μ – Der Glaube

μυστήριον – Das Geheimnis vom Glauben (Rev 3)

1. Timotheus 3.8-9

Quellennachweis

Deutsche Bibelzitate: www.bibleserver.com
Konkordantes Neues Testament: KNT Konkordanter Verlag Pforzheim
Greek Strong numbers GSN: www.blueletterbible.orghttps://biblehub.com
Hebrew Strong numbers HSN: www.blueletterbible.org

Viele Erklärungen und Einsichten zum biblischen Glauben fand ich im Buch „Faith to live / Leben aus Glauben“ von Derek Prince. Bei den griechischen Wort-Übersetzungen beziehe ich mich häufig auch auf die Urtext-Perlen von Andrea G. Xandry.
Ich habe diese biblischen Erkenntnisse in meinem Leben angewandt und habe die folgenden Artikel so gestaltet, dass sich meine persönliche Lebenserfahrung und meine Einsichten darin widerspiegeln.

1. Der Glaube an Gott und sein Wort

1.1 Was verstehen wir unter dem Wort „Glauben“?

Das Wort „Glauben“ ist in unserer Umgangssprache recht geläufig und so sagen wir zum Beispiel, dass wir einer Wetterprognose Glauben schenken, oder wir glauben was das Schweizer Fernsehen berichtet hat. Unser heutiges Verständnis und die Verwendung des Wortes drücken aber nur in einem geringen Maß etwas von dem aus, was in den biblischen Schriften an Bedeutung in dem Wort steckt. Begeben wir uns nun auf den Weg herauszufinden, welche göttlichen Gedanken und Vorsehungen wir hinter dem Ausdruck „Glauben“ entdecken können. Um die Türe einen Spalt zu öffnen, kann ich hier schon eine allgemein gültige Definition abgeben:

Glaube bedeutet Vertrauen, Zutrauen, Treue, Glaubwürdigkeit.

  • pistis (GSN 4102) [πίστις] Substantiv: Definition aus Strong’s Dictionary:

Überzeugung von der Wahrheit einer Sache, Glaube; im NT eine Überzeugung oder ein Glaube in Bezug auf die Beziehung des Menschen zu Gott und göttlichen Dingen, im Allgemeinen mit der damit verbundenen Vorstellung von Vertrauen und heiliger Inbrunst, die aus dem Glauben hervorgeht und mit ihm verbunden ist.

in Bezug auf Gott:
Die Überzeugung, dass Gott existiert und der Schöpfer und Herrscher aller Dinge ist, der Versorger und Spender der ewigen Erlösung durch Christus.

in Bezug auf Christus:
eine starke und willkommene Überzeugung oder der Glaube, dass Jesus der Messias ist, durch den wir ewiges Heil im Reich Gottes erlangen.

die Glaubensüberzeugungen der Christen:
Glaube mit der vorherrschenden Idee des Vertrauens (oder der Zuversicht), sei es in Gott oder in Christus, entspringend aus dem Glauben an denselben.

Treue, Zuverlässigkeit, Beständigkeit:
der Charakter einer Person, auf die man sich verlassen kann.

Begriffswurzel von pistis:

  • peithō (GSN 3982) [πείθω] Verb: überzeugen (22x), vertrauen (8x), gehorchen (7x), Zuversicht haben (6x), glauben (3x), zuversichtlich sein (2x), Sonstiges (7x)

Im Urtext des NT kommt das Wort [PISTIS] in fünf verschiedenen Formen [EIS, EN, EPI, PROS, DIA] nahezu sechshundertmal vor. Das zeigt die Wichtigkeit dieses Begriffs im biblischen Kontext.

In unserem täglichen Leben beobachte ich, dass Vertrauen, Treue und Glaubwürdigkeit wichtige Faktoren für ein gutes Zusammenleben von uns Menschen sind. Und das bezieht sich noch nicht einmal auf Gott. Ich denke, dass die Bedeutung dieses Glaubens auch in unserem natürlichen Leben relevant ist und uns eine Sicht auf das Geistliche geben kann. Diesen Faktor kann ich anhand eines Beispiels gut aufzeigen: Wir haben in der Schweiz vor wenigen Wochen im Fall der Bank Credit Suisse CS erlebt, was es heißt, wenn das Vertrauen in eine Bank verloren geht. Da kann sich eine noch so mächtige und einflussreiche Firma innert kürzester Zeit sozusagen in Luft auflösen. Wir finden in der Geschichte immer wieder Beispiele, was passieren kann, wenn das Vertrauen in das Währungssystem eines Landes verloren geht. Da können stabile Werte, die über Jahre aufgebaut wurden, innert Stunden vernichtet werden.

1.2 Der Glaube ist ein göttliches Geheimnis

Schon in meinem Artikel über das Kreuz Jesu habe ich Bezug auf die Geheimnisse Gottes (MYSTERIEN) genommen. Denn auch der Glaube läuft unter der Kategorie der Geheimnisse. Paulus beschreibt im Brief an Timotheus den Glauben als ein Geheimnis:

1. Timotheus 3.8-9   ELB

8) Ebenso die Diakone: ehrbar, nicht doppelzüngig, nicht vielem Wein ergeben, nicht schändlichem Gewinn nachgehend, 9) die das Geheimnis des Glaubens in reinem Gewissen bewahren.

Warum schreibt Paulus von Geheimnissen? Das ist eine tiefgründige Frage und ich gehe im Vorspann jeweils auf diese Frage etwas näher ein. In kürzester Form kann ich sagen: „Gott möchte durch ein Geheimnis unsere Neugierde wecken, sodass wir uns auf die Suche machen, um den wertvollen Schatz, der sich hinter diesem Geheimnis verbirg, zu entdecken.“

2. Petrus 1.1   KNT

1) Simon Petrus, Sklave und Apostel Jesu Christi, an die, denen ein ebenso wertvoller Glaube zufiel wie uns, durch die Gerechtigkeit unseres Gottes und des Retters Jesus Christus.

  • lanchánō (GSN 2975) [λαγχάνω] Verb: losen, d. h. entscheiden (im Sinne von erhalten), insbesondere durch Los: – sein Los sei, Lose werfen, erhalten, zufallen.

Der Urtext kann von der Wortbedeutung auch so übersetzt werden: „denen ein ebenso wertvoller Glaube zugelost, zugeworfen oder zugelanzt wurde wie uns,“ Du denkst vielleicht, dass dies eine Wortspielerei ist. Mich bringen diese „ungewohnten“ Übersetzungsvariationen zum Nachdenken und ich bekomme ein starkes inneres Bild von dem was Gott in meinem Leben tut und noch tun wird. In diesem Fall stelle ich mir nun vor, dass diese wertvolle Lanze von Gott geflogen kommt, mich überrascht und ich gefordert bin, etwas mit ihr, der Glaubenslanze zu tun, sie wirksam werden zu lassen. Ganz wichtig: Ich muss diesen kostbaren Glauben nicht selbst hervorbringen, er fällt mir zu und ich darf ihn anwenden!

In diesem Kapitel habe ich zwei Begriffe beschrieben: „Geheimnis Gottes“ und „Wertvoller Glaube“. Wer diese beiden Themen in Kombination für sich entdecken darf, taucht ein in die göttliche Dimension seines Reichs.

1.3 Göttliche Geheimnisse werden geoffenbart

Epheser 3.1-5   ELB

1) Deswegen bin ich, Paulus, der Gefangene Christi Jesu für euch, die Nationen. 2) Ihr habt doch wohl von der Verwaltung der Gnade Gottes gehört, die mir im Hinblick auf euch gegeben ist. 3) Mir ist durch Offenbarung das Geheimnis kundgetan worden – 4) wie ich es oben kurz geschrieben habe, beim Lesen könnt ihr meine Einsicht in das Geheimnis des Christus merken-, 5) das in anderen Geschlechtern den Söhnen der Menschen nicht kundgetan, wie es jetzt seinen heiligen Aposteln und Propheten durch den Geist geoffenbart worden ist.

