μ – Das Kreuz

μυστήριον – Das Geheimnis vom Kreuz (Rev 4)

1. Korinther 2.1-9

Quellennachweis

Deutsche Bibelzitate: www.bibleserver.com
Konkordantes Neues Testament: KNT Konkordanter Verlag Pforzheim
Greek Strong numbers GSN: www.blueletterbible.org; https://biblehub.com
Hebrew Strong numbers HSN: www.blueletterbible.org

Viele Erklärungen und Einsichten zum Kreuz Jesu fand ich im Buch „Atonement / Sühne“ von Derek Prince. Bei den griechischen Wort-Übersetzungen beziehe ich mich häufig auch auf die Urtext-Perlen von Andrea G. Xandry. Ab Kapitel 10 habe ich die Grundlagen aus dem Seminare M1 und M2 von Dr. Walter Penzhorn in Kurzform aufgearbeitet und weiterentwickelt.

1. Das Geheimnis Gottes vom Kreuz

1.1 Jesus Christus der Gekreuzigte und die, die ihn lieben

1. Korinther 2.1-9
1) Und ich, als ich zu euch kam, Brüder, kam nicht, um euch mit Vortrefflichkeit der Rede oder Weisheit das Geheimnis Gottes zu verkündigen. 2) Denn ich nahm mir vor, nichts anderes unter euch zu wissen als nur Jesus Christus, und ihn als gekreuzigt. 3) Und ich war bei euch in Schwachheit und mit Furcht und in vielem Zittern; 4) und meine Rede und meine Predigt ⟨bestand⟩ nicht in überredenden Worten der Weisheit, sondern in Erweisung des Geistes und der Kraft, 5) damit euer Glaube nicht auf Menschenweisheit, sondern auf Gottes Kraft beruht. 6) Wir reden aber Weisheit unter den Vollkommenen, jedoch nicht Weisheit dieses Zeitalters, auch nicht der Fürsten dieses Zeitalters, die zunichtewerden, 7) sondern wir reden Gottes Weisheit in einem Geheimnis, die verborgene, die Gott vorherbestimmt hat, vor den Zeitaltern, zu unserer Herrlichkeit. 8) Keiner von den Fürsten dieses Zeitalters hat sie erkannt – denn wenn sie ⟨sie⟩ erkannt hätten, so würden sie wohl den Herrn der Herrlichkeit nicht gekreuzigt haben –, 9) sondern wie geschrieben steht: »Was kein Auge gesehen und kein Ohr gehört hat und in keines Menschen Herz gekommen ist, was Gott denen bereitet hat, die ihn lieben.«

Der Apostel Paulus gibt uns in diesem Abschnitt seines Briefes einige wichtige Grundlagen über das Geheimnis vom Kreuz weiter. Man kann diese Grundlagen selbstverständlich auch auf die weiteren Geheimnisse Gottes ausweiten.

  • Wer wird angesprochen?
    Die Gläubigen, welche Gott lieben, in Beziehung mit ihm stehen.
  • Um was geht es?
    Um Geheimnisse Gottes: „Was kein Auge gesehen und kein Ohr gehört hat und in keines Menschen Herz gekommen ist.“ Das Geheimnis Gottes ist also etwas, das sich kein Mensch je ausgedacht hätte. Dieses Geheimnis führt zum „Herrn der Herrlichkeit“ und ist etwas das in unserem Herzen (nicht nur in unserem Kopf/ Gedanken) geoffenbart werden soll.
  • Wie erfahren wir davon?
    Durch die Verkündigung, die Predigt. Diese Verkündigung wird durch den Geist Gottes und seine Kraft (die Kraft der Auferstehung) begleitet, damit der Glaube (welcher aus dem Herzen kommt) auf einem festen Fundament (Substanz) steht.
1.2 Was sind die Absichten Gottes mit der Botschaft vom Kreuz für mich?

Die Diagnose der Bibel für das „natürliche“ menschliche Leben hat eine Schärfe ist kompromisslos und auf eine Art knallhart:

  • Der Mensch wird in das Reich der Finsternis hineingeboren und kann nur durch Gottes Einwirken in das Reich des Lichts versetzt werden.
  • Der Mensch lebt getrennt von Gott und kann diese Trennung aus eigener Kraft und Anstrengung niemals überwinden.
  • Der Mensch ist ein Rebell geworden, der sein Geschick selbst in die Hand nimmt. In seiner Grundstruktur wehrt er sich, die Hilfe Gottes anzunehmen.
  • Der Mensch hat die Herrlichkeit Gottes, die Fähigkeit seinen geistlichen Auftrag „zu herrschen“ (was das persönliche geistliche Leben und die Verwaltung der Schöpfung betrifft) weitgehend verloren.

Durch diese Umstände und dieses Umfeld nimmt der Mensch Schaden an Leib, Seele und Geist und ist dazu verdammt, zu sterben. Der Tod herrscht über den Menschen.

In seiner Güte und Liebe war es und wird es auch immer Gottes Plan bleiben, dass wir wieder mit ihm vereint leben und Errettung aus unserer misslichen Lage erleben dürfen. Wenn im AT vom Herzen des Menschen gesprochen wird, dann ist all das gemeint, was das menschliche Wesen ausmacht und was es dem Menschen ermöglicht in eine tiefe Gottesbeziehung einzutreten. Wie ich schon erörtert habe, hat diese Funktion des Herzens massiv Schaden genommen und das menschliche Herz braucht eine Totalsanierung.

Eine der ersten Stufen, hinein in den göttlichen Plan bedeutet, dass wir die Liebe Gottes und die Wirkungsweise vom Kreuz erkennen und in unserem Leben erfahren dürfen. Es geht nun darum, dass wir einen Weg aus unserer misslichen Lage finden und wieder in Beziehung mit Gott treten dürfen. Armut, Fluch, Sündhaftigkeit, Scham, Schande und Tod überwinden, die Ehre und Herrlichkeit Gottes wieder erlangen und unsere geistliche Autorität zurückgewinnen. Somit werden wir durch Jesus befähigt, unseren Platz und unsere Aufgaben im Reich Gottes (in der Welt aber nicht von der Welt) wahrzunehmen.

Religion und religiöse Werke werden das übernatürliche Leben, welches von Jesus kommt, nie ersetzen können. Darum ist mein eindringlicher Rat: Unterlasse es, auf diesen Trugschluss hereinzufallen und dich durch gute Werke und eigene Anstrengung vor Gott vermeintlich wohlgefällig erscheinen zu lassen. Das funktioniert nicht.

Ich erinnere mich an einen prophetischen Eindruck, den ich vor einem Jahr erhalten haben: „Ich gerate in einen Sumpf und gehe langsam unter, ich versuche mich aus eigenen Kraft zu befreien aber es gelingt mir nicht. Die ermutigende Zusage damals war dann: Jesus kommt und befreit mich aus dieser misslichen Lage.“

Das hat mich einmal ermutigt, nicht aus eigener Kraft zu versuchen, Herr der Lage zu werden. Vielmehr werde ich mich vertrauensvoll an Jesus wenden.

1.3 Der neunfache Tausch am Kreuz

Ich selbst bin eine strukturiert denkende Person und mag es, wenn ich mit Punkt 1, 2, 3 … arbeiten kann. Darum ist es für mich nicht verwunderlich, dass mir das Buch Atonement von Derek Prince half, die biblischen Aussagen zum Kreuz Jesu in einen nachvollziehbaren Kontext zu bringen:

Alles Unheil, das von Rechts wegen auf uns kommen müsste, kam auf Jesus, damit all das Gute, das Jesus zustand, weil er es sich durch seinen sündlosen Gehorsam verdient hatte, uns zur Verfügung gestellt würde.

1.       Jesus wurde bestraft, damit uns vergeben wird.

2.       Jesus wurde verwundet, damit wir geheilt werden.

3.       Jesus wurde mit unserer Sündhaftigkeit zur Sünde gemacht, damit wir mit seiner Gerechtigkeit gerecht gemacht werden.

4.       Jesus starb unseren Tod, damit wir Anteil an seinem göttlichen Leben haben.

5.       Jesus wurde zum Fluch gemacht, damit wir den Segen empfangen.

6.       Jesus ertrug unsere Armut, damit wir Anteil an seinem Überfluss haben.

7.       Jesus trug unsere Schmach, damit wir Anteil an seiner Herrlichkeit haben.

8.       Jesus ertrug unserer Ablehnung, damit wir in den Genuss seiner Annahme beim Vater kommen.

9.       Unser alter Mensch starb in Jesus, damit der innere, neue Mensch in uns lebt.

Diese neun Tauschformen zeigen die wesentlichen Linien der Errettung und Erlösung auf. In unserem Leben werden wir immer wieder Unterthemen finden die hier vielleicht noch nicht aufgeführt sind. In all den Punkten zeigt sich eine einheitliche Abfolge: Wir dürfen etwas, das uns negativ belastet, uns unsere Lebenskraft entzieht zum Kreuz bringen und Empfangen durch Glaube von Jesus im Tausch etwas, das uns stärkt und uns zum Guten, zu ihm hinführt.

1.4 Eine persönliche Erfahrung

Dass dieser Tausch etwas real Erlebbares ist, möchte ich an folgendem Beispiel aus meinem Leben erläutern.

Meine Urgroßmutter führte ein Leben, das bis in die heutige Zeit Menschen veranlasst, Nachforschungen anzustellen. Sie wurde sogar auch schon als Hexe bezeichnet. In einem aufsehenerregenden öffentlichen Prozess wurde sie in relativ hohem Alter zu lebenslanger Haft verurteilt. Nach nun fast 100 Jahren wurde dieser Fall auch nochmals breit in den Medien aufgerollt. Für meine Mutter und ihre Familie war das zu der Zeit des Prozesses eine ganz schlimme Situation. Für sie war klar, dass ihre Großmutter, die sie ja gut gekannt hatte und auch im Gefängnis des Öfteren besuchte, durch Wahrsagerei und ein gottfernes Leben große Schuld auf sich und die Familie geladen hatte. Als gläubige Person beschäftigte sie die Frage, wie sie und ihre Kinder von dieser Schuld und dem Generationen-Fluch frei werden konnten. An dieser Stelle muss ich auch erwähnen, dass bei vorwiegen männlichen Nachfahren auffallend häufig frühzeitige Todesfälle durch Unfälle oder Krankheiten zu verzeichnen waren. Da gab es auch noch einen Verwandten der sich zum Medium, Heiler und Astrologen ausbilden ließ und eine führende Rolle in diesen Kreisen einnahm. Hat ihn der Geist der Urgroßmutter gepackt? Meine Mutter und meine älteren Geschwistern wurden vor solchen Dingen weitgehend verschont. Ich glaube heute mehr und mehr, dass meine Mutter durch ihren Glauben und Lossprechungen diesen geistlichen Machenschaften weitgehend einen Riegel schieben konnte. Ich bin lange davon ausgegangen, dass mich dieser alte Fluch nichts mehr angeht und ich nur für meine Taten verantwortlich bin. Dies bis zu dem Zeitpunkt, da mich ein Mann Gottes mit ausgeprägten seherischen Fähigkeiten in einem persönlichen Gespräch auf geistliche Hintergründe in meinem Leben ansprach. Er sagte zu mir, dass immer noch ein Geist des Todes über meiner Familie wirkt und ein Unfall der mir passiert war, auf dessen Wirken zurückzuführen sei. Wohlgemerkt, dieser Mann kannte mich nicht und wusste rein gar nichts von mir und meiner Vergangenheit. Ich wahr ehrlich gesagt im ersten Augenblick schon recht aufgewühlt und gut, zum Glück weiß ich, was es heißt in solchen Herausforderungen mit geistlichen Waffen zu kämpfen. Denn dieser Mann Gottes sagte weiter zu mir, es wäre nun meine Verantwortung zu intervenieren, sodass dieser Geist nicht mehr auf die nachfolgende Generation Einfluss nehmen darf. Diesen Rat habe ich auch befolgt und meinem Glauben gemäß die notwendigen Schritte eingeleitet.

Wenn ich diese Zeilen schreibe, wird mir selber wieder bewusst, welch fatalen Folgen boshafte geistliche Verbindungen und Flüche in unser Leben bringen können. Umso grösser ist dann auch die Botschaft, dass wir aufgrund des Kreuzes nicht mehr länger diesen Mächten ausgeliefert sind!

2. Tausch 1: Seine Strafe für unsere Vergebung

2.1 Jesus wurde bestraft, damit uns vergeben wird

Römer 5.1
Da wir nun gerechtfertigt worden sind aus Glaube, so haben wir Frieden mit Gott durch unseren Herrn Jesus Christus.

Seit Martin Luther vor mehr als 500 Jahren die Botschaft des Römerbriefs wieder neu verstanden hat, haben wir in weiten Teilen unserer westlichen Gesellschaft eine Wahrheit über Jesus Christus verstanden und theologisch in allen Facetten durch-diskutiert: Rechtfertigung aus Glauben. Das lesen wir schon am Anfang des Römerbriefes in Kapitel 1.17, ein Vers, der fest in meiner Seele verankert ist.

Eine Vielzahl von Menschen, die sich mit der Bibel und dem darin beschriebenen Gott auseinandersetzen durften erkennen, dass demjenigen der Jesus in sein Leben aufnimmt, Vergebung widerfährt. Er wird angenommen und gerechtfertigt. Die Strafe, die ihn getroffen hätte, hat Jesus Christus auf sich genommen.

Jesaja 53,4-5:
4) Jedoch unsere Leiden – er hat sie getragen, und unsere Schmerzen, er hat sie auf sich geladen. Wir aber, wir hielten ihn für bestraft, von Gott geschlagen und nieder gebeugt. 5) Doch er war durchbohrt um unserer Vergehen will, zerschlagen um unserer Sünden willen. Die Strafe lag auf ihm zu unserem Frieden, und durch seine Striemen ist uns Heilung geworden.

