herzen hören, es festhalten und mit Beharrlichkeit Frucht bringen.

Die Geheimnisse Gottes haben auch mit der Haltung unseres Herzens zu tun. Jesus beschreibt guten Boden als ein Herz, das hört, das Wort festhält und beharrlich Frucht bringt.

Lange Zeit war ich in meinem eigenen Leben darum bemüht, im Reich Gottes möglichst gute Resultate zu erzielen – mit meiner Leistung, meinem Verstand und meinem guten Willen. Irgendwann ging mir dabei buchstäblich die Puste aus.

Erst da verstand ich auf einer tieferen Ebene meines Herzens: ER hat es getan. Ich darf heute in seinem Windschatten surfen.

Im Kreuz und in der Auferstehung Jesu liegt ein gewaltiges Geheimnis. Wenn ich dieses Werk nicht nur gedanklich kenne, sondern es „vom Herzen her“ annehme, verändert sich mein Zugang zu Gott. Dann wird seine Herrlichkeit nicht nur zu einer Lehre, sondern zu etwas, das ich zunehmend erfahren darf.

Vielleicht kennst du diese Erfahrung: Du weißt vieles über Jesus – und trotzdem merkst du, dass Wissen allein dich nicht trägt. Manchmal beginnt geistliches Wachstum genau dort, wo wir aufhören, alles aus eigener Kraft erreichen zu wollen.

3.4 Die Kraft, Macht und Weisheit Gottes

Eng mit den Geheimnissen Gottes verbunden sind seine Kraft, Macht und Stärke – und eine Weisheit, die weit über unsere menschliche Weisheit hinausgeht.

Wenn Gott uns seine Geheimnisse offenbart, lernen wir nicht nur neue Informationen. Wir lernen Gott selbst besser kennen und geraten in den Einflussbereich seiner Herrschaft. In der Bibel beschreiben uns Menschen, die Gottes Gegenwart real erfahren haben, ihn als einen heiligen Gott, voller Kraft, Macht und Weisheit.

1. Korinther 1.24   ELB
Den berufenen selbst aber, Juden wie Griechen, Christus, Gottes Kraft und Gottes Weisheit.

1. Korinther 2.7   ELB
Sondern wir reden Gottes Weisheit in einem Geheimnis, die verborgene, die Gott vorherbestimmt hat, vor den Zeitaltern, zu unserer Herrlichkeit.

Ein besonderes Erlebnis möchte ich dazu mit dir teilen. Es entstand im Zusammenhang mit Epheser 1,17–21 und einem Seminarwochenende, an dem wir längere Zeit in der Anbetung verweilten. Unsere Aufgabe war, Jesus zu fragen, wie das Geheimnis seiner Auferstehungskraft in unserem Leben wirkt und wie wir das mit unserem Verstand besser erfassen können.

Während ich mich im Gebet nach Jesus ausstreckte, kam mir plötzlich das Bild von gelben Socken. Zuerst konnte ich gar nichts damit anfangen. Also fragte ich Jesus, was das bedeuten sollte. Danach kamen Erinnerungen an einen beruflichen Einsatz vor rund 15 Jahren in einem Kernkraftwerk.

Die einzelnen Details dieses Erlebnisses wurden für mich zu einem persönlichen Bild für geistliche Wahrheiten:

Um in die reaktornahe Zone des Kernkraftwerks zu gelangen, musste ich spezielle Zonen-bekleidung tragen: gelbe Socken, orange Unterwäsche und einen weißen Overall. Für mich wurde daraus das Bild: Jesus macht uns rein und gibt uns ein weißes Gewand.

Als externer Mitarbeiter musste ich mich im Vorfeld einer Untersuchung (mit Einsicht im Strafregister-Auszug) unterziehen und mich am Zoneneingang mit meinem Betreuer treffen. Erst nachdem meine Zutrittsberechtigung geprüft war und ich von ihm begleitet wurde, durfte ich eintreten. Für mich wurde daraus das Bild: Unser Zugang zu Gott gründet nicht in unserer eigenen Berechtigung, sondern in Jesus. Er ist unser Begleiter und durch ihn erhalten wir Zugang.