Hier wie auch im Kolosser 4.4 schreibt Paulus über das Geheimnis des Christus. Was ich nun aber herausgehoben habe ist die Tatsache, dass ein Geheimnis Gottes durch den Geist Gottes in unserem Herzen geoffenbart werden soll. Du kannst wohl intellektuell und mit dem Verstand etwas über den Glauben erlernen, es braucht aber zwingend die Geistesoffenbarung, den Funken Gottes in deinem Herzen, damit das Geheimnis des Glaubens in deinem Leben wirksam wird und seine Kraft entfalten kann. Anderenfalls ist es Wissen über Gott, welches kein Leben in sich trägt.

Wissen über Gott, ohne ihn persönlich zu kennen, ihn erfahren zu haben ist nutzlos, weil du im Wissen allein nicht das Leben aus Christus findest.

Darum strecke dich auf der Suche nach Jesus und seinen Geheimnissen aus tiefstem Herzen nach IHM aus.

1.4 Das Wesen und der Charakter Gottes

Der Glaube schenkt uns Zugang zu Gottes Gegenwart, zu seinem Wesen und zu seinem unerschöpflichen Reichtum und seinen Möglichkeiten. Die Bibel beschreibt uns das Wesen Gottes in vielen Facetten und dass er die Gemeinschaft mit uns Menschen sucht. Es ist sein tiefster Wunsch und sein Plan, dass wir ihn kennenlernen sollen. Er offenbart sich uns persönlich und wir dürfen immer wieder neue Erfahrungen und Begegnungen mit ihm erleben und dennoch übersteigt es meine Vorstellungskraft ihn in seiner Größe zu erfassen.

Ich kann hier einige Wesensmerkmale aufzählen, wie ich mir sein Wesen vorstelle: Er ist…

  • das Licht
  • ein verzehrendes Feuer
  • die reine Liebe
  • das Leben
  • das Wort
  • der Geist

Noch tiefer in die Beziehungsebene geht es, wenn ich mir Gedanken über seine Charaktermerkmale mache, die da sind:

  • Güte und Gnade
  • Barmherzigkeit und Liebe
  • Treue und absolute Zuverlässigkeit
  • Ein Bündnispartner, der immer zu seinen Abmachungen steht

Auch in den Charaktermerkmalen Gottes treffe ich wieder auf diese Treue und Glaubwürdigkeit die das Eigenschaftswort [PISTOS – glaubwürdig, treu] ausdrückt. Glaube zeigt sich wie ein roter Faden, der in der Beziehung mit Gott immer wieder einen ganz zentralen Platz einnimmt.

  • pistos  (GSN 4103) [πιστός] Adjektiv: objektiv = vertrauenswürdig; subjektiv = vertrauensvoll: glauben (Gläubiger), treu (treu sein), sicher, wahrhaftig
1.5 Zugang zur Himmelswelt durch Glauben

Epheser 1.3   ELB

3) Gepriesen sei der Gott und Vater unseres Herrn Jesus Christus! Er hat uns gesegnet mit JEDER geistlichen Segnung in der Himmelswelt in Christus,

Wenn ich etwas über diese geistliche Segnung – die Gott für mich und dich vorbereitet hat – erfahren will, bin ich gemäß dieser Bibelstelle herausgefordert, mehr über die unsichtbare Himmelswelt zu erfahren und sie kennen zu lernen. Der Zugang zu dieser Welt finde ich allerdings nur durch GLAUBEN. Dies wird von Paulus in Eph. 3.12 erklärt.

Epheser 2.6   ELB

6) Er hat uns mitauferweckt und MITSITZEN lassen in der Himmelswelt in Christus Jesus,

Epheser 3.19b   ELB

19b) damit ihr erfüllt werdet zur GANZEN Fülle Gottes.

Epheser 3.12   ELB

12) In Ihm haben wir Freimütigkeit und ZUGANG in Zuversicht durch den GLAUBEN an ihn.

Welch wunderbare Zusagen und Verheißungen finden wir hier im Epheserbrief! In Christus finden wir wieder hinein, in die Gemeinschaft mit Gott. Alles was Christus gehört, gehört nun auch uns und dort, wo er sich aufhält, dürfen auch wir uns aufhalten. Eine umfassende Identifikation mit Christus findet hier statt. Der Zugang zu dieser unsichtbareren und ewigen Himmelswelt erfordert von unserer Seite einen Wesenszug, eine Einstellung oder man kann das auch Handlung bezeichnen: den Glauben.

1.6 Alles ist dem möglich, der glaubt

Im letzten Kapitel habe ich über Gottes Wesen geschrieben, weil Glaube (Vertrauen, Zutrauen, Treue) sehr viel mit seinem Wesen zu tun hat. Einerseits spiegelt er uns Gottes Wesen und andererseits verschafft er uns Zugang zu Gott durch Jesus. Weil gerade der Glaube mit Gottes Wesen und Handeln zu tun hat, kann Glaube keine „christliche Leistung“ sein, was wir fälschlicherweise schnell denken könnten. Glauben wird uns geschenkt und er wächst in unserem Herzen zu einem wertvollen Gut.

Matthäus 19.26   KNT

26) Da blickte Jesus sie an und sagte zu ihnen: „Bei den Menschen ist dies unmöglich, doch bei Gott sind alle Dinge möglich.“

Markus 9.23   KNT

23) Jesus aber sagte ihm: „Warum das Wenn? Du kannst doch Glauben! Alles ist dem möglich, der glaubt.“

Jede dieser Aussagen enthält die Worte „alles“ bzw. „alle Dinge“. In der ersten ist sie auf Gott angewandt, in der zweiten auf den, der glaubt.

Wir können der ersten Aussage, welche sich auf Gott bezieht, vollumfänglich zustimmen. Können wir aber der zweiten Aussage, wo es um mich, den Glaubenden geht, ebenfalls vollumfänglich zustimmen?

Die Schlüsselworte, welche die beiden Verse in eine Relation zueinander bringt, sind: „bei Gott“. Denn je tiefer meine Beziehung zu ihm ist und je „näher“ mein Leben zu ihm verläuft, umso mehr wird mein Glaube aus ihm genährt und dieser substanzielle Glaube macht dann Dinge möglich!

In den folgenden Kapiteln werde ich verschiedene Aspekte des biblischen Glaubens zeigen und auch ganz praktische Wege zeigen, wie wir in diese Realität des Glaubens hineinwachsen dürfen.

Glauben und Sehen

Geprägt durch unser natürliches Umfeld wollen wir zuerst sehen und dann glauben. In Gottes Realität sollen wir glauben und dann werden wir sehen. Eine erste Herausforderung.

Glaube und Hoffnung

Wie definieren wir die Begriffe Glaube und Hoffnung und was unterscheidet sie?

Glaube als Geistesgabe

Wie bekommen wir Anteil an Gottes Fähigkeit zu glauben.

Glaube als Geistesfrucht

Wie bekommen wir Anteil an Gottes Wesen von Vertrauen, Zutrauen und Treue.

Aus Glauben leben  

Rechtfertigung durch Glauben

2. Glauben und Sehen

2.1 Der Glaube kommt vor dem Schauen

2. Korinther 5.7   KNT

7) Denn wir wandeln hier durch Glauben und nicht durch Wahrnehmung.

  • eidos (GSN 1491) [εἶδος] Substantiv: Form (wörtlich oder im übertragenen Sinne):
    das äußere oder äußerliche Erscheinungsbild, Aussehen, Art, Gestalt, Anblick.

Im Urtext wird das Wort [eidos] für Wahrnehmung verwendet, welches in anderen Übersetzungen mit „Schauen“ übersetzt wird. Man kann dies auch mit der Wahrnehmung unserer Sinne auslegen.

Unsere natürlichen Sinne können durchaus auch als geistliche Sinne wirken.