Kol. 1,19-22:
19) Denn es war Gottes Ratschluss, in ihm die ganze Fülle wohnen zu lassen 20) und durch ihn alles mit sich zu versöhnen, nachdem er durch sein am Kreuz vergossenes Blut Frieden gestiftet hat, durch ihn zu versöhnen sowohl das, was auf der Erde, als auch das, was in den Himmeln ist. 21) Auch euch, die ihr einst gottentfremdete und feindlichen Sinnes in euren bösen Werken waret, 22) jetzt aber hat er euch in seinem Fleischesleibe durch seinen Tod versöhnet, um euch als heilige, untadelige und unanklagbar vor ihm darzustellen.

Eph. 1.7:
In Jesus haben wir die Erlösung durch sein Blut, die Vergebung der Sünden nach dem Reichtum seiner Gnade.

2.2 Wie können wir unseren Beitrag leisten?

Jesus lehrt uns im Unser-Vater-Gebet: «Vergib uns unsere Schuld, wie auch wir vergeben unseren Schuldigen». Das ist die direkte Umsetzung, wenn wir Vergebung in unserem eigenen Leben erfahren haben. Doch dass es da bereits schwieriger wird, haben wir sicher auch schon erlebt.

Auch aus anderen Gleichnissen von Jesus lehren wir, dass unsere Vergebung auf eine direkte Art gekoppelt ist, wie wir anderen vergeben. Sollten wir anderen nicht vergeben, bleiben wir selbst im Kerker gebunden.

Vergebung heisst, dass ich eine Person die an mir schuldig wurde, mich ungerecht behandelt hat loslasse. Ich lasse ihn los und übergebe ihn an die höchste Gerichtsinstanz, das ist Gott selbst. Ich richte nicht selbst, sondern überlasse das Urteil Gott. Es geht also in erster Linie um mich, um meine Psycho-Hygiene könnte man sagen. Was den anderen betrifft, das überlasse mal ganz dem Herrn Jesus Christus.

Ich hatte vor einigen Monaten ein Gespräch mit einer Person die schon um die 60 Jahre gläubig ist. Diese Person erzählte mir, dass sie erst jetzt, als sie in eine schwierige Lebens- und Glaubenskriese geraten war etwas verstanden hat. In dieser Situation sah sie keinen anderen Ausweg mehr, als sich nochmals Grundlegen mit Vergebung auseinanderzusetzen. „Sie sagte zu mir: Weisst du, ich habe immer gedacht, wenn ich jemandem vergebe, dann gestehe ich der Person ein, dass sie richtig gehandelt hat. Das war für mich nicht zum Aushalten. Zuerst verletzt mich eine Person und danach soll ich ihr noch Recht geben, für das was sie getan hat. Dass kann doch Gott unmöglich von mir verlangen. Jetzt aber habe ich erkannt, dass es darum geht, eine Person, die unrecht an mir gehandelt hat nicht selber zu verurteilen, sondern an Gott abzugeben und ihm zu vertrauen, dass er die Dinge richtet.“

Da wurde mir wieder bewusst, warum wir die Geheimnisse des Reiches entdecken sollen. All die Segnungen vom göttlichen Leben und seinem Wort liegen vor unseren Füssen. Wir lesen vielleicht täglich darüber, wenn wir aber keine Offenbarungen darüber von Gott bekommen, dann ist es schlimmstenfalls nicht mehr als eine nutzlose Religion, das befolgen von Regeln. Ich möchte, dass wir alle erkennen dürfen, dass Jesus Christus viel mehr als nur ein Religionsstifter ist.

Ich betone hier noch einen weiteren Wesenszug der Vergebung. Das lieblose Handeln anderer Menschen an uns hinterlässt immer auch Spuren an unserer Seele und unserem Geist. In der seelsorgerlichen Tätigkeit lernte ich, dass wir Vergebung erfahren oder selber Vergebung aussprechen. Wenn wir dann Gott bitten, die inneren Wunden übernatürliche zu heilen, dann tut er das gerne. Da kann es einige Dinge im Leben einer Person geben, die eine tiefe emotionale Wiederherstellung erfordert. Meine Erfahrung zeigt, dass wir da bei Jesus an der richtigen Adresse sind.

3. Tausch 2: Seine Verwundung für unsere Heilung

3.1 Jesus wurde verwundet, damit wir geheilt werden

Jesaja 53,4-5 (ELB)
4) Jedoch unsere Leiden (Krankheit) – er hat sie getragen, und unsere Schmerzen, er hat sie auf sich geladen. Wir aber, wir hielten ihn für bestraft, von Gott geschlagen und nieder gebeugt. 5) Doch er war durchbohrt um unserer Vergehen will, zerschlagen um unserer Sünden willen. Die Strafe lag auf ihm zu unserem Frieden, und durch seine Striemen (Wunden) ist uns Heilung geworden.

1.Petrus 2.24 (ELB)
Der unsere Sünden an seinem Leib selbst an das Holz hinaufgetragen hat, damit wir, den Sünden abgestorben, der Gerechtigkeit leben; durch dessen Striemen ihr geheilt worden seid.

In diesen Bibelstellen geht es effektiv um den physischen Aspekt der Sühne. Und so heisst der zweite Tausch: Jesus wurde körperlich verwundet, damit wir körperlich geheilt würden.

Weiter sehen wir, dass «geheilt worden seid» in der Vergangenheit steht. Das bedeutet, Jesus hat unsere Heilung bereits vollbracht! Wie in Joh. 19.30 Jesus sagt: «es ist vollbracht!».

3.2 Heilung und Rettung – griechischer Urtext

Matthäus 9.21-22 (KNT)
Denn sie sagte sich: «Wenn ich nur sein Obergewand anrühre, werde ich gerettet sein.» Jesus aber wandte sich um und sagt: «Fasse Mut, Tochter, dein Glaube hat dich gerettet».

  • sōzō (GSN4982) Verb: retten, heilen, gesund machen.
  • sōtēria (GSN4991) Substantiv: Befreiung, Bewahrung, Sicherheit, Rettung, Gesundung.


sōzō wird ebenfalls bei den Stellen verwendet, wo die Befreiung von Dämonen oder Toten-Auferweckungen beschrieben werden. In einer Konkordanz (basierend auf dem Urtext) findest du die vielen Bibelstellen, die zu diesem Thema sprechen.

In den ersten Phasen meines Glaubenslebens stellte ich mir die Frage: «Will Gott dass ich -respektive die Person für die ich betete –geheilt wird?» Heute formuliere ich die Frage anders: «Zu welchem Zeitpunkt und mit welchen Schritten kann eine Person die Heilung, die für sie schon lange bereitgestellt wurde, empfangen?»

3.3 Und er heilte alle Leidenden

Matthäus 8.16-17
16) Als es aber Abend geworden war, brachten sie viele Besessene zu ihm; und er trieb die Geister aus mit seinem Wort, und er heilte alle Leidenden, 17) damit erfüllt würde, was durch den Propheten Jesaja geredet ist, der spricht: «Er selbst nahm unsere Schwachheiten und trug unsere Krankheiten. »

Das Leben und Wirken des Kanadiers John G. Lake oder der US-Amerikanerin Kathryn Kuhlman finde ich in Bezug auf den christlichen Heilungsdienst sehr bemerkenswert.

John G. Lake wirkte am Anfang des zwanzigsten Jahrhunderts und wurde bekannt durch die Healing-Room-Bewegung, die er gründete. In Lakes Heilungsräumen in Spokane, Washington, wurden 100‘000 Heilungen innerhalb eines Zeitraumes von fünf Jahren dokumentiert..

Kathryn Kuhlman wirkte bis in die 1970er Jahre und war eine schillernde und teilweise umstrittene Persönlichkeit. Doch Gott wirkte durch diese keinesfalls perfekte Person und wir können etwas von ihr lernen.

Bis in die heutige Zeit finden wir Orte und Zeiten, da werden Menschen in großer Anzahl geheilt. Ich will sagen, dass die heilende Kraft Jesu bis in unsere Tage nicht an Bedeutung verloren hat. Wir dürfen und sollen mit dieser Heilungskraft in unserer Mitte rechnen.

Andererseits erlebe ich auch Gläubige, die grösstenteils desillusioniert aufgehört haben, um körperliche Heilung zu beten. Aber nicht deine und meine Erfahrungen, sondern das Wort Gottes setzt den Massstab für unsere Glaubensgrundlage und unser Handeln. Ich habe doch schon viele Lebensberichte gehört, wo Gläubige für kranke Menschen gebetet haben und es ist vorerst gar nichts passiert. Sie haben treu und gehorsam nicht locker gelassen, bis eines Tages das Wirken Gottes mehr und mehr zugenommen hat.

Beim christlichen Glauben geht es um die Vertrauenswürdigkeit: Sind es die Lebensumstände, deine Gefühle und das was du vor Augen siehst, oder ist es die unsichtbare Realität Gottes und sein Wort, die du für Vertrauenswürdig erachtest?

Die ganze Thematik der Glaubensheilung hat noch viele Facetten, denen ich in diesem Script noch keinen Platz gebe. So stellt sich zum Beispiel die Frage, weswegen Krankheit und Leiden in ein Menschenleben kommen kann. Auch die Jünger von Jesus hatten da so einige Fragen. Jesus selbst gibt ihnen dann oftmals erstaunliche Antworten, warum nun jemand geheilt oder eben nicht geheilt wurde.

Ich persönlich lasse mich herausfordern, im Bereich der Heilung weiter zu lernen und etwas zu riskieren.

Zum Schluss noch ein Zitat aus dem Buch „In Gottes Abenteuern“ von John G. Lake:

Nun will ich euch etwas über die verborgenen Dinge der Heilung lehren, über die Menschen nicht unterrichtet sind. Es gibt eine bewusste Herrschaft, welche Jesus Christus der christlichen Seele gibt. Genau diese wirkte in Petrus, als er dem lahmen Mann an der Schönen Pforte begegnete. Anstatt für die Heilung des Mannes zu beten, sprach Petrus: „Im Namen Jesu Christi von Nazareth, steh auf und wandle“ (Apg 13.6) Kein Gebet – keine Fürbitte.
Petrus gebrauchte die Herrschaft in seiner Seele. Der göttliche Blitz der Kraft Gottes strahlte aus seiner Seele, und der Mann stand augenblicklich auf und ging mit ihnen in den Tempel, „wandelte und sprang und lobte Gott.“
Manchmal bemerken diejenigen, die den Kranken dienen, was geschieht, obwohl sich der Kranke selbst keiner Heilung bewusst ist. Es gibt eine Herrschaft in der Seele des wahrhaftigen Mannes Gottes, der in Tuchfühlung mit dem Himmel steht. Wenn das Wahrhaftige geschieht – wenn eine Person gerettet oder von Krankheit geheilt wird, ist uns dies auch bewusst. Wir beten, bis das Werk vollendet ist: dann ist unserer Seele zufrieden.

4. Tausch 3: Gerechtigkeit anstelle von Sündhaftigkeit

4.1 Wir wurden durch Jesus gerecht gemacht

Jesus wurde mit unserer Sündhaftigkeit zur Sünde gemacht, damit wir mit seiner Gerechtigkeit gerecht gemacht werden.

2. Korinther 5.21
Denn den, der Sünde nicht kannte, hat er für uns zur Sünde gemacht, damit wir Gottes Gerechtigkeit in ihm würden.

(siehe auch Jesaja 53,8-10)

In Christus sind wir sowohl in der Vergangenheit, Gegenwart und in Zukunft, für alle Zeit vor Gott für «Gerecht» erklärt.

4.2 Der Geist Gottes lehrt uns Gottes Gerechtigkeit

Jeder von uns hat so seine Vorstellung wie es sich anfühlt oder anfühlen sollte, wenn wir gerecht behandelt werden. Normalerweise messen wir das daran, wie wir im Vergleich mit anderen Menschen dastehen, das ist der natürliche Maßstab, der uns zur Verfügung steht.

Gottes Gerechtigkeit geht aber weite über das hinaus, weil Gott einen ganz anderen Maßstab für seine Gerechtigkeit benutzt. Nun ist es Gottes Ratschluss, dass wir seine Gerechtigkeit nicht nur kennen lernen, sondern Anteil daran erhalten sollen.

Johannes 16.8 (KNT)
Wenn er kommt, wird er die Welt überführen betreffs der Sünde, der Gerechtigkeit und des Gerichts.

Wie wir aus diesem Vers entnehmen, ist es der Heilige Geist, der Zu- und Fürsprecher, der diese Aufgabe – uns Gottes Gerechtigkeit zu zeigen – übernimmt.

Jesaja 61.10-11 (ELB)
10) Denn er hat mich bekleidet mit Kleider des Heils, den Mantel der Gerechtigkeit mir umgetan, wie der Bräutigam sich nach Priesterart mit dem Kopfschmuck und die Braut sich mit ihrem Geschmeide schmückt. 11) Denn wie die Erde ihr Gewächs hervorbringt und wie ein Garten seine Saat aufsprossen lässt, so wird der Herr, HERR, Gerechtigkeit und Ruhm aufsprossen lassen vor allen Nationen.

4.3 Wir unterstehen einer anderen Gerichtsbarkeit

Wie wir es von den Gerichten dieser Welt kennen, werden nicht nur schuldige Menschen angeklagt. Es wird auch versucht, mit falschen Aussagen oder Anklagen, unschuldige Menschen vor Gericht zu verurteilen.

Diese Praktik ist in der geistigen Welt der große „Renner“, denn wenn eine Anklage an uns hängen bleibt (weil wir sie glauben), dann sind wir verurteilt und zurückgebunden.