Anschließend ging es mit einem Lift auf die nächste, höhere Ebene. Für mich wurde dieser Lift zu einem ersten Bild für die Kraft, Macht und Stärke, die in der Auferstehung Jesu wirksam wurde und heute noch wirkt: Er hebt uns in eine andere Dimension.

Oben angekommen, führte der Weg durch eine schwere Schleuse mit zwei Türen. Die Türen wurden kontrolliert geöffnet, und mindestens eine blieb immer geschlossen. Für mich wurde daraus ein eindrückliches Bild: Der Zugang zu Gottes Gegenwart ist nichts, was wir selbst erzwingen können. Jesus öffnet den Weg.

Hinter dieser Schleuse lag der Reaktorraum. Dort wirkte eine Leistung von rund 3600 Megawatt (diese versorgt 2 Millionen Haushalte mit Strom). Ich erinnere mich an die leise Vibration und an die Ehrfurcht, die mich angesichts dieser gewaltigen Kraft erfasste. Ich wusste: Meine eigene Kraft ist im Vergleich dazu verschwindend klein.

Dieses Bild half mir, etwas von Gottes Kraft, Macht und Weisheit zu verstehen. Wenn wir in Gottes Gegenwart kommen, begegnen wir nicht einer menschlichen Vorstellung, sondern dem lebendigen Gott.

Vielleicht ist genau das eine Einladung für dich: Nicht nur über Gottes Kraft zu lesen, sondern Jesus selbst zu suchen und ihn zu bitten, dir seine Wirklichkeit zu zeigen.

3.5 Gottes Herrlichkeit

Wo Paulus von den Geheimnissen spricht, begegnen wir immer wieder auch Gottes Herrlichkeit. Für ihn gehören diese beiden Themen untrennbar zusammen.

Kolosser 1.26-27   (KNT)
Das Geheimnis, das von den Äonen und den Generationen her verborgen gewesen ist, nun aber seinen Heiligen geoffenbart wurde, denen Gott bekannt machen will, was der Reichtum der Herrlichkeit dieses Geheimnisses unter den Nationen ist: Christus unter euch, als das Erwartungsgut (Hoffnung) der Herrlichkeit.

Die Geheimnisse Gottes sind deshalb kein Selbstzweck. Sie sollen uns in die Herrlichkeit Gottes hineinführen und uns Jesus tiefer erkennen lassen. Das Geheimnis wird dort lebendig, wo Christus in uns Gestalt gewinnt.

3.6 Die Berufung des Volkes Gottes

Seit der Schöpfung verfolgt Gott den Plan, Menschen als königliche und priesterliche Gemeinschaft einzusetzen. Wir sind berufen, als Söhne und Töchter der Herrlichkeit Verantwortung in seinem Reich zu übernehmen. Die Geheimnisse Gottes zeigen uns, dass Gott diesen Plan durch Christus verwirklicht und uns Schritt für Schritt hineinführt.

Offenbarung 1.6   (ELB)
Und uns gemacht hat zu einem Königtum, zu Priestern seinem Gott und Vater: Ihm sei die Herrlichkeit und die Macht in alle Ewigkeit! Amen.

Gaben-Kurse und Gabentests sind im christlichen Umfeld beliebt. Wir möchten wissen, was in uns steckt, welche Begabungen wir haben und wie Gott uns gebrauchen könnte.

Doch vielleicht geht die wichtigere Frage noch tiefer: Hast du schon darüber nachgedacht, dass Gott sein Volk als königliche Priesterschaft berufen hat? Wie sieht diese Berufung in deinem konkreten Alltag aus? Wo kannst du sie bereits erleben?