Wenn Gottes Geist unseren Geist erweckt hat, können und sollen wir unsere geistlichen Sinne trainieren und stärken. Sie geben uns die notwendige Orientierung, um uns in seinem Königreich zu bewegen.
.

Johannes 11.40   KNT

40) Jesus entgegnete ihr (Martha, Schwester von Lazarus): „Habe ich dir nicht gesagt, dass, wenn du glaubst, du die Herrlichkeit Gottes sehen wirst?“

Was Jesus hier lehrt entspricht nicht unserer natürlichen Gewohnheit (sehen und dann glauben) und muss daher zum Aufbau unseres neuen, inneren Geist-Menschen trainiert werden. Jesus hat uns seine Herrlichkeit gegeben, wir werden sie aber erst sehen, wenn wir geglaubt haben.

Wenn wir im Schauen wandeln, dann brauchen wir keinen Glauben, wenn wir im Glauben wandeln, brauchen wir nicht zu sehen. Das eine schließt das andere aus.

2.2 Das Unsichtbare sehen

Hebräer 11.27   KNT

27) Durch Glauben verließ er Ägypten und fürchtete die Wut des Königs nicht; denn er hielt standhaft aus, als sähe er den Unsichtbaren.

Hier entdecken wir noch einen weiteren Aspekt: Der Glaube befähigt uns, das Unsichtbare, zu „sehen“.

Was ich gelernt habe, ist den inneren Eindrücken und seinen Worten zu Vertrauen (zu glauben), welche mich geistlich leiten. Wie eine sehbehinderte Person Fähigkeiten entwickelt, sich in der Welt ohne Augenlicht zurechtzufinden, kann ich durch Vertrauen Fähigkeiten entwickeln, mich in der geistlichen Welt zu bewegen. Ich war eine längere Zeit mit einer blinden Person unterwegs und ich war fasziniert, wie dieser Mensch seine verbleibenden Sinne trainiert und geschärft hatte. Er konnte Dinge wahrnehmen, wie ich es nie für möglich gehalten hätte. Gott hat uns eine Vorstellungskraft gegeben, damit wir sie nutzen, damit wir durch Glauben in das Unsichtbare „hineinsehen“ können.

2. Korinther 4.16-18   ELB

Deshalb ermatten wir nicht, sondern wenn auch unser äußerer Mensch aufgerieben wird, so wird doch der innere Tag für Tag erneuert. Denn das schnell vorübergehende Leichte der Drangsal bewirkt uns ein über die Massen überreiches, ewiges Gewicht von Herrlichkeit, da wir nicht das Sichtbare anschauen, sondern das Unsichtbare; denn das sichtbare ist zeitliche, das Unsichtbare aber ewig.

2. Korinther 4.16-18   KNT

Darum sind wir nicht entmutigt; sondern wenn auch unser äußerer Mensch verdirbt, so wird doch unser innerer Mensch Tag für Tag erneuert. Denn das augenblickliche Leichte unserer Drangsal bewirkt für uns eine alles überragende und zum Überragenden führenden äonischen Gewichtigkeit der Herrlichkeit, da wir nicht auf das Unsere achten, was erblickt wird, sondern auf das, was man nicht erblickt. Denn was erblickt wird, ist kurz befristet; aber was man nicht erblickt, ist äonisch.

Dieser Vers ist in zwei Hinsichten interessant. Einerseits wird der äußere, natürliche Mensch dem inneren geistlichen Menschen gegenübergestellt. Als Pendant dazu bewegt sich der äußere Mensch im sichtbaren, zeitlich begrenzten Umfeld. Dagegen der innere Mensch im unsichtbaren Umfeld, welches äonischen Bestand haben wird.

Als zweiter Aspekt treffen wir hier auf ein Paradox: Denn wir sollen das Unsichtbare anschauen. Wie soll das funktionieren? Durch unsere Vorstellungskraft und durch Glauben!

Der natürliche Mensch verlässt sich auf seine natürlichen Sinnesorgane. Der geistliche Mensch verlässt sich auf seine geistliche Wahrnehmung und Gaben.

2.3 Zusammenfassung

Wir befinden uns zwischen zwei Welten, die vergängliche und die unvergängliche. In der vergänglichen, unbeständigen Welt finden wir uns mit unseren natürlichen Sinnen zurecht. Durch unsere geistliche Geburt wurden wir befähigt, uns auch in der äonischen, beständigen Welt zu bewegen. Diese Welt ist geistlich und wir kennen sie am Anfang noch nicht. Schritt für Schritt lernen wir durch Glaubensprozesse, diese unbekannte Welt wahrzunehmen und mit unseren inneren Augen des Herzens zu „sehen“. Der Lernprozess läuft nach der Reihenfolge vertrauen und dann sehen.

3. Glauben und Hoffnung

3.1 Die Definition von Glauben

Hebräer 11.1   ELB

1) Der Glaube ist eine Verwirklichung/Grundlage [HYPOSTASIS] dessen, was man hofft, ein Überführt-sein von Dingen, die man nicht sieht.

Hebräer 11.1   KNT

1) Der Glaube ist die zuversichtliche Annahme [HYPOSTASIS] dessen, was man erwartet, ein Überführtsein von Tatsachen, die man nicht erblickt.

  • hypostasis (GSN 5287) [ὑπόστασις] Substantiv: Definition gemäss Lexikon:

Eine Einstellung oder Platzierung unter; etwas, das unterlegt ist, Unterbau, Fundament.
Etwas, das ein Fundament hat, fest ist; etwas, das tatsächlich existiert.
     Eine Substanz, ein reales Wesen Die wesentliche Eigenschaft, Natur einer Person oder Sache.
Die Standhaftigkeit des Geistes, Festigkeit, Mut, Entschlossenheit
     Zuversicht, festes Vertrauen, Gewissheit
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Hinter dem Wort Annahme oder Grundlage steckt das griechische Wort [HYPOSTASIS], was den gleichen Wortstamm hat wie z.B. Hypothek. Und tatsächlich vergibt eine Bank eine Hypothek erst, wenn ein Grundstück oder Haus, also eine solide Basis, vorhanden ist.

So wird dann im Lexikon [HYPOSTASIS] mit Substanz, Grundlage oder Wesen erklärt. Man kann auch sagen: „Das, was sich unter etwas befindet“ oder „Die Basis für etwas anderes abgibt“.

Der Glaube ist also Substanz, eine Grundlage, die bereits vorhanden ist. Die Erwartung/ Hoffnung (in die Zukunft gerichtet) baut dann auf dieser Substanz auf. Glaube wirkt in der Gegenwart, im Hier und Jetzt und ist eine Substanz, auf der etwas aufgebaut werden kann.

Hebräer 11.3   ELB

3) Durch Glauben verstehen wir, dass die Welt durch Gottes Wort [RHEMA] bereitet worden ist, so dass das Sichtbare nicht aus Erscheinendem geworden ist (nicht aus Sichtbarem geschaffen wurde).

Auch hier treffen wir wieder auf die Abgrenzung zwischen dem Sichtbaren und dem Unsichtbaren. Zuerst war der Glaube und dann wurde das Sichtbare! Ein sehr wichtiger Aspekt, der hier erwähnt wird, ist das machtvolle, rechtmäßig ausgesprochene Wort Gottes. Das werden wir uns später, im Praxisteil noch näher anschauen

3.2 Der Glaube hat seinen Ursprung im Herzen

Römer 10.10   ELB

10) Denn mit dem Herzen wird geglaubt zur Gerechtigkeit, und mit dem Mund wird bekannt zum Heil.