Jesaja 54.17 (ELB)
Keiner Waffe, die gegen dich geschmiedet wird, soll es gelingen; und jede Zunge, die vor Gericht gegen dich aufsteht, wirst du schuldig sprechen. Das ist der Erbteil der Knechte des Herrn und ihre Gerechtigkeit von mir her, spricht der Herr.

Römer 8.1 (KNT)
Nichts demnach ist nun denen zur Verurteilung, die in Christus Jesus sind; sie wandeln ja nicht fleischgemäss, sondern geistgemäss.

Römer 8.1 (ELB)
1) Also gibt es jetzt keine Verurteilung für die, die in Christus Jesus sind.

Die Schlussfolgerung aus Römer 8.1 ist, dass es im Gesetz des Geistes keine Verurteilung gibt. Die schlechtere Alternative, das Gesetz von Sünde und Tod (Fleisch) kennt aber diese Verurteilung sehr wohl.

Geistgemäss oder „im Geist“ zu leben bedeutet, dass wir in anhaltender Verbindung mit Jesus stehen. Nur in seiner Gegenwart und aus der Beziehung mit ihm ist es uns möglich diese Art von Lebensgrundlage zu haben.

4.4 In der Konfliktzone zwischen zwei Reichen

In der geistlichen Auseinandersetzung ist es von großem Nutzen, wenn wir die „Rechts-verhältnisse“ von göttlicher Gerechtigkeit kennen:

Offenbarung 12.10-11
10) Denn der Verkläger unserer Brüder, der sie vor den Augen unseres Gottes Tag und Nacht verklagte, wurde hinabgeworfen. 11) Durch das Blut des Lämmleins und durch das Wort ihres Zeugnisses überwanden sie ihn.

Wenn wir mit Jesus in die Himmelswelt eintreten und dort agieren, sollten wir mit dieser Grundwahrheit bestens vertraut sein. Anderenfalls wird unser Handlungsspielraum stark eingeschränkt sein.

Und nun noch ein kurzer und knackiger Vers zu der Tatsache, dass die bereitgestellte Gerechtigkeit Gottes erst durch Glaube in unserem Leben aktiviert wird:

Römer 1.17
Der aus Glauben Gerechte wird leben.

5. Tausch 4: Göttliches Leben anstelle von Tod

5.1 Jesus schenkt Leben

Jesus starb unseren Tod, damit wir Anteil an seinem göttlichen  Leben haben.

Römer 6.23 (ELB)
Denn der Sünde Lohn ist der Tod, aber die Gnadengabe Gottes ist ewiges (äonisches) Leben in Christus Jesus.

Johannes 10.10 (KNT)
Der Dieb kommt lediglich, um zu stehlen, zu schächten und umzubringen. Ich bin gekommen, damit sie äonisches Leben haben und es überfliessend haben.

Der gerechte Lohn der uns zustehen würde, ist der Tod. Gottes Barmherzigkeit ist die Alternative zur Gerechtigkeit, Leben in Jesus Christus.

5.2 Wie definiert die Bibel das Leben

1. Mose 2.7 (ELB)

..und hauchte in seine Nase Atem des Lebens; so wurde der Mensch eine lebende Seele.

  • nehfesh (HSN5314) [נָפַשׁ] Substantiv: Seele, Leben, Person steht im Hebr. ein Wort.
  • psychē (GSN5590) [ψυχή] Substantiv: Die Empfindung, die durch die Vereinigung eines organischen Körpers mit Odem oder Geist entsteht.
  • psychō (GSN5594) [ψύχω] Verb: atmen, blasen, durch Blasen kühlen; kühl oder kalt werden.

3. Mose 17.11/14
11) Denn die Seele des Fleisches ist im Blut… 14) Denn was die Seele alles Fleisches betrifft: sein Blut, das ist seine Seele.

Im NT finden wir zwei weitere Begriffe, die mit Leben übersetzt werden:

  • bios (DSN979) [βίος] Substantiv: Natürliches Leben, Lebensunterhalt; das, wodurch das Leben erhalten wird, Ressourcen, Reichtum, Güter.
  • zōē (GSN2222) [ζωή] Substantiv: Universelles Leben, echtes und wahres Leben, ein aktives und kraftvolles Leben.

Betrachten wir einige Aspekte der Seele [psychē]:

– Sie hat kein Leben in sich, sie ist existent, sie kann erst etwas tun, wenn der Geist leben gibt.
– Seele kann auch als «die Kühle» übersetzt werden, sie ist erstarrt. Ohne den Blutfluss ist der Mensch erkaltet.
– Leben ist Bewegung

5.3 Der erste und der letzte Adam

1. Korinther 15.44-46
44) …gesät wird ein seelischer Körper, auferweckt ein geistlicher Körper! Wenn es einen seelischen Körper gibt, dann gibt es auch einen geistlichen. 45) So steht auch geschrieben: Der erste Mensch, Adam, wurde zu einer lebendigen Seele, der letzte Adam zu einem lebendig machenden Geist. 46) Jedoch kam nicht zuerst das Geistliche, sondern das Seelische, und darauf das Geistliche.

Jesus als der «letzte Adam», der Geistliche beendete das unheilvolle Kapitel der gefallenen Schöpfung mit dem «ersten Adam», dem Seelischen.

1. Korinther 15.47-48
47) Der erste Mensch ist aus Erde, von Erdreich; der zweite Mensch ist der Herr aus dem Himmel. 48) Derart wie der von Erdreich ist, solcher Art sind auch die von Erdreich; und derart wie der Himmlische ist, solcher Art sind auch die Überhimmlischen.

Nun wird Jesus als der zweite Mensch bezeichnet. Er ist der Himmlische, der lebendig machende Geist.

Hier finden wir deutliche den Tausch den er uns anbietet: Ich tauschen den ersten Typ Mensch, den irdischen, sündigen, sterblichen, gegen den zweiten Typ Mensch, den himmlischen, den lebensspendenden Geist, der mit dem äonischem Leben.

5.4 Der neue Bund mit Gott

Matthäus 26.26-27
26) Als sie assen, nahm Jesus das Brot, segnete und brach es, gab es den Jüngern und sagte: «Nehmt, esst! Dieses ist mein Körper.» 27) Dann nahm er den Becher, dankte und gab ihnen den und sagte: «Trinkt alle daraus! Denn diese ist mein Blut das neuen Bundes, das für viele zur Erlassung der Sünden vergossen wird».

Mit dem Herrenmahl trinken wir von dem Blut, symbolisch ein Stück Seele von Jesus. Durch den Glauben wird in uns ein Prozess angestoßen, in welchem unser Leben, unser Herz in den zweiten Typ Mensch umgewandelt wird, den Geistlichen, der Anteil in der Beziehung und am Wesen Gottes hat.

5.5 Göttliches Leben in uns

Lange habe ich mich mit dieser Form des Tausches (Tod/Leben) beschäftigt. Es fühlt sich für mich so theoretisch an, theologisch eben, aber wie kann ich das nun in meinem Alltag erlebbar machen?

Wir können erahnen, dass Gott die beiden Bundeszeichen, die Taufe und das Herrenmahl gab, dass wir diesen Prozess vom Tod zum Leben mit diesen symbolischen Handlungen verinnerlichen können. Als ich zum Glauben kam, hatte ich mich für die Erwachsenentaufe entschieden. Kindertaufe in Ehren, aber wenn ich mich aus meinem Willen für diese öffentliche Handlung entscheide, ist das schon nochmals eine ganz andere Sache. Das hat eine geistliche Dimension, eine Kraft, die ich lange unterschätzte.

Aus dem Wort fingen mit der Zeit diese starken MIT und IN Christus Aussagen an zu wirken:

(gekürzte Vers-Zitierungen)

Römer 6.5  MIT Ihm zur Gleichgestaltung MIT seinem Tod (siehe auch Phil. 3.10)

Römer 6.6  unser alter Mensch zusammen MIT Ihm gekreuzigt wurde (Gal 2.10)

Römer 6.8  wenn wir zusammen MIT Christus starben (2.Kor 7.3; 2.Tim 2.11)

Römer 6.4  MIT ihm zusammen durch die Taufe in den Tod begraben (Kol 2.12)

Römer 6.11  rechnet damit, dass ihr aber lebend seid für Gott IN Christus Jesus

Kolosser 2.12  IN ihm wurdet ihr auch MIT auferweckt durch den Glauben (Eph 2.6)

Kolosser 2.13  MIT Ihm zusammen lebendig gemacht

Epheser 2.5  Er macht uns zusammen lebendig IN Christus

Römer 6.8  glauben wir, dass wir auch zusammen MIT Ihm leben werden (2.Tim 2.11)

Als ich nun also diese starken MIT und IN Worte in meinem Herzen empfangen hatte, veränderte sich plötzlich in meinen emotionalen Empfindungen etwas. Gefühle wie Hoffnungslosigkeit, Ohnmacht, Angst, Unsicherheit, Mutlosigkeit, Verzagtheit usw. verloren irgendwie an Einfluss und Kraft in meinem Leben. Da verstand ich den folgenden Vers:

2. Korinther 4.7-12
7) Wir haben aber diesen Schatz in irdenen Gefäßen, damit das Außerordentliche der Kraft sich als von Gott und nicht als aus uns erweise: 8) in allem bedrängt, aber nicht eingeengt, ratlos, aber nicht verzweifelt, 9) verfolgt, aber nicht verlassen, niedergeworfen aber nicht umgekommen. 10) Allezeit tragen wir so die Tötung Jesu in unserem Körper umher, damit auch das Leben Jesu in unserem Körper offenbar werde. 12) Daher wirkt in uns der Tod, das Leben aber in euch.

Wenn Christus in uns ist, wie die Bibel sagt, dann haben wir von diesem göttlichen Leben in uns. Diese wunderbare Tatsache dürfen wir in unserem Alltag ganz praktisch und greifbar erleben.

6. Tausch 5: Segen statt Fluch

6.1 Jesus wurde zum Fluch gemacht, damit wir den Segen empfangen

Galater 3.13-14
13) Christus hat uns losgekauft von dem Fluch des Gesetzes, indem er ein Fluch für uns geworden ist; denn es steht geschrieben: «Verflucht ist jeder der am Holz hängt» 14) Und er wurde zum Fluch, damit der Segen Abrahams in Christus Jesus zu den Nationen komme, damit wir die Verheißung des Geistes durch den Glauben empfingen.

Der Segen Abrahams:

1. Mose 12.3 (ELB)
Und ich will segnen, die dich segnen, und wer dir flucht, werde ich verfluchen; und in dir sollen gesegnet werden alle Geschlechter der Erde! (siehe auch 1.Mo 18.18)

1. Mose 24.1 (ELB)
Und Abraham war alt, hochbetagt, und der Herr hatte Abraham in allem gesegnet.

Abraham, ein Mann Gottes, der für seinen Glauben von Gott ein so hervorragendes Zeugnis ausgestellt bekam. Der Segen dieses Mannes wird uns durch den Sühnetod von Jesus Christus zur Verfügung gestellt. Ist das nicht wunderbar!

6.2 Wer will uns den Segen Abrahams stehlen?

Im Galaterbrief kommt Paulus sehr schnell und sehr klar zum Hauptanliegen seines Schreibens. Die Galater hatten sich einem «anderen Evangelium» zugewandt und in Kapitel 3 macht Paulus die erstaunliche Aussage: «O ihr unvernünftigen Galater, wer hat den euch bezaubert».

  • Baskainō (GSN940) [βασκαίνω] Verb: bezaubert, verhext, buchstäblich mit den Augen töten; jemandem durch vorgetäuschtes Lob oder einen bösen Blick Unheil bringen.

Es scheint hier etwas vorgefallen zu sein, das Paulus in höchste Sorge versetzte. Er spricht hier von einem Zauber, einem Fluch, der auf die Gemeinde der Galater einwirkt. Das ist mehr als eine unbedachte Redewendung, hier ist eine beunruhigende Sache am Laufen.

Galater 1.6-8 (KNT)
6) Ich staune, dass ihr euch so schnell umstellt, hinweg von dem Evangelium, das euch in Christi Gnade berufen hat, zu einem andersartigen Evangelium, 7) das aber nicht ein anderes echtes ist, wenn da nicht etliche wären, die euch beunruhigen und das Evangelium des Christus verkehren wollen. 8) Aber wenn auch wir oder ein Bote (Engel) aus dem Himmel euch etwas Andersartiges neben dem verkündigt, was wir euch als Evangelium verkündigt haben: er sei in den Bann getan (verflucht).

  • anathema (GSN331) [ἀνάθεμα]: In den Bann getan, verbannen, verfluchen, verschwören; etwas, das Gott geweiht wurde, ohne Hoffnung auf Erlösung und, wenn es sich um ein Tier handelte, geschlachtet werden sollte; daher eine Person oder Sache, die zur Vernichtung verurteilt war; ein verfluchter Mensch, der dem schlimmsten Unglück geweiht war.


Die Galater wurden getäuscht und sie merkten es nicht. Sie haben sich einem anderen Evangelium zugewandt, welches keines ist und auch nicht die Kraft des richtigen Evangeliums hat. Die Mächte der Finsternis wissen, dass ihr Wirken durch das Werk Jesu am Kreuz aufgeflogen und entmachtet ist. Sie verlieren ihre Stellung und Einfluss. Nun scheint es mir eine naheliegende Strategie zu sein, wenn sie den Gläubigen ein anderes Evangelium schmackhaft machen können, bei welchem das Kreuz seine Kraft verliert. Es ist doch aus der Sicht des Menschenfeindes naheliegend und viel effektiver, den Gläubigen etwas Verfälschtes, Wirkungsloses glauben zu lassen, als ihn ganz vom Glauben abzubringen.