Hebräer 3.1   (KNT)
Deswegen, heilige Brüder, Mitteilhaber der überhimmlischen Berufung, betrachtet den Apostel und Hohenpriester unseres Bekenntnisses.

Jesus ist unser Hohepriester nach der Ordnung Melchisedeks. Er hat uns durch sein Werk am Kreuz ein für alle Mal den Weg zu Gott eröffnet. Als Priester bringt er Menschen und ihre Anliegen ohne Unterlass vor Gott. Als der Gesandte des Vaters hat er den Himmel verlassen, wurde Mensch und brachte die himmlische Mission auf die Erde.

Und als königliche Priesterschaft dürfen auch wir an dieser Mission teilhaben. Einerseits bringen wir uns und andere Menschen im Gebet in priesterlichen Weisen vor Gott. Andererseits empfangen wir von ihm apostolische Aufträge, durch die wir das Reich Gottes auf dieser Erde verkünden und sichtbar machen.

3.7 Der Thronsaal Gottes

Durch die Sünde war dem Menschen der unmittelbare Zugang zu Gottes Gegenwart verloren gegangen. Durch Christus ist dieser Weg wieder geöffnet. Wir dürfen mit Freimütigkeit vor Gottes Thron treten – und unsere Identität mit Christus verbindet uns mit seiner himmlischen Herrschaft. Wir dürfen mit ihm an der Thronherrschaft teilhaben und mitregieren.

Hebräer 4.16   (ELB)
Lasst uns nun mit Freimütigkeit hinzutreten zum Thron der Gnade, damit wir Barmherzigkeit empfangen und Gnade finden zur rechtzeitigen Hilfe!

Hebräer 10.19   (ELB)
Da wir nun, Brüder, durch das Blut Jesus Freimütigkeit haben zum Eintritt in das Heiligtum (zum Gnadenthron), den er uns bereitet hat, als einen und lebendigen Weg durch den Vorhang – das ist durch sein Fleisch –

Vielleicht ist dir bis hierher aufgefallen, wie oft der Thronsaal Gottes im Zusammenhang mit den Geheimnissen und der Herrlichkeit Gottes auftaucht. Für mich liegt darin ein wichtiger Schlüssel: Alles beginnt bei Gott und seiner uneingeschränkten Regierungsgewalt.

Darum dürfen wir diesen Zugang nutzen. Wenn wir mit Jesus vor Gottes Thron kommen, empfangen wir nicht nur Trost und Gnade, sondern auch Ausrichtung und Befähigung. Dort dürfen wir hören, was er uns sagt, und von dort aus in unseren Alltag zurückkehren.

3.8 Der Bauplan zum Reich Gottes

Die Baupläne seines Reiches sind für Gott wertvoll, er teilt sie nicht mit jedem. Wer mehr über diese Baupläne verstehen möchte, kann dies nur über eine Herzensbeziehung zum Schöpfer. Wir haben die Zusage von Jesus: „Euch ist es gegeben, die Geheimnisse zu verstehen.“

Die acht Geheimnisse, die ich hier vorstelle, sollen dir zunächst eine Vorahnung geben. Sie bilden den roten Faden für die kommenden Beiträge und sollen dich neugierig machen auf das, was Gott noch tiefer zeigen möchte.

Wenn wir uns nicht aufmachen, die Geheimnisse Gottes besser zu verstehen, kann unser Beitrag zum Bau des Reiches Gottes schnell zu einer anstrengenden Aufgabe werden. Wir können uns in menschlicher Leistung, Religiosität oder Gesetzlichkeit verlieren.

Ohne zu erkennen, wer Gott ist, wer wir in Christus sind und wie Gottes Kraft in uns wirkt, wird geistlicher Dienst mühsam. Die Geheimnisse führen uns zurück zu dem, was entscheidend ist: zu Gott, zu Jesus, zu seinem vollendeten Werk und zur Führung durch den Heiligen Geist.