Ein guter Bruder und Kollege von mir bringt immer wieder mal diesen Spruch: „Das wahre Wesen eines Gläubigen erkennst du an seiner Reaktion. Gleich wie eine Senftube, wenn du drauf-drückst, siehst du, ob Senf rauskommt. Wenn der Gläubige unter Druck gerät, siehst du, ob Glaube und Liebe aus ihm herauskommt.“

Das Vertrauen/Zutrauen im biblischen Verständnis hat seinen Ursprung im Herzen. Glaube ist der Unterbau, und spiegelt das Wesen unseres Herzens. Andererseits kommt das „für wahrhalten“ aus unseren Gedanken, aus dem Kopf und diesen Unterschied müssen wir uns im biblischen Sinne klar vor Augen halten! Oft meinen wir, wenn wir etwas nur genug intensiv „Erwarten“ und dies auch aussprechen, dann wäre das Glaube, aufgrund dessen Gott reagieren würde. Aber das ist einTrugschluss, denn dieses kommt der biblischen Hoffnung viel näher, welche sich ebenfalls an den Verheißungen der Bibel orientiert.

1. Thessalonicher 5.8   ELB

8) Wir aber, sind dem Tag gehörend, wollen nüchtern sein, angetan mit dem Brustpanzer des Glaubens und der Liebe und als Helm mit der Hoffnung des Heils.

Die Bibel ordnet Glaube und Liebe dem Herzen zu und diese beiden sollen das Herz schützen. Das Herz steht für unser wahres Wesen, für unsere Entscheidungen und unsere Beziehungsfähigkeit. Unser Herz und was daraus hervorkommt bestimmt letztendlich unseren Lebenslauf und die Qualität unserer Beziehungen.

Epheser 3.17

17) Damit Christus durch den Glauben völlig in euren Herzen wohne [KATOIKEO] und ihr, in Liebe gewurzelt und gegründet, erstarken möget,

  • katoikeō (GSN 2730) [κατοικέω] Verb: Definition gemäss Lexikon:

Wohnen, sich niederlassen: Man sagt, dass göttliche Kräfte, Einflüsse usw. in seiner Seele wohnen, sie durchdringen, antreiben und lenken.
In etwas wohnen, etwas bewohnen: Man sagt, dass Gott im Tempel wohnt, d. h. für die Gläubigen immer gegenwärtig ist.
Dauerhaft beherbergen.

Die deutsche Sprache bietet leider nicht dieselben Intensivierungen wie der griechische Urtext, um das auszudrücken, was Paulus hier niedergeschrieben hat: Christus soll durch den Glauben vollends, durch und durch in meinem Herzen Wohnung nehmen. Auch hier hat der Glauben maßgebend damit zu tun, was in unser Herz kommen soll und was in der Folge auch wieder aus ihm hervor geht.

3.3 Die Hoffnung sollten wir nicht vernachlässigen

1 Thessalonicher 5.8   ELB

8) Wir aber, sind dem Tag gehörend, wollen nüchtern sein, angetan mit dem Brustpanzer des Glaubens und der Liebe und als Helm mit der Hoffnung des Heils.

1 Thessalonicher 5.8   KNT

8) Da wir aber Söhne des Tages sind, lasst uns aber nüchtern sein und den Panzer des Glaubens und der Liebe anziehen, samt dem Helm, welcher die Erwartung der Rettung ist:

Die „Hoffnung des Heils“ oder „Erwartung der Rettung“ schützt unsere Gedanken (Der Helm schützt den Kopf), sie macht uns zu optimistischen Menschen, weil uns alle Dinge zum Besten dienen werden! Diese Art von christlichem Optimismus ist nichts Phantastisches oder Unrealistisches. Es ist kein Wunschdenken, sondern gründet sich auf den Aussagen der Bibel. Wir sollten die Hoffnung in Bezug zum Glauben auch nicht geringachten, denn es ist sehr wichtig, dass unsere Gedanken eine positive Ausrichtung behalten.

Hebräer 11.1   KNT

1) Der Glaube ist die zuversichtliche Annahme dessen, was man erwartet [ELPIZO], ein Überführtsein von Tatsachen, die man nicht erblickt.

  • elpizō (GSN 1679) [ἐλπίζω] Verb: hoffen, hoffnungsvoll vertrauen, erwarten, etwas wollen
  • elpis (GSN 1680) [ἐλπίς] Substantiv: Erwartung des Guten, Hoffnung, freudige und zuversichtliche Erwartung der ewigen Erlösung

Für die biblische Hoffnung wird [ELPIS] verwendet, sie gründet auf den Verheißungen Gottes und wird darum, auch wenn diese Hoffnung sterben sollte*, wieder auferstehen.

*bezugnehmend auf das Sprichwort: „Die Hoffnung stirbt zuletzt“

3.4 Der Glaube agiert in der Gegenwart

Hoffnung bezieht sich auf die Zukunft, wogegen Glaube immer in der Gegenwart wirkt. Auch über diesen Aspekt können wir prüfen, ob wir uns nun im Bereich des Glaubens oder im Bereich der Hoffnung bewegen. Glaube ist im Hier und Jetzt, das was du im Herzen trägst, das was du schon erhalten hast. Die Hoffnung ist die Zuversicht für morgen. Lass dich im Gebet nicht täuschen oder enttäuschen, wenn du das eine mit dem anderen verwechselst. Beide Dinge haben ihren Platz und sind nicht ersetzbar im christlichen Leben, doch ihre Wirkungsweise unterscheidet sie. Darum ist es auch sehr wichtig, dass ich in meinen Gebeten nicht nur bitte, sondern lerne zu empfangen. Denn erst wenn du weißt, dass du im Glauben empfangen hast, wirst du die Gebetserhörung auch im Sichtbaren sehen.

3.5 Der Glaube führt in die Ruhe Gottes

Hebräer 4.2-3   KNT

2b) Jedoch hat das Wort der Kunde jenen nicht genützt, weil es bei den Zuhörern nicht mit dem Glauben vermengt war; 3) wir nun die glauben, gehen in das Feiern (in die Ruhe) ein, so wie Er versichert hat: …

  • katapausis (GSN 2663) [κατάπαυσις] Substantiv: sich niederlegen, d. h. (im Hebräischen) verweilen, Ruhe, feiern, von der Arbeit aufhören «herab-aufhören»
  • katapauō (GSN 2664) [καταπαύω] Verb: sich niederlassen, d. h. (wörtlich) sich ansiedeln, aufhören, Ruhe geben

Elberfelder übersetzt es mit „in die Ruhe eingehen“ (Sabbatruhe). „Wir nun die glauben“ steht in der Form medium, was auch wieder darauf hinweist, dass nicht wir diesen Glauben hervorbringen, sondern dass der Glaube in uns „wird“.

3.6 Zusammenfassung

Glaube und Erwartung (Hoffnung) stehen eng zusammen und beeinflussen sich gegenseitig. Trotzdem müssen wir sie klar auseinanderhalten:

  • Hoffnung hilft unseren Gedanken und basiert auf dem gesamten Wort Gottes, welches wir studieren dürfen. Daraus wissen wir, was Gott alles tun kann. Es ist das, was wir auch mit unserem Willen erreichen wollen.
    „Hoffnung ist ein Wissen, dass Gott es tun kann.“
  • Glauben hilft unserem Herz und basiert auf dem machtvollen, rechtmäßig zugesprochenen Wort Gottes, welches eine Gewissheit in unserem Herzen hervorbringt, sodass wir „sehen“, was Gott konkret tun wird.
    „Glauben ist eine Gewissheit, dass Gott es tut oder schon getan hat.“

4. Glaube als Gabe

4.1 Die Gaben des Geistes

1 Korinther 12,7-11   KNT

7) Jedem einzelnen aber wird die Offenbarung des Geistes gegeben, damit sie förderlich sei. 8) So wird dem einen durch den Geist ein Wort der Weisheit gegeben, dem anderen ein Wort der Erkenntnis nach demselben Geist, 9) einem anderen Glauben in demselben Geist, einem anderen Gnadengaben des Heilens in dem einen Geist, 10) einem anderen Kraftwirkungen, um Machttaten zu vollbringen, einem anderen Prophetenworte, einem anderen die Unterscheidung der Geister, einem anderen mancherlei Arten von Zungenreden, einem anderen die Übersetzung (Interpretation) der Zungenreden. 11) Dies alles nun wirkt ein und derselbe Geist, der einem jeden die eigene Gnadengabe zuteilt, so wie es sein Beschluss ist.