Galater 1.4 (KNT)
 …der sich selbst für unsere Sünden hingegeben hat, damit er uns aus dem gegenwärtigen bösen Äon (Weltzeit) herausnehme.

Kolosser 1.13 (ELB)
 er hat uns errettet aus der Macht der Finsternis und versetzt in das Reich seines Sohnes der Liebe.

Die Bibel spricht hier davon, dass wir als Gläubige unter eine andere Herrschaft mit anderen Gesetzmäßigkeiten gestellt wurden. Es gibt zwei geistliche Reiche, die in zwei sich überlappenden „Weltzeiten“ wirken. Das eine ist die aus der Vergangenheit (dem irdischen Adam) wirkende Weltzeit, die geprägt ist durch Gesetz, Sünde, Leid, Krankheit und Tod. Das andere ist die aus der Zukunft wirkende Weltzeit, die geprägt wird durch den geistlichen Menschen Jesus Christus, der in uns durch die gnädige Liebe Gottes und die Kraft der Auferstehung wirkt.

Die Herausforderung für uns Gläubige ist es, dass wir in dieser Welt gleichzeitig im Einflussbereich der alten wie auch der neuen Weltzeit (Äon) stehen. Ich bin angehalten meinen inneren Fokus auf das Kreuz auszurichten und im Glauben zu wandeln, sodass das übernatürliche Einwirken des Heiligen Geistes in mir wahres Leben hervorbringen kann. Ist dies nicht der Fall, kann es schnell passieren, dass ich wieder unter den alten Herrschaftsbereich und den Einfluss von Fleischlichkeit und Gesetzlichkeit gerate, ohne es richtig zu merken.

6.3 Der Fluch der Gesetztlichkeit

Galater 3,10
Denn alle, die aus Gesetzeswerken sind, die sind unter dem Fluch; denn es steht geschrieben: «Verflucht ist jeder, der nicht bleibt in allem, was im Buch des Gesetzes geschrieben ist, um es zu tun!»

  • katara (GSN2671) [κατάρα] Substantiv: ein Fluch, eine Verwünschung, eine Verfluchung

Als erstes will ich eine klare Unterscheidung zwischen Gesetzen/Weisungen und Gesetzlichkeit machen.

Die Gesetze oder anders ausgedrückt die Weisungen die Gott uns durch sein Volk (Mose) gegeben hat, sind sehr gut. Wir Menschen brauchen diese Weisungen.

Gesetzlichkeit hingegen wird uns in der Bibel als etwas beschrieben, das uns aus der Gemeinschaft mit Gott entfremdet. Das sehen wir sehr deutlich in der andauernden Auseinandersetzung die Jesus mit den Pharisäern und Schriftgelehrten führte. Diese waren groß mehrheitlich der Gesetzlichkeit verfallen. Dabei erkannten sie Jesus als Sohn Gottes nicht und versuchten andauernd, ihn zu stoppen oder den Regeln ihrer Religion zu unterwerfen.

Was also ist Gesetzlichkeit und wie können wir ihr entkommen?

  • Wenn wir die Weisungen Gottes einhalten wollen, dann müssen wir alle Gebote einhalten, andernfalls fallen wir unter den Fluch (siehe 5. Mose 27+28). Wenn wir 90% der Gebote gehalten haben, dann gibt das kein Lob mit der Note 5-6. Nein! Wir sind durchgefallen, auch bei 99% eingehaltener Gebot, es hilft uns nichts!
  • Da also Plan A für uns Menschen keine Option ist, brauchen wir dringend den Plan B und das ist JESUS. Die Beziehung mit IHM rettet uns aus dem Desaster von Plan A. „Der aus Glauben Gerechte wird leben“. Lebe die Gerechtigkeit, die ER dir durch den Herzensglauben schenkt und die du aus diesem Glauben heraus lebst. Und versuche nie wieder zu Plan A zurück zu kehren, indem du versuchst, die Gebote durch deine eigene Kraft zu halten.
6.4 Der Fluch der Fleischlichkeit

Galater 3,3
So unvernünftig sei ihr? Habt ihr im Geist den Anfang unternommen, um nun im Fleisch zu vollenden?

  • Das fleischliche Leben steht in direkter Konkurrenz zum Leben aus dem Geist.
  • Wenn die Quelle, aus der unser Leben und Handeln entspringt, sich verschoben hat. Mein Denken und Handeln wird nicht mehr aus Gott genährt, sondern kommt aus meinen natürlichen Möglichkeiten. Wenn ich glaube, dass ich aus meinen fleischlichen Tun ein Gott wohlgefälliges Resultat erzielen kann.
  • Es sind die Versuchungen, die aus meinem alten Wesen genährt werden. Eifersucht, Unvergebung, Neid usw.

Fleischlichkeit und Gesetzlichkeit stehen mit dem geistlichen Leben aus Gott in Feindschaft. Trotzdem wirken sie sie dem geistlichen Leben so täuschend ähnlich, bringen aber kein Leben hervor.

6.5 Durch Worte ausgesprochene Flüche

Vier Kategorien von ausgesprochenen Flüchen:

  1. Negative Aussagen, die Menschen über jemanden aussprechen, z.B. «Du bist für nichts zu gebrauchen», «du wirst es im Leben zu nichts bringen» usw.
  2. Flüche die von einer geistlichen Autorität ausgesprochen wurden und als Fluch deklariert wurden.
  3. Flüche die durch Zauberei oder Hexerei ausgesprochen wurden. Sie sind oft an gewisse Elemente wie Wasser, Erde oder Luft gebunden
  4. Flüche die Gott als Strafe ausspricht und die in der Bibel niedergeschrieben sind.

Dem aufmerksamen Leser fällt auf, dass sich die Intensität und das daraus resultierende menschliche Elend in aufsteigender Reihenfolge verstärken.
Die gute Nachricht ist durch Jesus Christus zu uns gekommen, dass er alle diese Flüche über uns gebrochen hat und uns dafür seinen Segen schenkt. Das geschieht aber nicht automatisch, sondern wir sind aufgerufen an diesem Prozess aktiv mitzuarbeiten.

Wir sollen diese Flüche in unserem Leben erkennen, brechen und den Segen und die Heilung die Gott für uns bereithält, ergreifen. Das Kennen und aktive Aussprechen der göttlichen Verheißungen und Worte in unser Leben hinein, ist für diesen Prozess der Wiederherstellung nicht unbedeutend.

In 1. Mose 9,21-27 fand ich ein interessantes Verhalten von Noah mit seinen drei Söhnen, die ihn nackt in seinem Zelt fanden. Er verflucht Ham, der ihn als erster entdeckt und segnet Sem und Jafat, die ihn rückwärts gehend mit einem Obergewand zugedeckt haben. Für mich steht die Haltung symbolisch, dass ich nicht auf andere Menschen zeige und mich über ihr Fehlverhalten entrüste. Vielmehr bemühe ich mich dieses Fehlverhalten mit der Gnade Gottes zu bedecken. Ein priesterlicher Ehrenkodex.

7. Tausch 6: Überfluss anstelle von Mangel

7.1 Soziale Ungerechtigkeit beherrscht die Welt

Arm und Reich ist eine der größten Herausforderungen, mit denen die Menschheit immer wieder konfrontiert ist. Kein anderes Thema spaltet die Welt so sehr in zwei Lager, wie dies Armut und Reichtum tut. Und immer wieder, wenn sich die Schere zwischen Arm und Reich zu weit öffnet, sind wir mit gewalttätigen Konflikten und Migrationsströmen konfrontiert. Im 19 Jahrhundert versuchten Schweizer in existentiellen Notlagen in Übersee ihr wirtschaftliche Zukunft. Heute sind es Menschen aus Länder mit Armut und/oder Krieg, die das erhoffte Glück in der Schweiz und anderen europäischen Ländern suchen.

Armut ist nichts Gutes und wer schon einmal wirkliche Armut gesehen oder selber erlebt hat, wird mir darin beipflichten. Armut ist ein Fluch und sie raubt dem Menschen seine Würde.

7.2 Ein selbstkritischer Blick auf die Schweiz

In der Schweiz leben wir heute in einem Land, das zu den wohlhabendsten Ländern der Welt zählt. Einerseits schätze ich dieses Land und profitiere gerne von den Vorzügen, die mir hier als Bürger Segen gebracht haben. So schnell verfallen wir aber diesem blinden Fleck, dass wir denken, der Grund dieses Wohlstandes liegt darin, dass wir so rechtschaffene und fleißige Leute sind. Meine Einschätzung geht dahin, dass ein nicht unbeachtlicher Anteil des Reichtums in unserem Land aus nicht so rühmlichen Quellen stammt. Oftmals haben wir als Volk, unser Gesetzgeber und die Institutionen in erster Linie darauf geachtet, dass die Geldquellen abgeschöpft werden und unsere Bankkonten sich mehren. Die Opfer und Verlierer in diesem Kreislauf haben wir dabei gerne übersehen. Ich glaube, dass es unsere Pflicht ist, unsere Motivation hinter diesem Handeln auch selbstkritisch zu reflektieren und unser humanitäres Engagement als Land nicht nur in Vorzeigeprojekten zu etablieren.

Jesus spricht sehr klare Worte über unser Geldsystem, den Mammon. Seine Absicht ist es, dass wir frei werden von der Ungerechtigkeit die dieses System in die Welt gebracht hat:

Mt 6,24 Niemand kann zwei Herren dienen: Entweder er wird den einen hassen und den andern lieben, oder er wird an dem einen hängen und den andern verachten. Ihr könnt nicht Gott dienen und dem Mammon.

Lk 16,9 Und ich sage euch: Macht euch Freunde mit dem ungerechten Mammon, damit, wenn er zu Ende geht, sie euch aufnehmen in die ewigen Hütten.

Lk 16,11 Wenn ihr nun mit dem ungerechten Mammon nicht treu seid, wer wird euch das wahre Gut anvertrauen?

Lk 16,13 Kein Knecht kann zwei Herren dienen: Entweder er wird den einen hassen und den andern lieben, oder er wird an dem einen hängen und den andern verachten. Ihr könnt nicht Gott dienen und dem Mammon.

7.3 Gott wird versorgen «Dominus Providebit»

Die Schweiz hat aber noch ein anderes, soziales Gesicht und unser Volk baut auf ein christliches Verständnis. So steht auf dem Rand des «Fünflibers» «Dominus Providebit», das übersetzt heißt: Gott wird versorgen. Und genau hier ist mein Ansatz. «Gott wird versorgen» und durch das Kreuz hat jeder Menschen Zugang zu dieser Verheißung.

Der christliche Glaube wie Jesus und die Apostel ihn vorgelebt hat, bietet eine funktionierende Lösung zum Problem von Armut und Reichtum. Eine soziale Antwort, wenn wir bereit sind in Eigenverantwortung und Opferbereitschaft das Problem anzugehen.

Durch das Kreuz ist es möglich, dass der Reiche sich mit dem Armen identifizieren und solidarisieren kann, und der Arme nicht länger an sein Schicksal gebunden ist.

Armut ist ein Fluch und sie raubt dem Menschen seine Würde. Jesus fordert uns heraus und befähigt uns, ein Leben in Würde zu führen und unserem himmlischen Vater zu vertrauen. Wir alle sind gefordert, «Gottes Versorgungssystem des Überflusses» zu entdecken!

Oftmals bedeutet das für eine «reiche» Person, dass sie ihr Vertrauen nicht auf die vermeintliche Sicherheit ihres finanziellen Vermögens, sondern vielmehr auf Gottes Versorgung setzt.

Eine «arme» Person ist herausgefordert, durch die Zusage aus dem Wort Gottes, aus der Opferrolle und aus dem Fluch der Armut auszubrechen.

7.4 Jesus ertrug unsere Armut, damit wir Anteil an seinem Reichtum haben

In den folgenden Kapiteln verwende ich „Überfluss“ anstelle von „Reichtum“ und „überfließend“ anstelle von „reich“. Für mich ist das Wort „Reichtum“ etwas eher statisches und ein Wort, das ziemlich negativ vorbelastet ist. Das Wort Überfluss ist viel dynamischer und wiederspiegelt für mich das, wie Gott ist und was er in uns hervorrufen möchte. Obwohl mir selbstverständlich schon klar ist, dass Gott über einen unendlichen Reichtum verfügt und Reichtum nicht per se schlecht ist.

Das Wort „Armut“ kann im Gegenzug auch mit „Mangel“ ersetzt werden. Die beiden Worte „Mangel“ und „Überfluss“ werden im Philipper 4.11-12 sehr treffend verwendet.

2. Korinther 8.9
Denn ihr kennt die Gnade unseres Herrn Jesus Christus, dass er, da er reich war, um euretwillen arm wurde, damit ihr durch seine Armut reich wurdet.

Durch das Werk von Jesus am Kreuz und seine Auferstehung dürfen wir unsere Armut eintauschen und von Gottes Überfluss beschenkt werden. Es heißt «reich wurdet» in der Vergangenheit, das bedeutet, Gott hat diese Segnung über deinem Leben schon lang beschlossen. Auch diese Segnung können wir nur auf dem Glaubensweg empfangen. Es ist eine Herzenssache, lasse ich mich von Armut gefangen halten und knechten, oder empfange ich den geschenkten göttlichen Segen des Überflusses?

Doch wie definiert sich Überfluss? Es kann ja nicht sein, dass sich unsere Geistlichkeit in einem, dicken Check-Buch, einer großen Villa mit Pool und einem übermotorisierten SUV definiert! Versteh mich hier richtig, ich verurteile niemanden, der diese Dinge besitzt. Auch ich darf einige (sagen wir) Luxusgüter besitzen, aber sie dürfen mich nicht besitzen.