4. Wie lernen wir Geheimnisse verstehen?

4.1 Unsere Beziehung zum Gekreuzigten

Der zentrale Schlüssel zu den Geheimnissen Gottes ist Jesus Christus und sein vollendetes Werk am Kreuz. Nur durch ihn gelangen wir zum Vater und durch Ihn erlangen wir ein Verständnis von Seinen Plänen und Absichten. Wer eine Beziehung zu Gott pflegt, ihn liebt und respektiert, kann damit rechnen, dass Gott ihm Offenbarung schenkt.

1. Korinther 2.1-9   (ELB)
1) Und ich, als ich zu euch kam, Brüder, kam nicht, um euch mit Vortrefflichkeit der Rede oder Weisheit das Geheimnis Gottes zu verkündigen. 2) Denn ich nahm mir vor, nichts anderes unter euch zu wissen als nur Jesus Christus, und ihn als gekreuzigt. 3) Und ich war bei euch in Schwachheit und mit Furcht und in vielem Zittern; 4) und meine Rede und meine Predigt bestand nicht in überredenden Worten der Weisheit, sondern in Erweisung des Geistes und der Kraft, 5) damit euer Glaube nicht auf Menschenweisheit, sondern auf Gottes Kraft beruht. 6) Wir reden aber Weisheit unter den Vollkommenen, jedoch nicht Weisheit dieses Zeitalters, auch nicht der Fürsten dieses Zeitalters, die zunichtewerden, 7) sondern wir reden Gottes Weisheit in einem Geheimnis, die verborgene, die Gott vorherbestimmt hat, vor den Zeitaltern, zu unserer Herrlichkeit. 8) Keiner von den Fürsten dieses Zeitalters hat sie erkannt – denn wenn sie ⟨sie⟩ erkannt hätten, so würden sie wohl den Herrn der Herrlichkeit nicht gekreuzigt haben –, 9) sondern wie geschrieben steht: »Was kein Auge gesehen und kein Ohr gehört hat und in keines Menschen Herz gekommen ist, was Gott denen bereitet hat, die ihn lieben.«

Epheser 3.3-5   (ELB)
3) Mir ist durch Offenbarung das Geheimnis kundgetan worden – 4) wie ich es oben kurz geschrieben haben, beim Lesen könnt ihr meine Einsicht in das Geheimnis des Christus merken -, 5) das in anderen Geschlechtern den Söhnen der Menschen nicht kundgetan, wie es jetzt seinen heiligen Aposteln und Propheten durch den Geist geoffenbart worden ist.

5. Mose 29.28   (EUe)
28) Was noch verborgen ist, steht bei dem HERRN, unserem Gott. Was schon offenbar ist, gilt für uns und unsere Kinder auf ewig: dass wir alle Bestimmungen dieser Weisung halten sollen.

Dieser Vers im 5. Buch Mose zeigt nochmals sehr anschaulich, dass uns Gott nicht alle seine Geheimnisse (das noch Verborgene) offenbart. Er hat seine Zeitpunkte, an denen er uns sein Reich und welchen Anteil wir daran haben offenbart, dann tragen wir und die nachfolgenden Generationen die Verantwortung, mit diesen Weisungen gewissenhaft umzugehen. Er hat uns durch sein Wort versprochen, dass er sich denen die ihn lieben, offenbaren wird. Das ist der Schlüssel, dass wir nur durch die von ihm gewirkte Offenbarung zur Erfahrung und zur Einsicht seiner Geheimnisse gelangen.

All diese ersten Erkenntnisse über die Geheimnisse Gottes haben mein Interesse derart geweckt, dass ich mich auf eine anhaltende, lebenslange Suche nach Offenbarung gemacht habe. In einigen Jahren, wenn ich einmal zurückblicken werde, kann ich davon erzählen, wohin mich diese Suche gebracht hat.