  • phanerōsis (GSN 5321) [φανέρωσις] Substantiv: Manifestation, Erscheinung, Offenbarung.

Das Schlüsselwort, welches das Besondere dieser Gaben erklärt, ist „Offenbarung“. Ich persönlich mag das Wort „Manifestation“ als mögliche Übersetzungsvariante. Der Geist Gottes, welcher unsichtbar im Gläubigen wohnt, manifestiert sich durch diese Geistesgaben und wird so für den Gläubigen und die Menschen, die um ihn sind, erfahrbar. Die Manifestation wird für die Sinne erkennbar, man kann sie sehen, hören oder fühlen.

Im Vers 9 wird die Gabe des Glaubens beschrieben. Diese Form des Glaubens wird durch die souveräne und übernatürliche Manifestation des Heiligen Geistes gewirkt. Es ist göttlicher Glaube, der für einen Moment in uns wirkt. Ein Glaube von dieser Gott-gewirkten Qualität wird auch noch an anderen Stellen der Bibel beschrieben.

4.2 Habt Gottes Glauben

Markus 11.21-22   KNT

21) Petrus erinnerte sich daran und sagte zu Ihm: “Rabbi, siehe der Feigenbaum, den Du verflucht hast, ist verdorrt!“ 22) Da antwortete Jesus ihnen: „Habt Glauben an Gott! 23) Wahrlich ich sage euch: Wer auch immer zu diesem Berg sagen sollte: Hebe dich empor und wirf dich ins Meer – und in seinem Herzen nicht zweifelt, sondern glaubt, dass das, was er spricht, auch geschieht, dem wird zuteilwerden, was auch immer er sagen sollte.

Urtext: ἔχετε (G2192) πίστιν (G4102) θεοῦ (G2316)

Das Beispiel mit dem Berg, welches Jesus hier verwendet zeigt, dass dies für einen durchschnittlichen Gläubigen wie du und ich zwei Schuhnummer zu groß ist. Das zeigt mir, dass der griechische Urtext „Habt Glauben Gott“ besser mit „Habt den Glauben Gottes“ oder „Habt Gottes Glauben“ wiedergegeben werden könnte.

Das würde dann für mich Sinn machen, wenn wir von der Gabe des Glaubens sprechen. Für einen Moment wirkt dann Gottes Glauben durch uns und der kann tatsächlich Berge versetzten. Gottes Glaube hat die ganze Schöpfung inklusive aller Berge erschaffen. Oder ich könnte auch sagen: Aus dem nicht sichtbaren in die Existenz gerufen. Mit der Gabe des Glaubens gibt Gott uns in übernatürlicher Weise Anteil an seiner Glaubensfähigkeit.

4.3 Qualität, nicht Quantität

Matthäus 17.19-21   KNT

19) Dann traten die Jünger zu Jesus, als sie für sich alleine waren, und fragten: „Weshalb konnten wir ihn nicht austreiben?“ 20) Er antwortete ihnen: „Wegen eures Kleinglaubens! Denn wahrlich ich sage euch: 21) Wenn ihr Glauben wie ein Senfkorn habt, werdet ihr diesem Berg gebieten: Geh von hier dorthin weiter! Und er wird weitergehen, und nichts wird euch unmöglich sein.

Jesus lehrt uns in Math. 13.32, dass das Senfkorn der kleinste Samen ist, aber wenn er dann wächst, zu einem Baum wird. Wieder auf den Glauben bezogen bedeutet das, dass nicht die Größe deines Glaubens entscheidend ist, sondern die Qualität. Ein Senfkorn von dieser Art Glauben reicht aus, um gewaltiges zu bewirken.

Durch die Gabe des Glaubens werden wir zu einem Kanal für diesen qualitativ hochwertigen Glauben Gottes.

Psalm 33.6/9

6) Durch des HERRN Wort sind die Himmel gemacht und all ihr Heer durch den Hauch seines Mundes.

9) Denn er sprach und es geschah, er gebot, und es stand da.

Die ursprüngliche Struktur dieses Glaubens findet sich schon im Schöpfungsakt selbst. Durch den Glauben an Sein eigenes Wort rief Gott das Universum ins Dasein. Wenn Sein Glauben durch uns wirkt, sprechen wir das Wort Gottes an Seiner Stelle aus und es wirkt genauso, wie wenn Gott selbst dieses Wort ausgesprochen hätte.

Oftmals werden im Gebet ausgesprochene prophetische Worte zum Träger der Gabe des Glaubens.

Jakobus 5.14-15   KNT

14) Ist jemand unter euch krank und schwach, so lasse er die Ältesten der herausgerufenen Gemeinde rufen; sie sollen über ihm beten und ihn im Namen des Herrn mit Öl einreiben, 15) und das Gelübde [EUCHE] des Glaubens wird den Wankenden retten.

  • euchē (GSN 2171) [εὐχή] Substantiv: ein Wunsch, ausgedrückt als Bitte an Gott oder als Gelübde: Gebet, Gelübde.

Jakobus hatte keinen Zweifel, dass dieses im Glauben ausgesprochene Wort (Gelübde) seine Wirkung zeigen wird.

4.4 Zusammenfassung

Die Gabe des Glaubens ist eine der neuen Gaben des Heiligen Geistes, die Paulus in 1. Korinther 12,7-11 nennt. Jede dieser Gaben ist eine übernatürliche Manifestation des Heiligen Geistes, der in dem Gläubigen wohnt und durch ihn wirkt.

Durch die Gabe des Glaubens gibt der Heilige Geist dem Gläubigen zeitweise Anteil an Gottes eigenem Glauben. Dieser ist ein Glaube auf göttlicher Ebene, der weit über dem menschlichen steht. Nicht auf die Quantität kommt es dabei an, sondern auf die Qualität. Ein „Senfkorn“ dieser Art von Glauben reicht aus, um einen Berg zu versetzen. Oft, aber nicht ausschließlich, wirkt die Gabe des Glaubens durch ein gesprochenes Wort. Solch ein Wort kann im Gebet geäußert werden. Auf Grund dieser Gabe ließ Jesus innerhalb von 24 Stunden einen Feigenbaum verdorren, brachte auf dem See einen Sturm zum Schweigen, trieb einen bösen Geist aus einem epileptischen Jungen aus, rief Lazarus aus seinem Grab und wandelte auf den stürmischen Wogen des Wassers.

Gott hat uns Menschen ein Verlangen nach Ausübung dieser Art von Glauben gegeben. Wenn wir daher eben dies tun und dann auch manchmal scheitern oder zu übermütig vorgehen, weist Er uns nicht zurecht. Vielmehr ist er eher enttäuscht, wenn wir diesen Glauben zu schnell wieder aufgeben. Jesus selbst und auch später seine Apostel haben immer wieder Ausschau gehalten nach Menschen, die diesen glauben in sich tragen. Wie beim Wirken Jesu soll jedoch die Initiative immer bei Gott bleiben. Die Gabe des Glaubens kann als Katalysator für die verwandten Gaben der Heilung und des Wunderwirkens dienen.

5. Glaube als Frucht

5.1 Früchte und Gaben

Galater 5.22   KNT

22) Die Frucht aber des Geistes ist Liebe, Freude, Friede, Geduld, Milde, Gutheit, Treue, Sanftmut, Selbstzucht.

Das griechische Substantiv [PISTIS] wird im Kontext der Geistesfrucht von den Übersetzern oftmals mit Treue, Aufrichtigkeit, Vertrauen, Glaubwürdig übersetzt. So wird doch derselbe urtextliche Begriff wie bei den Geistesgaben verwendet.