Eine einfache Gleichung: wenn du Waren im Wert von 100 Fr. einkaufen musst und du hast

  • nur 70 Fr bei dir, dann hast du zu wenig
  • genau 100 Fr bei dir, dann hast du genug
  • aber 130 Fr bei dir, dann hast du Überfluss

Damit du Überfluss in deinem Leben definieren kannst, brauchst du genau zu wissen, was «genug» für dich genau heißt. «genug» ist das, was du zum Leben effektiv brauchst.

Damit du «genug» in deinem Leben definieren kannst, bedarf es einer soliden Budget-planung. Es gibt in unserem Land christliche Finanzseminare, die dir dazu sehr gute Basics vermitteln.

Bei der Budgetplanung geht es darum, deine Ausgaben in

  • zwingende Notwendigkeiten
  • Bedürfnisse
  • Wünsche

zu unterteilen. Bleibt nach der genauen Aufstellung dieser Rubriken noch Geld übrig (im Plus!), dann hast du Überfluss.

Falls du feststellst, dass zu wenig Geld am Ende des Monats verbleibt, solltest du nach dem Grund dafür forschen. Ich glaube, dass Gott dich an diesem Punkt in eine neue Freiheit führen wird.

7.5 Das Weltsystem vom Geld kennt das „nie genug“

Tragischer weise dreht sich unsere Konsumgesellschaft darum, laufend neue Wünsche hervorzurufen, damit kein Überfluss entstehen kann.

Gottes Plan ist ein anderer: Er möchte, dass du den Überfluss, den er dir schenk, in Menschen und in Projekte des Reiches, die wiederum anderen Menschen dienen, investierst. Denn dort, und nur dort kann wahre Multiplikation stattfinden und nicht der schnelle Reichtum, der das Weltsystem verspricht.

7.6 Eine Perspektive in finanzieller Notlage

Was aber ist, wenn Gott dir zutraut, trotz aller guten Zusagen des Überflusses, durch eine schwere Lebenszeit zu gehen?

2. Korinther 8.2
in Drangsal vielfach bewährt, fließt das Übermaß ihrer Freude bei ihrer tiefen Armut in den Reichtum ihrer Großmut über.

Offenbarung 2.9
(Smyrna) ich weiß um deine Werke und deine Drangsal, deine Armut (dennoch bist du reich).

In diesen beiden Versen treffen wir auf Menschen, die anscheinend trotz ihrer physischen Armut ein Zeugnis ausgestellt bekommen, über ihren Reichtum. Dieser Reichtum wird als eine «Herzens»-Reichtum deklariert, welcher aber in Himmels-Währung mehr punktet, als die irdische Währung.

7.7 Ein Leben der freiwilligen (finanziellen) Einschränkung

Damit ich die Thematik nach ganz abrunden kann, erwähne ich hier auch die Menschen, die sich freiwillig zur Armut verpflichtet.

So zum Beispiel der bekannte Franz von Assisi. Er wählte als Sohn einer wohlhabenden Handelsfamilie die freiwillige Armut um armen Menschen zu begegnen und ihnen zu dienen.

Auch Jesus wählte aus freiem Willen die Armut (2.Kor 8.9), damit wir Überfluss haben.

Diese Haltung respektiere ich und bin persönlich auch sehr beeindruckt von solchen Menschen. Es ist aber per se nicht das was Gott von jedem von uns erwartet.

8. Tausch 7: Herrlichkeit anstelle von Scham und Schande

8.1 Die Begriffe Herrlichkeit und Schmach

Herrlichkeit:
Herrlichkeit wird in der Bibel oft zusammen mit Ehre verwendet. Das bringt es auf den Punkt, uns wird von Gott eine Ehre zuteil, die eigentlich nie zustehen würde. Diese Ehre ist ein Geschenk Gottes, die wir uns in keiner Weise verdienen können. Herrlichkeit in sich geht aber nochmals viel weiter und in diesem Begriff steckt eine übernatürliche Komponente. Es beinhaltet Gottes himmlische Realität und Heiligkeit, die in unserem Bewusstsein, in der für uns sichtbaren Welt, Gestalt annimmt. Jesus ist mit seinem Leben das große Musterbeispiel für die Herrlichkeit Gottes. An ihm sehen wir, wie sich Herrlichkeit in dieser Welt manifestiert.

Schmach:
Schmach wird hier als Überbegriff verwendet und steht für Scham, Schande und Unehre. Schmach ist neben Ablehnung eines der häufigsten emotionalen Probleme des Volkes Gottes und es ist relativ heimtückisch. Denn Scham ist etwas, für das wir uns –wie das Wort ja sagt- schämen und darum halten wir diese Dinge oft im Verborgenen. Und alles was nicht ans Licht kommt, übt eine subtile Macht über uns aus. Wir stecken wie in einem Gefängnis und wir werden immer wieder gehindert, in den betroffenen Lebensthemen mutig voran zu gehen. Schmach raubt uns einen Teil unserer Selbstsicherheit, Identität und Würde.

8.2 Verlust und Rückerstattung der Herrlichkeit

Römer 3.23
Denn da ist kein Unterschied, denn alle sündigten und ermangeln der Herrlichkeit Gottes.

Andere Übersetzungen sagen zum Beispiel: Alle sind schuldig geworden und spiegeln nicht mehr die Herrlichkeit wider, die Gott dem Menschen ursprünglich verliehen hatte.

Es ist spannend festzustellen, dass trotz unserer Schuld und Gottesferne, noch ein kleiner Rest an Herrlichkeit in unseren Leben geblieben ist.

Wichtig zu erwähnen ist auch, dass die Schmach in unserem Leben oftmals nicht unsere Schuld ist, sondern dass andere Menschen an uns schuldig geworden sind. Meistens ereigneten sich die gravierendsten Vorfälle in unserer Kindheit und wurden durch uns nahe stehende Personen verursacht.

Johannes 17.22
Und ich habe die Herrlichkeit, die du mir gegeben hast, ihnen gegeben, dass sie eins seien, gleichwie wir eins sind.

1. Korinther 15.43
Es wir gesät in Unehre, auferweckt in Herrlichkeit; es wird gesät in Schwachheit, es wird auferweckt in Kraft.

Bereits in diesen beiden Versen bekommen wir den wichtigen Hinweis, dass Jesus uns seine Herrlichkeit in vollem Maß gegeben hat. Durch das Werk am Kreuz und die Kraft der Auferstehung gelangen wir wieder in unsere ursprüngliche Bestimmung, zur vollkommenen Herrlichkeit Gottes!

8.3 Jesus trug unsere Schmach, damit wir Anteil an seiner Herrlichkeit haben

Wie dir vielleicht aufgefallen ist, sprechen wir von einem Tausch. Wir tauschen etwas, das uns als Konsequenz unseres Handeln zusteht, gegen etwas viel besseres, das uns aber im Grunde nicht zustehen würde. Schauen wir nochmals auf das Leben und Sterben von Jesus und lassen uns zeigen, was dieser Tausch für ihn bedeutet hat. Auf Golgatha hat er alle Scham, Schande und Unehre, die uns im Grunde zustehen würde, getragen.

In den Evangelien steht «und er wurde gekreuzigt», die Details dieses grausamen Foltertodes werden uns in diesen Aufzeichnungen erspart. Es gibt aber sehr wohl Bibelverse, die uns genaueres über diese entwürdigende Hinrichtung vor Augen führen.

Jesaja 53.3
Er war verachtet und von den Menschen verlassen, ein Mann der Schmerzen und mit Leiden [Krankheit], wie einer, vor dem man das Gesicht verbirgt. Er war verachtet, und wir haben ihn nicht geachtet.

1. Petrus 1
10) Nach der Errettung haben schon die Propheten ernstlich gesucht und geforscht, die von der euch erwiesenen Gnade prophetisch geredet haben, indem sie forschten, was für eine oder welche Zeit der Geist Christi in ihnen offenkundig machte, wenn er vorher bezeugte die für Christus bestimmten Leiden und seine Verherrlichung danach.

Petrus weist uns hier darauf hin, dass wir im AT viele Hinweise finden, die unsere Errettung in Christus noch umfassender beschreiben

Psalm 69.8-22
8) Denn deinetwegen trage ich Hohn, hat Schande bedeckt mein Gesicht. 9) Entfremdet bin ich meinen Brüdern und ein Fremder geworden den Söhnen meiner Mutter. 10) Denn der Eifer um dein Haus hat mich verzehrt, und die Schmähungen derer, die dich schmähen, sind auf mich gefallen. 11) Als ich weinte und meine Seele fastete, da wurde es mir zu Schmähungen. 12) Als ich mich in Sacktuch kleidete, da wurde ich ihnen zum Sprichwort. 13) Die im Tor sitzen, reden über mich, und auch die Spottlieder der Zecher.  20) Du, du hast meine Schmähung erkannt und meine Schmach und meine Schande; vor dir sind alle meine Bedränger. 21) Der Hohn hat mein Herz gebrochen, und es ist unheilbar; und ich habe auf Mitleid gewartet – aber da war keins; und auf Tröster, aber ich habe keine gefunden. 22) Und sie gaben mir zur Speise Gift, und in meinem Durst tränkten sie mich mit Essig.

Der Psalmist findet ausdruckstarke Worte, wie er die emotionale Lage des Gekreuzigten beschreibt: Der Hohn hat mein Herz gebrochen, und es ist unheilbar. Sein Herz wurde unheilbar gebrochen, damit unser Herz heilen kann.

Es ist nun unsere Verantwortung, diese emotionalen Wunden in unserem Leben zu erkennen, zu benennen und behandeln zu lassen. Die Zusage, dass dieser Heilungsprozess schon lange bei Gott beschlossen war und wir sie nur noch zu empfangen haben, liegt bei Jesus.

Wie kannst du diese Heilung empfangen?

Durch Glauben. Gib deine emotionalen Schmerzen und Verletzungen im Gebet an Jesus ab, und empfange die Heilung, die er für dich bereitgestellt hat. Dabei solltest du darauf achten, dass du nicht nur aus deinem Intellekt handelst, sondern dein Herz, die Schaltzentrale deines Wesens mit all deinen Emotionen und Gefühlen mit einbeziehst.

Die Erfahrung zeigt, dass es hilfreich ist, die ersten Schritte dieses Heilungsprozesse im Rahmen eines Gruppengebets oder in persönlichen Seelsorgegesprächen anzugehen.

Zum Abschluss des Themas gibt es noch eine Sache die ich speziell erwähne: Sexueller Missbrauch. Ich erschrecke immer wieder, wenn ich aus persönlichen Lebensberichten oder aus Statistiken erfahre, wie viele Menschen in ihrer Kindheit oder Jugend sexuelle Übergriffe oder Missbrauch erlebt haben. Diese Erlebnisse sind teils so traumatisch, dass die betroffenen Personen, diese oftmals in ihrem Unterbewusstsein verdrängen oder abspalten. Oftmals braucht es einen langen Prozess, bis diese Schmach, Schande und Scham von einer Person im Bewusstsein zugelassen wird und in der Folge Heilung finden kann.

9. Tausch 8: Annahme anstelle von Ablehnung

9.1 Ohne Annahme gibt es keine gesunde Entwicklung

Ein Urbedürfnis des Menschen ist es, angenommen und Teil einer Gemeinschaft zu sein. Der Mensch ist ab seiner Geburt neben Sauerstoff und Nahrung unbedingt auch auf Liebe und Annahme angewiesen! Und davon am besten auch noch die passende Dosis. Zuwenig oder zu viel davon kann sich negativ auf die emotionale Entwicklung eines Kindes auswirken.

Nun wissen wir, dass der Mensch (wir Eltern) in der gefallenen Schöpfung an dieser Aufgabe aus den verschiedensten Gründen oftmals scheitert. So starten viele Menschen bereits mit einem Manko an Liebe und Annahme in ihr Leben.

An dieser Stelle halte ich fest, dass wir Eltern nicht die alleinigen Auslöser der Problematik sind. Wir können mit den besten Absichten unterwegs sein, und durch einen unverschuldeten Schicksalsschlag (z.B. Tod eines Elternteils), erlebt ein Kind einen schweren Verlust und verliert wertvolle Zuneigung.

Da hatte ich vor einiger Zeit ein Gespräch mit einer Person die in einer Schule angestellt ist. Dabei erzählte sie mir, dass es Eltern gibt, die ihr Kind wie ein Projekt sehen. Sie haben eine klare Vorstellung, welche Investitionen sie in dieses Projekt machen werden, wie dieses Projekt geführt wird und was schlussendlich als Gewinn daraus resultieren soll. Das Kind bleibt dabei auf der Strecke. Ich war ziemlich konsterniert, als ich das hörte, da es für mich so selbstverständlich ist, dass ich Kinder mit ihren Begabungen und Fähigkeiten fördere, dass sie dahin gelangen, ihre Bestimmung und Berufung im Leben zu finden.

Aber auch im Erwachsenenalter erleben wir Ablehnung, die sehr schmerzvoll sein kann und emotionale Wunden hinterlässt. Ein häufiges Beispiel finden wir beim Zerbrechen einer Ehe, wenn ein Partner verlassen wird und somit eine tiefe Ablehnung erfährt.

Nicht geliebt zu werden ist die schlimmste Krankheit! Ablehnung ist neben Schmach eines der häufigsten emotionalen Probleme des Volkes Gottes.

9.2 Jesus erlebte tiefste Ablehnung

Matthäus 27.45-49
45) Von der sechsten Stunde an kam Finsternis über das ganze Land bis zur neunten Stunde. 46) Um die neunte Stunde aber schrie Jesus mit lauter Stimme; «Eli, Eli, lema sabachthani!», das heisst: «Mein Gott, mein Gott, wozu du mich verlassen hast». 47) Als einige der dort stehenden das hörten, sagten sie: «Der ruft Elia». 48) Und sogleich lief einer von ihnen hin, nahm einen Schwamm und füllte ihn mit Essig, steckte ihn auf ein Rohr und tränkte ihn. 49) Die übrigen aber sagten: «Lasst nur, wir wollen sehen, ob Elia kommt und ihn rettet!».

In dieser Passage des Matthäus-Evangeliums erleben wir den Moment im Leben von Jesus, wo er neben den Menschen die mit ihm gingen, auch von seinem himmlischen Vater abgelehnt und verlassen wurde. Wie wir bereits wissen, wurde Jesus aufgrund unserer Sündhaftigkeit zu Sünde gemacht und Gott ging mit ihm um, wie er mit Sünde nun mal umgeht. Jesus hat die tiefste Ablehnung überhaupt erduldet, damit wir die Annahme, die ihm zustand annehmen dürfen.

Jesus ertrug unserer Ablehnung, damit wir in den Genuss seiner Annahme beim Vater kommen.

9.3 Wir wurden zuerst geliebt

1. Johannes 4.19
Wir lieben Gott, denn er hat uns zuerst geliebt.

Wir können Gott erst dann lieben, wenn seine Liebe in uns liebe weckt. Das gilt auch in Bezug auf andere Menschen. Wir können erst dann lieben, wenn in uns durch Liebe eines anderen Menschen Liebe geweckt wurde.

Epheser 1.3-4
3) Gepriesen sei der Gott und Vater unseres Herrn Jesus Christus, der uns gesegnet hat mit jeder geistlichen Segnung in den himmlischen Örtern, 4) wie er uns auserwählt hat in ihm vor Grundlegung der Welt, dass wir heilig und tadellos vor seinem Angesicht seien. In Liebe hat er uns für sich zum Sohnesstand durch Jesus Christus vorherbestimmt.

Egal von welchen Autoritäten du in deinem Leben abgelehnt wurdest, die höchste Autorität dieses Universums spricht diese Worte der Liebe über dir aus!

9.4 Empfange emotionale Heilung für dein Leben

Es kann sein, dass du so enttäusch und abgelehnt wurdest, dass du diese Worte der Liebe und Annahme noch gar nicht wirklich im Glauben empfangen kannst. Für Gott aber ist nichts unmöglich! Er kennt den Weg, wie er dich erreichen kann, so dass du Heilung aus deinem emotionalen Defizit findest. Da ist es auch echt hilfreich, wenn du eine Gemeinschaft von Menschen findest, die dich durch diese emotionale Berg und Talfahrt begleiten.

Mein einfacher Rat: Gib deine emotionalen Schmerzen und Verletzungen im Gebet an Jesus ab, und empfange die Heilung, die er für dich bereitgestellt hat. Dabei solltest du darauf achten, dass du nicht nur aus deinem Intellekt handelst, sondern dein Herz, die Schaltzentrale deines Wesens mit all deinen Emotionen und Gefühlen mit einbeziehst. Na, alles klar? Bleib einfach dran, ich kann dir versichern, Heilung wird fliessen.

Einem emotional „gesunden“ Menschen rate ich einfach die Augen und Ohren offen zu halten, wenn Gott auch dir Dinge zeigt, wo du doch einen „Knacks“ abbekommen hast. Warte nicht und nimm das Heilungsangebot aus seiner Hand dankend an.

So wie die Gottesferne in unseren Leben Spuren des Unheils hinterlässt, so finden wir in der Gegenwart Gottes auch wieder Heilung. Das kann ich aus langer Erfahrung bestätigen, dass in einem Raum der Anbetung, in der Präsenz Gottes, der Heilungsstrom vom Thron Gottes die Menschen erfasst

10. Tausch 9: Ein neuer Mensch anstelle des Alten

10.1 In Jesus ist das Leben

Bereits beim vierten Tausch haben wir uns mit dem göttlichen Leben, das uns durch Jesus begegnet, auseinandergesetzt. Zusammenfassend kann ich sagen: Wenn wir dieses göttliche Leben nicht empfangen und es in unserem Alltag eine deutliche Veränderung bringt, so führen doch unsere kirchlichen Bemühungen und theologischen Exkurse irgendwie in eine Sackgasse.

Da erinnere ich mich an eine angeregte Diskussion auf einem Männerweekend. Es ging um die Frage, auf welche Weise wir ein wirkungsvolles Leben aus Gott führen können. Der Pastor hatte längere Zeit zugehört und teilte dann mit uns seine Erfahrung im Lehrdienst als Gemeindehirte. Ich versuche seine Worte bestmöglich wiederzugeben: „Egal wie ich lehre und was ich lehre, ich achte darauf, dass dieses Leben entstehen kann. Die Menschen sind hungrig nach diesem göttlichen Leben und sie spüren sehr schnell, wenn es persönlich und in der Gemeinde erlebbar wird. Darauf arbeite ich hin und die Lehre ist ein Werkzeug dazu. In Lehrfragen finden wir doch oft keine abschließende Einigung, aber wenn wir das Leben aus Gott schmecken, finden wir einen gemeinsamen Weg.“Diese Worte trafen mich ins Herz! Wir brauchen dieses Leben aus Gott wir sind hungrig danach. Ich will meinen Blick immer wieder auf IHN richten, der diesem Wort die Kraft verliehen hat, die Leben bringt

Johannes 1.1-5 (KNT)
1) Zu Angang war das Wort, und das Wort war zu Gott hingewandt, und wie Gott war das Wort. 2) Dieses war zu Anfang zu Gott hingewandt. 3) Alles ist durch dasselbe geworden, und ohne dasselbe wurde auch nicht eines, das geworden ist. 4) In demselben war Leben, und das Leben war das Licht der Menschen. 5) Das Licht erschien in der Finsternis, doch die Finsternis hat es nicht erfasst.

Anmerkung: Johannes schreibt aus einer hebräischen Prägung. Um eine wichtige Passage aus seinen Aussagen hervorzuheben, arbeitet er mit Wiederholungen. Eine typisch hebräische Eigenart, etwas mehrmals zu wiederholen und der Aussage in jeder Wiederholung noch einen zusätzlichen Aspekt anzufügen. Diese Schreibweise fühlt sich für mich immer noch etwas fremdartig an.

10.2 Unser altes Menschsein muss sterben!

Der neunte Tausch:
Unser alter Mensch starb in Jesus, damit der innere, neue Mensch in uns lebt.

Römer 6.5-7 (KNT)
5) Denn wenn wir mit Ihm zur Gleichgestaltung mit Seinem Tod zusammengepflanzt wurden, werden wir es doch auch hinsichtlich der Auferstehung sein: 6) dies erkennend, dass unsere alte Menschheit zusammen mit Ihm gekreuzigt wurde, damit der Körper der Sünde unwirksam gemacht werde und wir nicht mehr der Sünde versklavt sind; 7) denn wer ihr stirbt, ist von der Sünde gerechtfertigt.

Im Konkordanten NT wird der besondere Begriff, den Paulus hier sehr gezielt verwendet mit «unsere alte Menschheit» übersetzt. Es drückt etwas von diesem kollektiven Schicksal aus, in das wir hineingeboren wurden.

Unser natürlich geborenes Wesen ist trotz der gottähnlichen, wunderbaren Schöpfung durch nichts mehr zu retten!

Wir sind Rebellen, Gott ferne und nicht in der Lage in der Gemeinschaft mit Gott und nach seinem Willen zu leben.

Und ich sage das nochmals mit aller Deutlichkeit: Unser natürlich geborenes Wesen ist durch gar, gar rein gar nichts zu retten. Du kannst dir noch so viel Mühe geben, der beste Mensch auf Erden sein, es ist hoffnungslos, alles ist verloren!

Philipper 3.10-11
10) Um Ihn zu erkennen, und die Kraft Seiner Auferstehung [ANASTASIS] und die Gemeinschaft seiner Leiden, indem ich Seinem Tod gleichgestaltet werde, 11) ob ich etwa zu der Ausauferstehung [EX ANASTASIS], der aus den Toten, gelangen könnte.

Ausblick: Mit der Ex-Anastasis im Vers 11 werde ich mich im Kapitel „Geheimnis der Auferstehung“ näher auseinandersetzten.

Es gibt nur eine Möglichkeit, dein Menschsein zu retten, nämlich durch vorzeitige Exekution und eine Neugeburt (Shutdown, Reboot – würde der Informatiker sagen).

Die Logik von Paulus ist dem Wesen nach ganz simpel: Wenn dieser alte, nicht mehr zu rettende Mensch in uns einmal getötet ist, ist er nicht mehr existent und kann auch nicht mehr sündigen…

Es ist für unser logisches, aufgeklärtes Denken eine ziemliche Herausforderung, diese Tatsache zu akzeptieren, geschweige denn ein Verständnis für diesen Vorgang zu finden.

Es reicht nicht, dass uns unsere Sünden vergeben wurden, der Sünder in uns muss exekutiert werden. Wenn wir diesem Vorgehen nicht Folge leisten, wird unser Christenleben etwas holprig und anstrengend werden.

10.3 Teilhaber IN CHRISTUS werden

Im Neuen Testament treffen wir immer wieder auf die Redewendung «in Christus», «in ihm» oder «mit ihm». In seinen Briefen finden wir diese Formulierung 164-mal.

Diese sehr persönliche Beziehung, Verbindung zu Christus ist die universelle Grundlage für unser Christenleben. Das heißt, dass wir in den geistlichen Lebensraum, in den Herrschafts- und Wirkungsbereich von Jesus Christus eintreten.

Darum ist es von großer Wichtigkeit, dass wir die einzelnen Schritte der Partizipation (Teilhaberschaft) mit Christus genau befolgen.

11.3.1 Gekreuzigt

Römer 6.6) ..dies erkennend, dass unsere alte Menschheit zusammen mit Ihm gekreuzigt wurde.

Galater 2.20) Zusammen mit Christus bin ich gekreuzigt;

Das mittlere Kreuz war für Barnabas vorgesehen, doch er wurde begnadigt und Christus wurde an diesem Kreuz gefoltert. Du warst Barnabas! Du bist dem physischen Kreuzestod nur knapp entgangen. Um Anteil am Leben von Christus zu haben, hast du dich bewusst in Christus mit-kreuzigen lassen.

11.3.2 Gestorben

Römer 6.8)  Wenn wir aber zusammen mit Christus starben, glauben wir, dass wir auch zusammen mit ihm leben werden.

2. Timotheus 2.11)  Glaubwürdig ist das Wort: Denn wenn wir mit-starben, werden wir auch mit-leben.

Wir können uns keiner kosmetischen Kur «wie führe ich ein besseres Leben» unterziehen, das Problem muss an der Wurzel behandelt werden (Mt 3.10). Das bedeutet: Exekution! Das alte Wesen in der Blutslinie des ersten Adams muss sterben!

11.3.3 Begraben

Römer 6.4)  Mit Ihm zusammen wurden wir nun durch die Taufe in den Tod begraben.

Kolosser 2.12)  da ihr mit Ihm in der Taufe begraben seid.

Die Taufe ist eine Handlung, ein Symbol, welche(s) die Teilhaberschaft in Christus ausdrückt. Weil das für den christlichen Glauben so elementar ist, war die Erwachsenentaufe in den letzten 500 Jahren nach der Reformation sehr hart umkämpft.

11.3.4 Auferweckt

Kolosser 2.12)  Mit Ihm wurdet ihr auch mit auferweckt durch den Glauben an die Wirksamkeit [ENERGEIA] Gottes, der Ihn aus den Toten auferweckt hat.

Kolosser 3.1)  Wenn ihr nun zusammen mit Christus auferweckt wurdet, suchet das droben ist, wo Christus ist, zur Rechten Gottes sitzend.

Epheser 2.5)  Er erweckt uns zusammen und setzt uns zusammen nieder inmitten der Überhimmlischen in Christus Jesus,

Ich sehe eine tiefe geistliche Wahrheit darin, dass zuerst etwas sterben muss, bevor etwas Neues hervorbrechen kann. In Philipper 2.7 steht, dass Christus sich selbst entäußerte (entleerte) und die Gestalt eines Sklaven annahm. Er verließ alle Vorzüge und Privilegien des Himmels, um Mensch zu werden. Wir können als Nachfolger Christi hier kaum eine Abkürzung nehmen. The way up goes down!

In der Taufe sterben wir quasi einmalig mit Christus und werden in ihm mit-auferweckt. Dieser Vorgang findet wiederholend in unserem Christenleben immer wieder statt, da es fortlaufend Lebensbereiche gibt, wo wir loslassen, sterben, damit es Platz gibt für etwas Neues, aus Gott geschaffenes.

11.3.5 Lebendig gemacht

Kolosser 2.13 (KNT)
Auch euch, die ihr den Kränkungen und der Unbeschnittenheit eures Fleisches gegenüber tot seid, hat er mit Ihm zusammen lebendig gemacht, um so für alle Kränkungen Gnade erweisend.

Epheser 2.4-5 (KNT)
4) Gott aber, der so reich an Erbarmen ist – um seiner vielen Liebe willen, mit der er uns liebt (die wir den Kränkungen und Begierden gegenüber tot sind) – 5) Er macht uns zusammen lebendig in Christus.

  • paraptōma (GSN3900) [παράπτωμα] Substantiv: Daneben-Fall, Kränkung: Eine Sünde, durch die das Herz verwundet wird.
    Neben oder in der Nähe von etwas fallen, ein Verfehlung oder Abweichung von Wahrheit und Rechtschaffenheit, eine Sünde, eine Missetat
  • ptōma (GSN4430) [πτῶμα] Substantiv: ein Sturz, Untergang, ein Fehler, ein Verfall in Sünde, der gefallene Körper eines Toten oder Getöteten, eine Leiche, ein Kadaver

In den beiden Versen sehen wir deutlich: Wer der Sünde und all ihren unheilvollen Folgen gestorben ist, hat das Vorrecht, in Christus lebendig gemacht zu werden und mit ihm zu herrschen.