Das bringt mich zum Schluss, dass die Eigenschaft des Glaubens sowohl in Gottes Wesen wie auch in seinen Fähigkeiten und in seinem Handeln gegründet ist. Durch Christus Jesus sind wir eine Neuschöpfung und bekommen nun Anteil an seinem Wesen.

Den Unterschied zwischen Früchten und Gaben kann man sehr schön an einem Weihnachtsbaum und einem Apfelbaum darstellen.

Der Apfelbaum trägt Früchte und du kannst aufgrund der Äpfel sehr gute Rückschlüsse auf den Baum ziehen. Ist der Baum in einer guten Verfassung, wird er auch gute Frucht hervorbringen. Oder es kann dann auch das Gegenteil eintreten (Matthäus 7.17-20). Damit ein Baum bestmögliche Früchte tragt, muss er kultiviert werden. Das erfordert Zeit, Geschick und Arbeit.

An den Weihnachtsbaum werden „Gaben“ gehängt, die in keiner direkten Beziehung zum Baum stehen. Sie werden in einer kurzen Handlung an den Baum gehängt und dann wieder entfernt. Aufgrund der Gaben kannst du fast keine Rückschlüsse auf den Baum ziehen, der sie trägt.

Die Gaben bringen eine Fähigkeit, und die Frucht bringt den Charakter zum Ausdruck.

Nun könnte man sich fragen, was denn wichtiger ist. Auf lange Sicht ist es sicherlich der Charakter. Die Gaben werden wir einmal weglegen, aber unser Charakter wird immer Teil von uns sein. Nun sagt Paulus, dass wir uns auch nach den Gaben ausstrecken sollen. Das eine braucht das andere. Diese Ergänzung von Gaben und Charakter zeigt uns das Leben von Jesus sehr deutlich. Wir sind berufen seinem Beispiel zu folgen und die Herrlichkeit, die er uns gegeben hat, in die Welt zu tragen. Dazu braucht es Gaben und Charakter.

Ein Freund von mir benutzt das Bild einer Taube, um dies zu illustrieren. Zum Fliegen benötigt die Taube beidseitig neun Schwungfedern, sind es weniger, so ist die Taube flugunfähig. So benötigen auch wir in der Gemeinde Jesu diese Ausgewogenheit, damit wir „fliegen“ können.

5.2 Die Tugenden Gottes annehmen

Hauptsächlich In den Petrus-Briefen treffen wir auf den Ausdruck [ARETE], welcher vorwiegend mit „Tugend“ ins Deutsche übersetzt wird.

1.Petrus 2.9   KNT

9) Ihr aber seid ein auserwähltes Geschlecht, ein „königliches Priestertum“ eine „heilige Nation“, ein Volk ihm zur Aneignung, damit ihr die Tugenden dessen verkündigt, der euch aus der Finsternis zu Seinem erstaunlichen Licht berufen hat,

2. Petrus 1.3-4   KNT

3) Seine göttliche Kraft hat uns nun alles, was zum Leben und zur Frömmigkeit dient, durch die Erkenntnis dessen geschenkt, der uns zu Seiner Herrlichkeit und Tugend berufen hat. 4) Durch sie wurden uns die kostbaren und größten Verheißungen geschenkt, damit ihr durch diese Teilnehmer der göttlichen Natur werdet und dem Verderben entflieht, das infolge der Begierde in der Welt ist.

  • aretē (GSN 703) [ἀρετή] Substantiv: Bedeutung gemäss Lexikon:

Ein tugendhafter Gedankengang, ein tugendhaftes Gefühl und Handeln. Tugend, moralische Güte.

Jede besondere moralische Vorzüglichkeit, wie Bescheidenheit, Reinheit.

In gewissen Sinne «Männlichkeit» (Tapferkeit), d. h. Vorzüglichkeit (intrinsisch oder zugeschrieben): Lob, Tugend.

Im Vers 5 werden wir dann aufgefordert, mit allem Fleiß „in unserem Glauben die Tugend darzureichen“. Dieser Begriff der „Tugend“ umfasste eine Vielzahl von hervorragenden Charaktereigenschaften die uns Menschen als Ideal leiten und für Gottes Wesen zutreffend sind. Es ist eine geistliche Energie, die eine Energie unseres Willens hervorbringt, die uns Menschen Anteil an dem göttlichen Wesen schenkt. Ich erkenne in diesen Worten von Petrus eine klare Parallele zu der Frucht des Geistes wie Paulus sie beschreibt.

5.3 Zusammenfassung

Frucht des Geistes und Geistesgaben unterscheiden sich in zwei wesentlichen Hinsichten: Zum einen kann eine Geistesgabe durch einen einmaligen kurzen Akt verliehen und empfangen werden; Frucht hingegen muss in einem stetigen Prozess zum Reifen gebracht werden, was Zeit, Erfahrung und Arbeit erfordert. Zum anderen stehen Gaben in keinem direkten Verhältnis zum Charakter derer, die sie ausüben; Frucht aber ist ein Ausdruck des Charakters, des Wesens. Im Idealfall sollten sich Frucht und Gaben gegenseitig ergänzen und eine solche Verbindung eingehen, die Gott verherrlicht und der Menschheit dienlich ist.

Als Frucht kann Glaube auf zwei unterschiedliche aber doch miteinander verbundene Weisen verstanden werden: Als Vertrauen und Vertrauenswürdigkeit.

Vertrauen manifestiert sich in Stabilität. Gott zeigt uns Seine Verlässlichkeit in der Erfüllung Seiner Bundesverpflichtungen uns gegenüber, die weit über das hinausgehen, was wir verdient haben oder für uns erbitten können. Sie macht uns ihrerseits zu solchen Menschen, die willens und fähig sind, die Bundesverpflichtungen mit Gott und Mitmenschen einzugehen und aufrechtzuerhalten.

6. Aus Glauben leben

6.1 Eine zentrale Botschaft des Evangeliums

Das prophetische Wort, welches zentral für die neutestamentliche, christliche Botschaft steht, sprach der Prophet Habakuk rund sechs Jahrhunderte vor unserer Zeitrechnung aus:

Habakuk 2.4   ELB       Der Gerechte aber wird durch seinen Glauben [EMUNA] leben.

  • ĕmûnâ (HSN 530) [בֶּאֱמוּנָתוֹ] Substantiv: Festigkeit; im übertragenen Sinne: Sicherheit; moralisch: Treue: — Glaube (-treu, -haft, -heit, (Mensch)), Amt, Stabilität, Beständigkeit, wahrhaftig, Wahrheit, wahrlich.

In der Fußnote der Elberfelder-Übersetzung finde sich noch folgender Hinweis:
{o. durch seine Treue; o. in seiner Wahrheit. – LXX: aus meiner Treue, o. aus Glauben zu mir}

Im Neuen Testament wird dreimal auf Habakuk 2.4 Bezug genommen:

  • Römer 1.17
  • Galater 3.11
  • Hebräer 10.38

Am ausführlichsten wird dieses „Leben aus Glauben heraus“ im Römerbrief des Paulus thematisiert. Schauen wir uns das an:

Römer 1.16-17   KNT

16) Denn ich schäme mich des Evangeliums nicht, denn es ist eine Gotteskraft zur Rettung für jeden Glaubenden, dem Juden zuerst, wie auch dem Griechen. 17) Denn Gottes Gerechtigkeit wird darin enthüllt aus Glauben für Glauben, so wie es geschrieben steht: Der Gerechte wird aus Glauben leben.

Gottes Gerechtigkeit, Errettung und Rechtfertigung erlangen wir durch Glauben.