11.3.6 In der Himmelswelt mit-sitzen

Kolosser 3.1)  Wenn ihr nun zusammen mit Christus auferweckt wurdet, suchet das droben ist, wo Christus ist, zur Rechten Gottes sitzend.

Epheser 2.5)  Er erweckt uns zusammen und setzt uns zusammen nieder inmitten der Überhimmlischen in Christus Jesus,

Als weiterer Schritt der Teilhaberschaft mit Christus finden wir nun den Zugang zur Himmelswelt und zum Thron Gottes.

10.4 IN CHRISTUS – eine Zusammenfassung

Unsere alte Menschheit muss sterben, damit wir

  • nicht mehr Sklaven der Sünde sind
  • nicht mehr unter dem Gesetz leben (Leistungs-, Belohnungs-Maßstab dieser Welt)
  • vom Fleisch und vom eigenen Ich befreit sind
  • von dieser bösen Weltzeit befreit sind
  • Teilhaber der Auferstehungskraft werden
  • Und somit lebendig gemacht werden.

In der Folge werden wir befähigt,

  • aus Glauben heraus zu leben
  • die Prägung und das Wesen Gottes anzunehmen ([ARETE]-Tugenden)
  • interaktiv mit Gott zu kommunizieren und anzubeten ([EUSEBEIA] Gottseligkeit)
  • in die Himmelswelt einzutreten, wo Jesus als Herrscher für allezeit gesetzt ist.

11. Das Wort vom Kreuz in Kraft und Weisheit

11.1 Das Geheimnis tiefer verstehen

Mit  dem neunfachen Tausch am Kreuz habe ich in den vorherigen Kapiteln die praktische Anwendung des Kreuzes auf unser tägliches Leben beschrieben. Es ging um die persönliche Erfahrung jedes Gläubigen. Die neun Aspekte vom Tausch und der Erneuerung waren vermutlich den meisten Gläubigen schon in irgendeiner Form vertraut.

Nun gehe ich einen weiteren Schritt hinein in eine tiefere Dimension des Geheimnisses. Da geht es nicht mehr so direkt um unsere persönliche Heiligung und Erneuerung, sondern um das Reich Gottes selbst. Es geht darum, wie Gott sein Reich aufbaut und auf welchen Grundpfeilern es steht.  Wie Jesus in Lukas 8.10 sagt: „Euch ist es gegeben, die Geheimnisse des Königreiches Gottes zu erkennen“. Die „Euch‘s“ waren in erster Instanz seine Jünger und die hatten ein intensives Lernprogramm mit Jesus durchlaufen. Auch bei ihnen hat es ein bisschen gedauert, bis sie wirklich verstanden, um was es bei diesem Reich geht.
Was lehrt uns die Bibel über die konkreten Baupläne dieses Reichs? Denn die Baupläne Gottes sind nun nicht wie ein Kochrezept niedergeschrieben, sondern verbergen sich vielmehr „zwischen den Zeilen“. Der Leser vom Wort wird einmal mehr heraus-gefordert dieses Wort zu erforschen und im Geist zu verstehen.

Kolosser 1,26
das Geheimnis, das von den Äonen und von den Geschlechtern her verborgen gewesen ist, nun aber seinen Heiligen geoffenbart wurde.

Roberts Liardon beschreibt als Historiker in seinen Büchern „die Generäle Gottes“ beeindruckende Persönlichkeiten, die seit der Reformation im Reich Gottes gedient haben. Da lesen wir von Menschen, denen Zeichen, Wundern, und Erweckungen folgten. Andererseits schreibt er auch sehr ehrlich über die Schattenseiten und Misserfolge dieser Menschen. So gut es Roberts möglich war, hat er den Weg zum Erfolgt dieser Persönlich-keiten aufgezeigt. Es ist mein Anliegen, in der Bibel einen geistlichen Ansatz zu finden, wie Gott sein Reich bauen will, und was das mit dir und mir zu tun hat. Wir werden als Miterben von Christus bezeichnet und sollen mit Ihm mitregieren. Ein hohes Ziel, das uns da erwartet und nun stellt sich die Frage, auf welchen Etappen wir zu diesem Ziel gelangen. Wie nun schon oft gesagt, gehe ich diesen Forscherweg hauptsächlich über die Geheimnisse Gottes

11.2 Der Prophet Daniel und die Geheimnisse

Ich habe bereits im ersten Kapitel „Das Mysterion des Reiches Gottes“ dieses Schreibens auf die Geheimnisse bei Paulus hingewiesen. Auf der weiteren Suche nach dem Begriff Mysterion treffen ich nun auf den Propheten Daniel. In der LXX (gr. Übersetzung AT) finde ich beim Buch Daniel im AT den Begriff MYSTERION und das gleich achtmal. Dan 2:18, 2:19, 2:27, 2:28, 2:29, 2:30, 2:47 und 4:9. Paulus greift diesen Begriff im NT wieder auf, entwickelt die Thematik weiter und gibt tieferen Einblick.

  • mystêrion (GSN 3466) [μυστήριον]: Geheimnis, eine verborgene Wahrheit, die nur durch Gott geoffenbart werden kann.

Die geheimen Gedanken, Pläne und Veranstaltungen Gottes, die sich dem menschlichen Verstand, überhaupt jeder nichtgöttlichen Beobachtung entziehen und daher denen, für die sie bestimmt sind, offenbar gemacht werden müssen. (W. Bauer, Griechisch-Deutsches Wörterbuch zum NT).

Daniel wurde mit dem Volk Israel in die babylonische Gefangenschaft deportiert. Das Volk Israel war es gewohnt, dass die Herrlichkeit und die Begegnung mit Gott fast ausschließlich in ihrem Tempel in Jerusalem zu finden war. Erstaunlicherweise erlebt nun Daniel auf dramatische Weise, dass er Gottes Macht, Kraft und Weisheit – fernab vom zerstörten Tempel in Jerusalem – in Babylon erlebt. Wir erkennen am Beispiel von Daniel, dass Gottes Reich und seine Herrlichkeit nicht ortsgebunden ist und sich sogar im „Feindesland“ manifestiert. Als Prophet ist Daniel dazu auserwählt, in Träumen die zukünftigen Dinge bis zum ersten Eintreffen von Jesus und die Himmelfahrt vom Himmel her zu sehen (*1).

Daniel 7,13-14
Ich schaute in Gesichten der Nacht: und siehe, mit den Wolken des Himmels kam einer wie der Sohn eines Menschen. Und er kam zu dem Alten an Tagen, und man brachte ihn vor ihn. Und ihm wurde Herrschaft und Ehre und Königtum gegeben, und alle Völker, Nationen und Sprachen dienten ihm. Seine Herrschaft ist eine ewige Herrschaft, die nicht vergeht und sein Königtum so dass es nicht zerstört wird.

Damit du selbst in das Thema „Geheimnisse bei Daniel“ hineinfindest, empfehle ich, die Bibelstellen dazu zu lesen. Daniel 1-4 und 7 gibt sicher eine gute Grundlage. Durch Daniel geschehen machvolle Dinge, sodass am Ende vom Kapitel vier der Weltenherrscher Nebukadnezar sich Gott unterordnet. Eine außergewöhnliche Bekehrungsgeschichte. Du wirst vielleicht erstaunt sein, wie oft die Macht, Kraft und Weisheit Gottes bei Daniel erwähnt werden. Man könnte sie als Schlüsselwörter für das Geheimnis bei Daniel einordnen.

(*1) Im Neuen Testament wurde dann Johannes auserwählt, die weiterführend Ereignisse bis zur Wiederkunft, dem zweiten Erscheinen von Jesus, niederzuschreiben. Dann werden auch sichtbar alle anderen Königreiche „zerschlagen“.

Der Traum des Nebukadnezar vom Standbild (Daniel 2)

Da Nebukadnezar befürchtet, dass seine Traumdeuter nicht in der Lage sind, seinen Traum korrekt zu deuten, verlangt er von ihnen, dass sie auch Offenbarung über den Inhalt des Traums bekommen. Es geht hier um ein Geheimnis oder Mysterion, das wirklich nur durch Gott geoffenbart werden kann. In der Folge wird das Mysterion Daniel geoffenbart. Als Beweis der göttlichen Offenbarung träumt Daniel denselben Traum und bekommt die Auslegung dazu. Auf die vier Weltreiche Babylon, Medo-Persien, Griechenland und Rom folgt das Reich Gottes, das in Jesus Christus begründet ist. Er ist der Stein, der in dem Traum «nicht durch Hände» vom Berg losbricht und an Autorität und Macht über diesen vier Weltreichen steht. Der Ausdruck «nicht durch Hände» deutet auf das Eingreifen Gottes.

Jesus selbst nimmt auf diesen Stein in den Evangelien Bezug. Primär bezieht Er sich auf Psalm 118:22, es drängt sich auf, dass auch ein Bezug zum Stein aus Daniel 2 besteht.

Matthäus 21,42-44
Jesus spricht zu ihnen: Habt ihr nie in den Schriften gelesen: »Der Stein, den die Bauleute verworfen haben, dieser ist zum Eckstein geworden; von dem Herrn her ist er dies geworden, und er ist wunderbar in unseren Augen». Deswegen sag ich euch: Das Reich Gottes wird von euch weggenommen und einer Nation gegeben werden, die seine Früchte bringen wird. Und wer auf diesen Stein fällt, wird zerschmettert werden; aber auf wen er fallen wird, den wird er zermalmen.

In den Briefen wird der symbolische Hinweis auf den «Eckstein» aufgegriffen und vertieft. (Röm 9:33, Eph 2:20, 1.P 2:6-8)

11.3 Macht, Kraft und Weisheit im Geheimnis vom Kreuz

1. Korinther 1,18
Denn das Wort vom Kreuz ist zwar denen, die umkommen, eine Torheit; uns aber, die gerettet werden, ist es Gottes Kraft.

1. Korinther 2,5
damit euer Glaube nicht in der Weisheit der Menschen, sondern in der Kraft Gottes gegründet sei.

1. Korinther 2,7
Sondern wir reden von Gottes Weisheit in einem Geheimnis, vor der verborgen gewesenen, die Gott vor den Äonen zu unserer Herrlichkeit vorherbestimmt hat.

Paulus beschreibt am Anfang des ersten Korintherbriefs das Geheimnis des Kreuzes. Er betont, dass die Botschaft vom Kreuz in Gottes Kraft und Weisheit begründet ist. Um dieses göttliche Geheimnis zu verstehen, reicht menschliche Weisheit und Vernunft bei weitem nicht aus. Du brauchst eine Offenbarung Gottes und wir sollen auch mit der Kraft Gottes in Berührung kommen. Das Kreuz wurde in unserem westlichen theologischen Verständnis nach der Reformation oftmals mit Schwachheit in Verbindung gebracht. Da die katholische Kirche jahrhundertelang eine große Macht und Autorität ausgeübt hatte, setzten die Reformatoren einen bewussten Gegenkurs. Es scheint für mich nachvollziehbar, dass sie dem Machtmissbrauch der Kirche klare Grenzen setzten. Die Bibel lehrt uns aber im Bezug auf die geistliche Kraft, Macht und Stärke des Kreuzes und der Herrschaft des auferstanden Christus etwas anderes. Im Kreuz liegt die Kraft Gottes! Im Kreuz liegt die Kraft des Reich Gottes begründet und alle irdischen Reiche können nicht mehr konkurrieren.

11.4 Die Weisheit und Kraft von Gottes Thronherrschaft

Offenbarung 7,10/12 (KNT)
10) Laut riefen sie mit mächtiger Stimme: Die Rettung steht bei unserem Gott, dem auf dem Thron sitzenden, und dem Lämmlein. 12) Amen! Segen, Verherrlichung, Weisheit, Dank, Ehre, Macht und Stärke sein unserem Gott für die Äonen der Äonen! Amen!

Aus diesem Lobgesang geht hervor, dass Weisheit, Macht und Stärke drei wichtige Prädikate von Gottes Thronherrschaft sind.
Erinnern wir uns, dass Paulus ein jüdischer Gelehrter war und sich hervorragend im Umgang mit den Schriften des Alten Testaments auskannte. Zu seiner Zeit war auch die Septuaginta LXX (*2), die griechische Übersetzung des AT weitverbreitet. Da die Muttersprache von Paulus griechisch war und weitere Indizien lassen die Historiker annehmen, dass er für seine Verkündigung und seine Briefe zum Gemeindeaufbau vorwiegend die LXX verwendete.

In den folgenden Kapiteln hilft mir STRONG‘s Dictionary und das Internet, dass ich die griechischen Begriffe besser zuordnen und den Querverweis zur LXX finde.