Dieses Leben aus Glauben geht dann auch über unser physisches Leben hinaus. Denn das physische Leben haben wir alle, ob wir nun glauben oder nicht glauben. Das Ewige Leben erlangen wir aber allein durch Glauben. In den Schreiben das Apostel Johannes finden wir weitere Hinweise auf dieses äonische Leben aus Glauben:

Johannes 20.30-31   ELB

39) Auch viele andere Zeichen hat nun zwar Jesus vor den Jüngern getan, die nicht in diesem Buch geschrieben sind. 31) Diese aber sind geschrieben, damit ihr glaubt, dass Jesus der Christus ist, der Sohn Gottes, und damit ihr durch den Glauben Leben habt in seinem Namen.

1.Johannes 5.11-13   ELB

11) Und dies ist das Zeugnis, dass Gott uns ewiges Leben gegeben hat, und dieses Leben ist in seinem Sohn. 12) Wer den Sohn hat, der hat das Leben; wer den Sohn Gottes nicht hat, hat das Leben nicht. 13) Dies habe ich geschrieben, damit ihr wisst, dass ihr ewiges Leben habt, die ihr an den Namen des Sohnes Gottes glaubt.

Wir erkennen hier also, dass dieses „äonische Leben in Christus“ die Begrenzungen unseres physischen Lebens nicht kennt. Es sprengt unsere bekannten Vorstellungen vom irdischen Leben. Dieses äonische Leben wurde uns zugänglich gemacht durch den Glauben an Jesus Christus.

7. Das alltägliche Leben durch Glauben gestalten

7.1 Der folgerichtige Gottesdienst

Dieses Leben aus Gott, welches durch Glauben empfangen wird, durchdringt nun unser tägliches Leben. Essen, schlafen, arbeiten, Gemeinschaft pflegen und alle anderen Dinge, die wir tagtäglich verrichten sind darin eingeschlossen.

So schreibt dann Paulus im Römer 12 zu den praktischen Dingen des Glaubens:

Römer 12.1-2   ELB

1) Ich ermahne euch nun Brüder, durch die Erbarmungen Gottes, eure Leiber darzustellen als ein lebendiges, heiliges, Gott wohlgefälliges Opfer, was euer vernünftiger [logikos] Gottesdienst ist. 2) Und seid nicht gleichförmig dieser Welt, sondern werdet verwandelt durch die Erneuerung des Sinnes, dass ihr prüfen möget, was der Wille Gottes ist: das Gute und Wohlgefällige und Vollkommenen.

  • logikos (GSN 3050) [λογικός] Adjektiv: rational („logisch“): vernünftig, in Bezug auf das Wort

Am Ende vom Kapitel 14 kommt dann die Einsicht, dass alles was nicht aus Glauben geschieht, Sünde ist. Das ist die konsequente Schlussfolgerung aus dem zu Beginn besprochenen Vers, dass der durch Glauben Gerechte leben wird. Im Weiteren schauen wir uns also die praktische Umsetzung an.

7.2 Wie Glauben in meinem Herzen aufgebaut wird

Die Bibel lehrt uns, dass dann etwas geschieht, wenn der dreieinige Gott sein Wort ausspricht. Es gibt zwei Formen des Wortes Gottes die sich unterscheiden:

  1. Das gesamte, logisch zusammenhängende Wort Gottes [LOGOS]
  2. Das machtvolle, rechtmäßig in eine Situation ausgesprochene Wort Gottes [RHEMA]

LOGOS

Die wohl bekannteste Aussage der Bibel zum gesamten Wort Gottes [LOGOS] lautet:

Johannes 1.1-3   KNT

1) Zu Anfang war das Wort [LOGOS], und das Wort war zu Gott hingewandt, und wie Gott war das Wort. 2) Dieses war zu Anfang zu Gott hingewandt. 3) Alles ist durch dasselbe geworden, und ohne dasselbe wurde auch nicht eines das geworden ist.

In anderen Übersetzungen heißt es: „und das Wort war bei Gott“. Was wir erkennen ist, dass das Wort in einer tiefen Verbindung mit Gott steht. Es geht von ihm aus und ist zugleich auch auf ihn ausgerichtet. Die Übersetzung „hingewandt“ weißt uns auf einen Dialog hin, der bei Gott, in der Dreieinigkeit Gottes stattfindet.

  • logos (GSN 3056) [λόγος] Substantiv: Wort (218x), Ausspruch (50x), Bericht (8x), Rede (8x), Wort (Christus) (7x), Sache (5x), nicht übersetzt (2x), Verschiedenes (32x)

RHEMA

Die zweite Form, das [RHEMA]-Wort bewirkt eine unmittelbare Veränderung. REO bedeutet Fließen. Aus dieser Wortverbindung könnte man das RHEMA-Wort auch als das fließende Wort oder die fließende Rede bezeichnen. Da dieses Wort von Gott ausgesendet wird, ist es auch bereits am Wirken. Denn es ist dazu bestimmt eine Wirkung, eine Veränderung hervorzubringen.

Hebräer 1.3   KNT

3) Er ist die Ausstrahlung Seiner Herrlichkeit und das Gepräge Seines Wesens und trägt das All durch sein machtvolles Wort [RHEMA].

Hebräer 11.3   ELB

3) Durch Glauben verstehen wir, dass die Welt (Äonen) durch Gottes Wort [RHEMA] bereitet worden ist, so dass das Sichtbare nicht aus Erscheinendem geworden ist (nicht aus Sichtbarem geschaffen wurde).

In Hebräer 11.3 finden wir nun eine direkte Verbindung vom Reden Gottes und dem Glauben. Das Wort wird von Gott ausgesandt, um Glauben zu bewirken. Durch Glauben verstehen wir auch die Wirkungsweise des Wortes: Aus unsichtbarem (Gedanken und Worte) erschafft Gott das Sichtbare. Sobald Jesus durch den heiligen Geist persönlich zu uns spricht, wird Glauben in unser Herz gesät. Diesen Prozess entdecken wir bei vielen Protagonisten der Bibel. Aufgrund eines ihnen von Gott zugesprochenen Wortes gingen sie los und handelten aus Glauben. In Hebräer 11 finden wir ein Nachlassschreiben, welches diesen Personen ein hervorragendes Zeugnis ausstellt.

  • rhēma (GSN 4487) [ῥῆμα] Substantiv: eine Äußerung (einzeln, gemeinsam oder speziell); implizit eine Angelegenheit oder ein Thema.
7.3 Achte auf dein Herz

Ich habe nun schon in vielfacher Weise darauf hingewiesen, dass der Glaube direkt mit unserem Herzen in Verbindung steht. Er ist teil unserer Persönlichkeit und unseres Charakters.

So kommt es, dass der Glaube auch über Generation „weitervererbt“ werden kann.

2. Timotheus 1.5   KNT

5) Und neue Erinnerungen erhalten an den ungeheuchelten Glauben in dir, der schon deiner Großmutter Lois und deiner Mutter Eunike vorher innegewohnt hat; ich bin aber überzeugt, auch in dir.

In diesen Versen hören wir von mehreren Generationen, die auf diese Herzenshaltung des Glaubens achteten und sich befleißigten, das wertvolle Gut an die nächste Generation weiterzugeben. Die Achtsamkeit auf das eigene Herz kann man sehr wohl erlernen. Wir sind Teil des neuen Jesus-Tempels und zu Priestern desselben berufen. Als Priester sind wir auch Wächter über den Tempel. Also sollten wir darüber wachen was in den Tempel hinein und auch wieder hinausgeht. Das bedeutet, dass wir darauf achten, was unser Herz prägt und was daraus hervorgeht. Ein Gradmesser sind da unsere Worte. Sie geben sehr präzisen Rückschluss, was in unserem Herzen vorgeht.

7.4 Glaube soll bezeugt werden

Römer 10.10   ELB

19) Denn mit dem Herzen wird geglaubt zur Gerechtigkeit, und mit dem Mund wird bekannt zum Heil.

Gott sprach und es wurde ins Sichtbare gerufen, dieser Vorgang wird schon im Schöpfungsakt beschrieben. Auch wir haben diese Fähigkeit von Ihm „geerbt“. Wenn ich etwas im Glauben empfangen und innere Gewissheit erlangt habe und es dann ausspreche, wird es für unsere natürlichen Sinne sichtbar und real. Das Aussprechen ist also ein wichtiger Schritt, welcher den Glauben in die Tat umsetzt. Es ist auch eine natürliche Verhaltensweise, dass ich als gläubige Person das Wort Gottes im Alltag anwende und dann logischerweise auch davon rede. Damit bezeuge ich meinen Glauben

7.5 Glaube soll praktiziert werde

1. Timotheus 3.8-9   ELB

8) Ebenso die Diakone: ehrbar, nicht doppelzüngig, nicht vielem Wein ergeben, nicht schändlichem Gewinn nachgehend, 9) die das Geheimnis des Glaubens in reinem Gewissen bewahren.

In Matthäus 5.8 finden wir die Aussage von Jesus: „Glückselig, die reinen Herzens sind, denn sie werden Gott schauen.“

Wenn Glauben praktiziert wird, geht es immer auch um unser Herzen. Wenn der Glaube also praktisch werden soll, dann fängt das in meinem Herzen an. Darum ist es mir wichtig, dass ich gut auf den Zustand meines Herzens achte. Glauben und damit auch das „Sehen“ von Gott, steht in der Abhängigkeit mit einem reinen Herzen. Das geistliche Gewissen rechne ich auch dem Herzen zu. Wenn wir also gemäß unserem Glauben handeln werden, ist es wichtig, dass wir uns ein reines Gewissen bewahren. Und so ist auch alles, was ich nicht mit meinem Gewissen vereinbaren kann nicht aus Glauben und somit Sünde. Auf dieser Grundlage und indem wir der „inneren Stimme“ gehorsam sind, werden wir Werke tun, die aus Glauben gewachsen sind. Dass wir unseren Glauben so in unserem Alltag leben und danach handeln, führt zu einem gesunden Wachstum

7.6 Glaube muss sich bewähren

Jakobus 1.2-4   KNT

2) Erachtet es für alle Freude, meine Brüder, wenn ihr in mancherlei Versuchungen fallt; 3) möget ihr erkennen, dass die Erprobung eures Glaubens Ausharren bewirkt. 4) Doch soll dieses Ausharren ein vollkommenes Werk sein, damit ihr vollkommen und unversehrt seid und es euch an nicht fehlt.

1. Petrus 1.6-7

6) Die ihr jetzt kurz, wenn es sein muss, durch mancherlei Proben betrübt werdet, 7) damit die Prüfung eures Glaubens (der wertvoller ist als Gold, das doch umkommt, aber durch Feuer geprüft wird) zum Lobpreis, zur Verherrlichung und Ehre bei der Enthüllung Jesu Christi erfunden werdet.

2. Timotheus 4.7   KNT

7) Den edlen Ringkampf habe ich gerungen, den Lauf habe ich vollendet, den Glauben habe ich bewahrt.

Was sagen diese Worte aus? Unser Glaube wird erprobt und geprüft, am Ende wird er sich bewähren und wir können wie Paulus sagen, „den Glauben habe ich bewahrt.“

In meiner Biografie und in meinen Ohren hören sich diese Verse so schwer und ernst an. Als ich mich nun ein weiteres Mal damit auseinandersetzte, bekam ich neue und unbeschwerte Gedanken. Jesus hat mit Petrus Glauben trainiert, indem er ihn aufforderte aufs Wasser zu gehen. Aus natürlicher Perspektive könnte man sagen, das war eine etwas verrückte Challenge. Mein vierjähriges Enkelkind liebt Challenges und sie hat sich dieses neudeutsche Wort schon zu eigen gemacht. In ihrem kindlichen Wesen liebt sie es, neue Challenges anzupacken, sich darin mit andern zu messen und sich zu beweisen, dass sie es schafft. Dabei fürchtet sie sich auch nicht zu versagen. Wenn sie die Herausforderung selbst gewählt hat, probiert sie es gleich noch einmal, bis das Vorhaben gelingt. Ich habe mir vorgenommen, diese kindliche Herangehensweise für mein Glaubenstraining als Vorbild zu nehmen

7.7 Das Mass des Glaubens

Römer 12.3   KNT

3) Denn auf Grund der mir gegebenen Gnade sage ich einem jeden unter euch, nicht über das hinaus zu sinnen, was man im Sinn haben soll, sondern darauf bedacht zu sein, gesunde Vernunft zu zeigen, so wie Gott einem jeden das Maß [metron] des Glaubens zuteilt.

Römer 12.6   KNT

6) Gemäß der uns gegebenen Gnade haben wir nun vorzügliche Gnadengaben: sei es Prophetenwort, so werde es gebraucht nach der Maßgabe [analogia] des Glaubens;

  • metron (GSN 3358) [μέτρον] Substantiv: Maß z.B. ein Flüssigkeitsmaß – eine absolute Maßeinheit.
  • analogia (GSN 356) [ἀναλογία] Substantiv: Maßgabe, im Verhältnis, entsprechend – eine relative Maßeinheit, ein Anteil.

In den vorangegangenen Kapiteln haben wir uns damit beschäftigt, wie Glaube in uns hineingelegt wird und wie wir darin wachsen können. Abschließend haben wir ein Wort, das uns auffordert, die von Gott gesetzten Grenzen unseres Glaubens zu erkennen.

Einerseits gibt es das Maß des Glaubens, das uns gemäß dem absoluten Maßstab Gottes zugeteilt wurde.

Römer 14.23   KNT

23) Wer aber Bedenken hat, wenn er isst, der ist verurteilt, weil er nicht aus Glauben handelt; alles aber, was nicht aus Glauben geschieht, ist Sünde.

Anhand dieses Verses wird für mich das Maß des Glaubens verständlich. Nehmen wir als Beispiel einen Film im Fernsehen oder ein Musikstück im Radio. So kann ich etwas bedenkenlos ansehen oder anhören und bin in der Freiheit, für meinen gläubigen Kollegen geht das aber nicht mit seinem Glauben überein. Wir haben ein unterschiedliches Maß und es gilt, doch nicht gegenseitig zu verurteilen

Andererseits werde ich aufgefordert, im Prophetischen Dienst nur so viel auszusprechen, wie ich auch gemäß meinem Glauben vertreten kann. Gehe ich über die Verhältnismäßigkeit meines Glaubens, bin ich nicht mehr glaubwürdig und die Worte verlieren ihre Wirkkraft.

7.8 Wem ich geglaubt habe

2. Timotheus 1.12   KNT

12) Das ist auch die Ursache, dass ich dies jetzt leide, jedoch schäme ich mich dessen nicht; denn ich weiß, wem ich geglaubt habe, und bin überzeugt, dass Er mächtig ist, das mir Anvertraute auf jenen Tag zu bewahren.

Rückblickend können wir sagen, dass das, was wir geglaubt haben einige Male in unserem Bekenntnis revidiert werden musste. Wie Paulus dürfen wir dann aber auch sagen: Der, auf den wir vertraut haben, war immer zu hundert Prozent vertrauenswürdig, er hat uns nicht enttäuscht. Es gibt in dieser Welt so viele Stimmen, die deine und meine Aufmerksamkeit suchen. Aber es gibt nur eine Stimme, nur die Worte des einen, die uns richtig leiten. Die Stimme des guten Hirten, ihm sollen und dürfen wir glauben. Sein Wort ist absolut glaubwürdig und wahr.

Schlusswort und Verdankung

Ich kann mir nicht vorstellen, dass ich ohne die Unterstützung von Andrea G. Xandry diese Veröffentlichungen in der vorliegenden Form geschafft hätte. In vielen gemeinsamen Stunden des Austauschs, der Fragen, der Textüberarbeitung und der Ermutigung habe ich an Glauben, innerer Sicherheit und Stärke gewonnen. Ein herzliches Dankeschön an dich Andrea!