Auch Paulus verwendet das Begriffspaar «Weisheit und Kraft» öfters in seinen Briefen. Dabei geht es nie um menschliche Weisheit und Macht, sondern um die Göttliche. Die beiden Begriffe zeigen uns wieder die Parallele zu Daniel, der durch sein Vertrauen Gottes Gunst und Gnade findet. In der Folge erlebt Daniel auf dramatische Weise die Macht und Weisheit Gottes.
Aus Epheser 1.19 erfahren wir, dass die Kraft Gottes vier Begriffe oder Ausprägungen kennt. Im Kontext mit Weisheit, treffen wir auf die Begriffe «Kraft» und «Macht». Auch dem Begriff «Stärke» begegnen wir des Öfteren, darum habe ich die griechischen Begriffe und ihre Bedeutung aufgelistet:

  • dynamis (GSN1411) [δύναμις] Substantiv: Kraft, Kraft besitzen, innewohnende Kraft
  • kratos (GSN2904) [κράτος] Substantiv: Macht, mächtig mit grosser Kraft, Herrschaft
  • krataios (GSN2900) [κραταιός] Adjektiv: Macht, Halte-Kraft (zusammenhalten), Allmacht, die mächtige Kraft Gottes.
  • ischys (GSN2479) [ἰσχύς] Substantiv: Fähigkeit, Kraft, Stärke, Gewalt
  • ischyros (GSN2478) [ἰσχυρός] Adjektiv: stark, sicher, heftig, Seelenstärke, standhalten, ausführen
  • enèrgeia (GSN1753) [] Substantiv: Energie, wirksame oder arbeitende Kraft/ Stärke
  • sophia (GSN4678) [σοφία] Substantiv: Weisheit

Bei Daniel treffen wir häufig auf diese Begriffe:

  • Dan 1:4, 1:17, 2:30, 5:14 Die Weisheit von Daniel (von Gott begabt, beschenkt)
  • Dan 2:20 Die Weisheit und Macht Gottes
  • Dan 2:23 Die Weisheit und Kraft die Daniel gegeben wurde

Hiob 12,13) Bei ihm ist Weisheit und Macht, sein ist Rat und Einsicht. (ELB)

(*2) Die Bedeutung der Septuaginta (LXX) für die christliche Gemeinde, Karl-Heinz Vanheiden

12. Der geöffnete Himmel

12.1 Jakob und der offene Himmel

In 1. Mose 28 treffen wir auf eine außergewöhnliche Geschichte. Jakob bekam von seinem Vater Isaak den Segen Abrahams und flieht nun vor seinem Bruder Esau nach Haran. In der Nacht hat er einen Traum und sieht eine Leiter von der Erde bis zum Himmel.

1. Mose 28,12-19 (LUT)
12) Und ihm träumte, und siehe, eine Leiter stand auf Erden, die rührte mit der Spitze an den Himmel, und siehe, die Engel Gottes stiegen daran auf und nieder. 13) Und der HERR stand oben darauf und sprach: Ich bin der HERR, der Gott deines Vaters Abraham, und Isaaks Gott; das Land, darauf du liegst, will ich dir und deinen Nachkommen geben. 14) Und dein Geschlecht soll werden wie der Staub auf Erden, und du sollst ausgebreitet werden gegen Westen und Osten, Norden und Süden, und durch dich und deine Nachkommen sollen alle Geschlechter auf Erden gesegnet werden. 15) Und siehe, ich bin mit dir und will dich behüten, wo du hinziehst, und will dich wieder herbringen in dies Land. Denn ich will dich nicht verlassen, bis ich alles tue, was ich dir zugesagt habe. 16) Als nun Jakob von seinem Schlaf aufwachte, sprach er: Fürwahr, der HERR ist an dieser Stätte, und ich wusste es nicht! 17) Und er fürchtete sich und sprach: Wie heilig ist diese Stätte! Hier ist nichts anderes als Gottes Haus, und hier ist die Pforte des Himmels. 18) Und Jakob stand früh am Morgen auf und nahm den Stein, den er zu seinen Häupten gelegt hatte, und richtete ihn auf zu einem Steinmal und goss Öl oben darauf 19) und nannte die Stätte Bethel; vorher aber hieß die Stadt Lus.

Da spricht Gott im Traum zu Jakob und bestätigt den Bund, der schon seinem Großvater Abraham zugesprochen war. Als Jakob aufwacht ist er sehr erschrocken, über das was er erlebt hat. Als Reaktion richtet er eine Kultstätte ein und gibt dem Ort einen neuen Namen.

Betrachten wir diesen Stein etwas genauer. In den deutschen Bibelübersetzungen wird er als Steinmal oder Gedenkstein bezeichnet. Im Urtext wird der Begriff Mazzebe (hebr. massevàh) für ein Steinmal, einen Kultstein, oder einen Pfeiler verwendet. In der LXX wird der Begriff durchgehend mit STELE (Säule, Pfeiler, stehender Stein) übersetzt und kommt im AT 36-mal vor (*3). Archäologische Funde zeigen, dass diese stehenden Kultsteine 3 Meter und höher waren.

(*3) Das wissenschaftliche Bibellexikon im Internet, «Mazzebe» von Rüdiger Schmitt, 2008

Solche Kultsteine werden in Europa auch Hinkelsteine genannt und sind Teil der Megalithen Kultur. Auch in der Schweiz gibt es Kultsteine und sie fallen unter den Oberbegriff „Kraftorte“, welche von Touristik-Organisationen bestens vermarktet sind. Es verwundert mich nicht, dass auch Megalithen und sakrale Gebäude (Haus Gottes) mitunter zu den beliebtesten Plätzen zählen. Es sind oftmals kirchenferne Menschen, die solche Kraftorte aufsuchen, um „Energie“ zu tanken. Es scheint, dass diese Suche nach der Pforte zum Himmel tief in uns Menschen verwurzelt ist. Als gläubige Menschen, die dem Wort Gottes folgen, betrachten wir die für uns einzige vertrauenswürdige Pforte zum Himmel. Und diese ist im Kreuz zu finden.

12.2 Jesus und der offene Himmel

Matthäus 3,16-17 (ELB)
16) Uns als Jesus getauft war, stieg er sogleich aus dem Wasser herauf; und siehe, die Himmel wurden ihm aufgetan, und er sah den Geist Gottes wie eine Taube herniederfahren und auf ihn kommen. 17) Und siehe, eine Stimme kommt aus den Himmeln, welche spricht: Dieser ist mein geliebter Sohn, an dem ich Wohlgefallen gefunden habe.

Johannes 1,51 (KNT)
51) Dann sagte er zu ihm: Wahrlich, wahrlich, ich sage euch: Von jetzt an werdet ihr den Himmel offen sehen und die Boten (Engel) Gottes über dem Sohn des Menschen hinaufsteigen und herabsteigen.

Jesus spricht hier mit Nathanael und bezeichnet ihn als „wahrhafter Israelit“. Als wahrhafter Israelit wird Nathanael sofort klar, dass es um den Bezug zu seinem Vorfahren Jakob geht, der nach dem Engelskampf in Israel umbenannt wurde. Nathanael wird wohl die Symbolik der hinauf und herab steigenden Engel und des geöffneten Himmels verstanden haben:

Jesus ist die mobile Pforte zum Himmel.

Bis zu jenem Zeitpunkt gab es in Israel verschiedene dieser geografisch festgelegten Kult-Orte der Vorfahren. Diese Orte hatten ihre wichtige Bedeutung im kulturellen und religiösen Leben vom Volk Israel und einige wurden als Pforten zum Himmel verehrt. Die Reformation oder Transformation dieses Denkens kam mit Jesus, der nun die personifizierte «Pforte zum Himmel» ist und diese mit sich durch das ganze Land trägt.

12.3 Das Kreuz und der offene Himmel

Aus der Apostelgeschichte und den apostolischen Briefen haben ich gelernt und verstanden, dass unser erneuerter innerer Mensch Christus ebenbürtig ist. Er ist der Erstgeborene und wird sind nachfolgend aus demselben Geist geboren. Wir gehören derselben Familie an und gehorchen den gleichen Hausgesetzen. Das bringt mich nun zu dem Schluss, dass durch das Kreuz auch diese mobile Pforte zum Himmel an die gläubigen Nachfolger übertragen wurde. Jesus hat diese Himmelspforten-Fähigkeit nicht mit zurück in den Himmel genommen, sondern an seine Nachfolger übertragen. Wenn wir nun den Kreuzestod und die Auferstehung Jesu betrachten, finden wir weitere Indizien für den offenen Himmel. So zum Beispiel als der Vorhang im Tempel von oben nach unten entzweiriss.

Matthäus 28,2-4
2) Und siehe, es geschah ein großes Erdbeben; denn ein Bote des Herrn, der aus dem Himmel herabgestiegen war und herzutrat, wälzte den Stein vom Eingang fort und setzte sich darauf. 3) Sein Aussehen war hell wie der Blitz und seine Kleidung weiß wie der Schnee. 4) Aus Furcht vor ihm erbebten die Bewacher und erstarrten wie tot.

Auch hier begegnet uns wieder diese Symbolik der Himmelsleiter (ein Engel, der herabsteigt) und die Reaktion des Menschen ist «Furcht und Zittern».

12.4 Furch und Zittern beim Erscheinen der Autorität Gottes

1. Korinther 2,3-5
3) Ja ich kam in Schwachheit, in Furcht und vielem Zittern zu euch, 4) und mein Wort und meine Heroldsbotschaft bestand nicht in überredenden Worten menschlicher Weisheit, sondern in Erweisung des Geistes und der Kraft, 5) damit euer Glaube nicht in der Weisheit der Menschen, sondern in der Kraft Gottes gegründet sei.

Paulus schreibt in Vers 3, dass er in Schwachheit und mit «Furcht und Zittern» zu ihnen (den Korinther) kam. Nun kennen wir Paulus als einen hervorragenden Rhetoriker und Redner, der sich vor Auseinandersetzung und selbst vor dem Tod nicht fürchtete. Daraus folgere ich, dass «Furch und Zittern» für Paulus eine tiefere Bedeutung oder Symbolik haben muss. Denn es kann ausgeschlossen werden, dass er „ängstlich“ zu den Korinthern sprach.

  • phobos (GSN 5401) [φόβος] Substantiv: Furcht, Ehrfurcht, kann positiv oder negativ gewertet sein
  • tromos (GSN 5156) [τρόμος] Substantiv: Zittern, Beben vor Angst oder Ehrfurcht.

Im Schöpfungsbericht lesen wir, dass Gott den Menschen nach seinem Bilde schuf und ihm Herrlichkeit und Autorität über die ganze Erde und die Tiere verlieh. Bei Noah bestätigt Gott den Schöpfungsbund und bei den Tieren war «Furcht und Zittern» vor der Autorität des Menschen (1. Mo 9:2).

Nach der gewaltigen Vernichtung des ägyptischen Heeres im Schilfmeer, singen Moses und das Volk ein Loblied. Darin besingen sie wie «Furcht und Zittern» auf die Völker und Menschen kommt, wenn sie Gottes Macht erkennen (2. Mo 15:15-16).

Weitere Verwendungen (LXX-Konkordanz) im AT von «Furcht und Zittern»:

5. Mo 11:25, Hiob 4:14-15, 38:34, Ps 2:11, 48:6-7, 55:6, Jes 19:16-17, 33:14, Dan 10:7

In Epheser 6.5 fordert Paulus die Sklaven auf, ihren Herren nach dem Fleisch in «Furcht und Zittern» zu gehorchen. So wird es nun verständlich, dass Paulus seinem Herrn im Geist in «Furcht und Zittern» gehorcht, weil er die alles überragende Autorität und Macht dieses Herrn erlebt hat.

Hebräer 12,18-23 (KNT)
Denn ihr seid nicht zu einem betastbaren oder mit Feuer brennenden Berg getreten, noch zu Düsternis oder Dunkelheit, noch zu einem Wirbelsturm, weder zum Klang der Posaune noch zu einer Stimme mit Aussprüchen, der sich die Zuhörer verweigerten, damit ihnen kein weiteres Wort hinzugefügt werde. Denn sie ertrugen den Auftrag nicht: Selbst, wenn ein Wildtier den Berg antastetet, soll es gesteinigt werden. Und die Erscheinung war so furchtbar, dass Mose sagte: Ich bin voller großer Furcht und Zittern. – Doch ihr seid zum Zion herzugetreten und zur Stadt des lebendigen Gottes, dem überhimmlischen Jerusalem, und zu den zehntausend Boten, zu einer All-Zusammenkunft und zu der herausgerufenen Gemeinde der Erstgeborenen, angeschrieben in den Himmeln, und zu Gott, dem Richter aller, und zu den Geistern der vollendeten Gerechten und zu dem Mittler eines frischen Bundes, Jesus, und zu dem Blut der Besprengung, das besser spricht als das Abels.

Ich gehe nun davon aus, dass Paulus innerlich, im Geist auch vor den Berg Zion, der Stadt des lebendigen Gottes getreten ist. Dort stand er, mit «Furcht und Zittern» und in dieser Haltung brachte er den Korinthern das Wort des Kreuzes. Denn er hatte die Schlüssel Davids und konnte in der Autorität des Kreuzes die Pforte zum Himmel öffnen und in diesen Bereich eintreten. Du wirst bald mehr darüber erfahren.

Exkurs zu zwei weiteren Begriffen die Furcht oder Angst im NT beschreiben:

  • deilia (GSN1167) [δειλία]: 2.Tim 1:7 Ängstlichkeit, Verzagtheit, Furcht (negativ gewertet); «Geist der Verzagtheit» weist auf ein Geistwesen der Mutlosigkeit hin.
  • eulabeia (GSN 2124) [εὐλάβεια]: Ehrfurcht, Gottesfurcht (positiv gewertet)

13. Verwalter der Geheimnisse Gottes

13.1 Apostel und Propheten als Verwalter

13.2 Joseph als oikonomos-Verwalter des Königs

13.3 oikonomos-Verwalter und der Schlüssel Davids

13.4 Diener Christi, berufen zum Überwinden

Schlusswort und Verdankung

Ich kann mir nicht vorstellen, dass ich ohne die Unterstützung von Andrea G. Xandry diese Veröffentlichungen in der vorliegenden Form geschafft hätte. In vielen gemeinsamen Stunden des Austauschs, der Fragen, der Textüberarbeitung und der Ermutigung habe ich an Glauben, innerer Sicherheit und Stärke gewonnen. Ein herzliches Dankeschön an dich Andrea!